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Nach tödlichem Einsatz am Marktplatz: „Unfassbar“ – Polizeiwissenschaftler kritisiert Beamte

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Von: Marten Kopf

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Mannheim - Nach dem Tod eines Psychiatrie-Patienten werden die Vorwürfe lauter. Auch der Polizeiexperte Thomas Feltes hält den Umgang der Beamten mit dem Mann für unverhältnismäßig.

Der Umgang der Polizei mit einem psychisch kranken Mann, der vergangene Woche nach einer Polizeikontrolle in Mannheim starb, war nach Ansicht des Polizeiwissenschaftlers Thomas Feltes unverhältnismäßig. Den Beamten sei klar gewesen, dass der 47-Jährige psychisch krank gewesen sei. „Das macht den Fall für mich so unfassbar“, sagt er am Montag (9. Mai) der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“.

StadtMannheim (Baden-Württemberg)
Fläche145 km²
Bevölkerung309.721 (Stand: 31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterDr. Peter Kurz (SPD)

Tödlicher Polizeieinsatz in Mannheim: Oft Schwer, eine psychische Erkrankung zu erkennen

Feltes war zuletzt bis 2019 Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. „Der Polizeibeamte sollte in solchen Fällen wissen, dass die Person auf bestimmte polizeiliche Maßnahmen anders reagiert als andere Menschen“, so Feltes weiter.

Seinen Schätzungen zufolge ist in drei von vier Fällen, in denen ein Mensch nach einer polizeilichen Maßnahme ums Leben komme, der Betroffene psychisch erkrankt. Zum einen wüssten Polizisten meist nicht, wie man mit solchen Menschen umgehen solle. Zum anderen sei es für sie oft schwer, eine psychische Erkrankung zu erkennen.

Tödliche Polizeikontrolle am Marktplatz: Schläge gegen den Kopf

Der Mann war gestorben, nachdem Polizisten ihn kontrolliert und überwältigt hatten. Zuvor hatte ein Arzt des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit die Polizei informiert, weil ein Patient möglicherweise Hilfe brauche. Die Beamten entdeckten den 47-Jährigen schließlich am Rande des Marktplatzes mitten in der Mannheimer Innenstadt.

Im Netz kursierende Videos zeigen, wie ein Polizeibeamter auf den Kopf des am Boden Liegenden einschlägt. Die Echtheit der Filmsequenzen wird derzeit geprüft. Schläge ins Gesicht seien bei einer Person, die stehe, zulässig, meint Feltes dazu. Hier aber habe eine Person am Boden gelegen. Der Vorfall sorgt vielfach Kritik am Vorgehen der Polizei.

Nach Tod bei Einsatz in Mannheim: Großdemo gegen Polizeigewalt

Die beiden Beamten sind inzwischen vom Dienst suspendiert. Gegen die Mannheimer Polizisten wird wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt mit Todesfolge ermittelt. Inzwischen liegt noch eine weitere Anzeige gegen die Männer vor. Da Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Baden-Württemberg nach dem Vorfall aber ohnehin schon ermitteln, hat die Anzeige wohl keine besonderen Konsequenzen.

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Der Vorfall löste eine bundesweite Diskussion über Polizeigewalt aus. Am vergangenen Samstag (7. Mai) zogen über 900 Menschen vom Ort des Geschehens aus durch die Mannheimer Innenstadt, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. (mko/dpa)

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