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Stadt Mannheim schaltet nachts Lichter aus – Polizei erwartet keine Steigerung von Straftaten

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Von: Peter Kiefer

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Mannheim - Um Energie zu sparen, wird in der Quadratestadt nachts die Beleuchtung teils abschaltet. MANNHEIM24 spricht mit der Polizei über mögliche Gefahren und Sicherheitsbedenken:

Die besorgniserregende Energiekrise zwingt uns alle massiv zum Energie sparen – auch Städte wie Mannheim und Heidelberg. Deshalb schaltet das Mannheimer Rathaus seit 1. September nachts die Beleuchtung mehrerer Straßen und Gebäude ab. Viele Bürger haben deshalb ein mulmiges Gefühl, wenn sie im Dunklen vor die Tür gehen. MANNHEIM24 hat bei der Polizei nachgefragt, ob sich die Bürger fürchten müssen?

Lichter aus in Mannheim: Dunkelheit spielt Verbrechern in die Karten

Kriminaloberkommissarin Maike Niedermayer vom Polizeipräsidium Mannheim bewertet aus Sicht der Kriminalitätsbekämpfung: „Unbeleuchtete Bereiche im öffentlichen Raum begünstigen aus polizeilicher Sicht kriminelles Handeln. In der Dunkelheit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Täterinnen und Täter gerichtsverwertbar identifiziert werden können und polizeiliche Fahndungsmaßnahmen in unmittelbarer zeitlicher Abfolge der Tat stellen sich schwieriger dar.“

Und die Dunkelheit spielt auch potenziellen Verbrechern in die Karten: „Dieses geringere Entdeckungsrisiko begünstigt aus Sicht von Täterinnen und Tätern kriminelles Handeln. Daher sind beleuchtete Bereiche grundsätzlich als sicherer zu bewerten als unbeleuchtete. Wir erwarten aufgrund der Energiesparmaßnahmen keine signifikante Steigerung der Straftaten, werden dies allerdings beobachten und gegebenenfalls reagieren“, so Niedermayer.

Mannheim: Lichter aus als Energiesparmaßnahme – „Entstehen beängstigender Räume vermeiden“

Aus Sicht der Kriminalprävention verweist die Oberkommissarin auf eine Einschätzung des Referats Prävention, in der steht: „Neben der objektiven Gefährdung ist das subjektive Sicherheitsgefühl entscheidend für das Wohlgefühl und die Raumnutzung. Um dieses subjektive Sicherheitsgefühl positiv zu beeinflussen, gilt es, das Entstehen von Räumen zu vermeiden, deren Nutzung als unangenehm oder beängstigend wahrgenommen wird.“

Dies sei meist der Fall, „wenn - neben fehlender Sozialkontrolle und Verwahrlosung - mangelnde Übersichtlichkeit dazu führt, dass Orte unüberschaubar sind und sich potenziellen Tatbegehenden Versteckmöglichkeiten bieten“.

Straßenbeleuchtung in Mannheim wird nicht abgeschaltet

Weiter bewertet das Referat Prävention: „In diesem Zusammenhang haben fehlende Blickbeziehungen und Einsehbarkeit einzelner Funktionsbereiche, schlechte Orientierungsmöglichkeiten und eine nicht ausreichende Beleuchtung negative Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl. Eine ausreichende Beleuchtung ist also für das positive subjektive Sicherheitsgefühl elementar und sollte stets gegeben sein, um Angsträume zu vermeiden und Unfallgefahren vorzubeugen.“

Abschließend kann die Kriminaloberkommissarin besorgte Bürger ein Stück weit beruhigen: „Uns liegt zudem seitens der Stadt Mannheim die Auskunft vor, dass diese sich nach intensiver Prüfung hinsichtlich sowohl der Verkehrssicherheit als auch der Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger im öffentlichen Raum dazu entschieden hat, lediglich die reine Effektbeleuchtung (Bodenstrahler) in den Bereichen Breite Straße und Augustaanlage abzuschalten und nicht die Straßenbeleuchtung.“ Diese Maßnahme sei bereits seit dem 5. September wirksam.

Stadt Mannheim schaltet nachts Beleuchtung ab – Politiker besorgt

Aufgrund der Maßnahmen hat bereits die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Dr. Angela Wendt, ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht. Zwar sei die Umsetzung der Maßnahmen zu begrüßen, sie weist jedoch darauf hin, „dass die Sicherheit von Frauen in den späten Abend- und Nachtstunden dadurch nicht zusätzlich gefährdet werden darf.“

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Man müsse darauf achten, dass „für Frauen keine neuen Gefahrenquellen und Angsträume entstehen.“ Als möglichen Schutz nennt die Grünen-Politikerin eine Ausweitung des Frauentaxis. Und auch die CDU stellt klar, dass Energiesparen zwar ein lobenswertes Unterfangen sei, dennoch die Sicherheit der Bürger an erster Stelle stehen müsse. „Es muss deshalb sichergestellt sein, dass durch das Ausschalten der Beleuchtung keine neuen Angsträume entstehen“, betont CDU-Kreisvorsitzender Christian Hötting. (pek)

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