„Ich schwöre, ich hab nichts gemacht!“

Mit Polizei auf Poser-Jagd: Sie sorgen für Ruhe im PS-Stall!

Ein Abend mit der &#39Einsatzgruppe Poser&#39 der Polizei Mannheim.
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Ein Abend mit der 'Einsatzgruppe Poser' der Polizei Mannheim.
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Ein Abend mit der 'Einsatzgruppe Poser' der Polizei Mannheim.
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Ein Abend mit der 'Einsatzgruppe Poser' der Polizei Mannheim.
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Ein Abend mit der 'Einsatzgruppe Poser' der Polizei Mannheim.

Mannheim - Wenn die Dunkelheit einbricht, sind sie auf den Straßen: junge Männer mit teuren Schlitten. Doch wo Poser sind, sind auch Michael Schwenk und Ralf Mayer nicht weit. Sie sorgen für Ruhe im Stall!

Wenn die Motoren lautstark in der Innenstadt dröhnen, sind sie gefragt: Die Jaguar- und Ferrari-Jäger! Die Polizisten Michael Schwenk (39) und Ralf Mayer (57) sind von der „Einsatzgruppe Poser“ und auf der Suche nach den lauten Söhnen Mannheims. Die Lauten, das sind die sogenannten Poser – und davon gibt es hier mehr als genug!

Über 300 von ihnen soll es in Mannheim laut Schwenks Schätzungen geben. Das sei jedoch nur der „Stamm“, so der Polizist. Das Kuriose: Viele Poser kommen gar nicht aus der Quadratestadt, sondern fahren extra mit ihren Karren dort hin, um zu protzen! Vor allem die ‚Fressgasse‘ und ‚Kunststraße‘ verwandelt sich in den Abendstunden zu einer Angeber-Meile. Schließlich gibt es hier durch die vielen Bars und Cafés genug Publikum.

Um 17 Uhr treffen wir uns mit Schwenk und Mayer im Polizeirevier in der Hochuferstraße. Die Zwei sind gut gelaunt – doch wird ihnen das Lachen im Laufe des Abends vergehen?

Bekannt und gefürchtet – aber geachtet

In einem braunen Mercedes-Kombi geht es in die Innenstadt. Die Beamten scherzen im Auto, veräppeln sich gegenseitig. Die Chemie zwischen ihnen stimmt. Anders würde es wohl auch nicht funktionieren. „Eigentlich brauchen wir kein Zivil-Auto mehr. Wir sind hier schon bekannt, so Schwenk. Und tatsächlich: Immer wieder werden sie von den jungen Männern gegrüßt. Erstaunlich freundlich ist der Umgangston mit den Protzern.

Kurz nach dem Start entdeckt Mayer schon das erste Fahrzeug: Eine schwarzeMercedes G-Klasse mit Darmstädter Kennzeichen. Am Steuer sitzt ein junger Mann, keine 30 Jahre alt. „Ein Diesel hört sich niemals so an!“ schimpft Mayer auf dem Beifahrersitz. Für ein Dieselfahrzeug ist es eindeutig zu laut. Es ist manipuliert, damit es sich wie ein V8 anhört – verboten!

Der Fahrer behauptet, dass das Auto geliehen sei – für eine Hochzeit am nächsten Tag. Doch das interessiert die Beamten herzlichst wenig. Wer am Steuer sitzt, müsse auch dafür sorgen, dass das Fahrzeug keine Mängel hat. Sich hinter dem Autoverleih zu verstecken, zieht nicht. Das Verwarnungsgeld muss er bezahlen. 

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„Wenn das mein Vater sieht“

Über Funk bekommen die Poser-Jäger eine Nachricht von ihren Kollegen. Ein weißer Mercedes AMG soll am Wasserturm mit heulendem Motor vorbeigerast sein. Die Beamten stöhnen: Es ist ein alter Bekannter.

Sie positionieren sich in der ‚Kunststraße‘ und warten. Aus Erfahrung wissen sie, dass er hier gleich vorbeifahren wird. Und so ist es auch: Keine fünf Minuten später steht der Mercedes an der Ampel. Als er Schwenk und Mayer erblickt, grinst er und grüßt sie fast überschwänglich. Rausgezogen wird er trotzdem, da hilft auch das unschuldige Grinsen nichts.

„Ich schwöre, ich hab nichts gemacht, sagt der junge Mann hinter dem Lenkrad. „Da haben die Kollegen aber etwas anderes erzählt“, kontert Schwenk gelassen. Ausreden kennt er zur Genüge. Es ist „alles original“ oder „es war schon so, als sie es gekauft haben“. Ist klar!

Als der Fahrer unsere Kamera erblickt, wird ihm ganz anders. „Sie haben mich nicht drauf, oder?“, fragt er den Kameramann. „Wenn das mein Vater sieht! Wir lassen die Kamera aus. Erst danach spricht er mit uns.

„Dieses Jahr habe ich noch keine Strafe bekommen“, erzählt er uns stolz. „Letztes Jahr bin ich aber einige Male erwischt worden.“ Daraus habe er gelernt, behauptet er. Sein Verhalten beweist jedoch das Gegenteil. Trotz des pubertären Beizverhaltens kommt er sympathisch rüber. Eben wie ein Kind, das versucht seine Grenzen auszutesten.

Gegen Poser-Szene – Polizeikontrolle am Kaiserring!

Ohne Führerschein bist Du nichts

Die Meisten sind einsichtig und harmlos. Auch haben sie wenig mit Drogen oder Alkohol zu tun. Sie lieben ihren Wagen und möchten diesen so lange wie möglich fahren. Ein Führerscheinentzug kommt einer Kastration gleich.

Es ist erst kurz vor 19 Uhr und schon wird das dritte Poser-Fahrzeug erblickt: Ein blauer Nissan GT-R. Der Mann lässt seinen Motor laut aufheulen und wird direkt angehalten! Seit sechs Monaten fährt der 28-Jährige den laut eigenen Aussagen 100.000 Euro-Wagen und ist schon einige Male angehalten worden. Er kennt das Prozedere. An seinem Auto ist tatsächlich „alles original“ – doch deswegen muss er es noch lange nicht laut fahren. Nach einer Verwarnung geht für ihn die Reise weiter.

Anders sieht es allerdings bei einem Jaguar-Fahrer aus! Mayer hält den schwarzen Wagen an, denn sowohl die Bremslichter, als auch die Blinker sind schwarz foliert. Der Fahrer passt jedoch überhaupt nicht ins typische Poser-Profil. Die meisten seien männlich, zwischen 18 und 35 Jahre alt und stammen oft aus den Balkan-Ländern, so der erfahrene Polizist.

Dieser jedoch ist etwa Mitte 40. Aus seinem Auto dröhnen deutsche Schlager und er scheint von nichts eine Ahnung zu haben – ob das stimmt? „Das ist alles original. Das kommt so vom Werk.“ Wer‘s glaubt. Schwenk verdreht die Augen – es ist wohl immer die selbe alte Leier. Sogar die Scheiben auf Fahrer- und Beifahrersitz sind verdunkelt – auch verboten! 

Mayer zieht die Folie von den Leuchten. Nach einer kurzen Diskussion lassen sie den ‚Ahnungslosen‘ jedoch ziehen. „Der war jetzt einfach schlecht beraten, sagt Schwenk anschließend im Auto.

Unbelehrbar, doch trotzdem sympathisch

Im selben Moment fährt wieder der weiße AMG an uns vorbei. Dieses Mal ganz vorbildlich und leise. „Wie eine Schleichkatze“, ruft Schwenk ihm hinterher. Der 24-Jährige lächelt – fast so, als wäre er auf das Lob des 39-Jährigen angewiesen. Kurze Zeit später treffen wir ihn wieder: Er will unbedingt sicherstellen, dass er auf unseren Aufnahmen nicht zu sehen ist, sonst gibt es Ärger von Papa.

Kaum losgefahren, fährt ein weiteres bekanntes Gesicht vorbei. Ebenfalls ein Jaguar-Fahrer – doch deutlich arroganter, als der Mann mit den folierten Bremslichtern! Der 25-Jährige lässt den Motor mit Absicht mehrmals aufheulen, dann hört man einen heftigen Schlag. Was sich zunächst nach ‚Misfire‘ – also einer Fehlzündung –  anhört, ist jedoch gewollt. Mechanische Blähungen scheinen in den Ohren der Autofanatikern besonders schön zu klingen. Für Anwohner, die einfach nur schlafen wollen, ist das unnötiger und absolut nerviger Krach. 

Das teure Auto habe er selbst bezahlt, behauptet der Poser. Er habe eine eigene Firma. „Wenn man 150 Stunden die Woche arbeitet, geht das“, fügt er hinzu. „Ich verdiene mein Geld legal, nicht so wie die ganzen AMGler hier.“ Dass er dabei noch Zeit zum Posen findet, verwundert da etwas. Auch wenn an seinem Gefährt nichts manipuliert ist, vorsätzlich unnötigen Lärm in der Innenstadt zu verursachen ist – verboten!

1.000 Euro Strafe für‘s Posen?

Während einer kurzen Pause haben wir Zeit uns mit den Beamten zu unterhalten: Bereits seit drei Jahren gibt es die „Einsatzgruppe Poser“. Insgesamt sei es jedoch deutlich ruhiger geworden, als die letzten Jahre. Die Maßnahmen zeigen Wirkung!

Die Stadt hat eine sogenannte ‚Extrem-Poser Verfügung‘. Diese wird ausgesprochen, wenn jemand wirklich unbelehrbar ist! Das sei auch schon zwei Mal passiert. Für die Protzer bedeutet es, dass sie bei jedem kleinen Verstoß eine Strafe von 1.000 Euro blechen müssen! Auch wenn diese in der Regel nur mit 20 Euro bestraft werden. 

Ein Hardcore-Poser muss da deutlich tiefer in die Tasche greifen und das schmerzt – die meisten zumindest! Es gibt jedoch tatsächlich welche, die es darauf anlegen, erwischt zu werden. Für sie sei das wie eine Art Spiel, erklärt Mayer. Dafür nehmen sie auch die horrente Strafe in Kauf.

Drogen oder zu wenig Schlaf?

Danach geht es weiter: Vor uns fährt eine Super-Vespa. Auf der zweispurigen Straße sind 50 Kilometer pro Stunde erlaubt. Der Roller ist allerdings mit etwa 65 Sachen unterwegs. Kurz vor einem Blitzer geht er in die Eisen, nur um danach wieder zu beschleunigen. Auch hier heißt es: Kelle raus, anhalten! 

Der junge Mann sieht blass aus, seine Augen müde. Schwenk bittet ihn, die Augen zu schließen. Seine Lider zittern. Er muss eine Urinprobe abgeben. Es besteht der Verdacht, dass der Fahrer unter Drogen steht. Doch der Test fällt negativ aus! Der Vespa-Fahrer ist nur gerade aus dem Bett gekommen, um seine Nachtschicht anzutreten.

Doch wegen seines Fahrzeugs kommt er nicht so einfach davon: Der Fahrer hat den Auspuff manipuliert, damit sein Gefährt richtig dröhnt – einen sogenannter dB-Eater entfernt.

Mannheim: Vorbild für andere Reviere

Das Konzept in der Quadratestadt ist einmalig. Mittlerweile hat sich das auch in den anderen Bundesländern herumgesprochen und immer mehr Reviere ziehen nach – Frankfurt, Hamburg und sogar Rosenheim! Sie alle orientieren sich an der Arbeit von Schwenk und seinen Kollegen. 

‚Poser‘ (22)  verursacht schweren Unfall in Fressgasse!

Doch wer hier tätig ist, muss nicht nur starke Nerven haben. Vielmehr müssen die Beamten lernen, mit den Posern auf Augenhöhe zu sprechen. Überheblichkeit würde nur Trotzreaktionen bei den Testosterongesteuerten hervorrrufen. Schwenk und Mayer passen sich ihrer Sprache an, scherzen auch mit den Unbelehrbaren und werden von ihnen akzeptiert und geachtet. 

Erst am frühen Morgen ist der Spuk beendet und die Polizisten können nach Hause zu ihren Familien fahren. Dann heißt es erstmal ausschlafen – bis zur nächsten Jagd.

jab

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