Eindrücke nach Corona-Lockdown

Geschäfte dürfen öffnen: Mannheim hat belebteste Innenstadt Deutschlands

Mannheim – Die neue Corona-Verordnung der Landesregierung ist in Kraft getreten: Erste Läden in der Fußgängerzone haben wieder geöffnet. MANNHEIM24 hat sich auf den Planken umgeschaut. 

Update vom 23. April: Die Mannheimer Innenstadt ist am Donnerstag (23. April) die belebteste Innenstadt Deutschlands, wie die Tagesschau berichtet und beruft sich dabei auf Zahlen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Vor einigen Tagen wurden die ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie gelockert und erste Läden durften wieder aufmachen. „Der Einzelhandel kann etwas aufatmen“, entgegnet dahin gehend der IfW-Präsident Gabriel Felbermayr gegenüber der Tagesschau. Im bundesweiten Vergleich verzeichnete Mannheim am heutigen Donnerstag ein Passantenvolumen von 56 Prozent des unter normalen Umständen an Werktagen zwischen 9:00 und 20:00 Uhr zu erwartenden Niveaus. Somit hatte Mannheim die belebteste Innenstadt in Deutschland. Dicht gefolgt wurde Mannheim von Hannover (54 Prozent) und Dortmund (51 Prozent). München hingegen verzeichnete ein Passantenvolumen von gerade einmal 13 Prozent.

Coronavirus in Mannheim: Geschäfte dürfen öffnen

Bei frühlingshaften Temperaturen ist am Himmel über der Quadratestadt keine einzige Wolke zu sehen. Es ist Montagvormittag (20. April) und der vierwöchige Total-Lockdown gehört der Vergangenheit an. Einige Geschäfte auf den Mannheimer Planken öffnen ihre Pforten und so mancher Stadtbummler gönnt sich ein leckeres Eis. Eigentlich nichts Besonderes, doch in Zeiten der Corona-Krise werden alte Gewohnheiten förmlich zelebriert – für viele scheint es mehr zu sein, als nur ein Stück wiedergewonnene Normalität. 

Coronavirus in Mannheim: Eisdielen öffnen nach Lockdown-Lockerung  

Das gilt nicht nur für jene, die zufrieden ihr Eiswaffelhörnchen halten, auch die Mitarbeiterinnen einer Eisdiele auf den Planken strahlen mit dem grenzenlosen Sonnenschein um die Wette. „Ich freue mich so sehr, dass es wieder losgeht. Vor Aufregung habe ich die halbe Nacht nicht geschlafen“, zeigt sich Saida hellauf begeistert. 

Bei Saida (r) und Maria (l) gibt‘s leckeres Eis für unterwegs.  

Dem kann ihre Kollegin Maria nur zustimmen und fügt noch hinzu: „Es sind zwar nicht ganz so viele Menschen unterwegs, doch die meisten, die hier vorbeikommen, holen sich auch ein Eis“. Und während die Stimmung beim gemeinsamen Foto an der Eisdiele ausgelassen ist, scherzt ein weiterer Kollege aus dem Hintergrund: „Zeigt euch von eurer Schokoladenseite“. 

Coronavirus in Mannheim: Lange Schlangen vor den Geschäften  

Damit die Abstandsregeln in den Geschäften eingehalten werden können, regulieren die meisten Läden den Einlass. Anders als in Ludwigshafen bilden sich in Mannheim zum Teil lange Schlangen – und das wird noch für lange Zeit zum Corona-Alltag gehören. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch; um unnötiges Anstehen zu vermeiden, hat ein Drogerie-Händler vor dem Eingang eine Tafel aufgestellt. 

Ein Drogerie-Markt klärt die Kunden bereits am Eingang über die Verfügbarkeit von Ware auf. 

Darauf ist in grüner und roter Farbe weithin sichtbar markiert, welche gefragten Artikel verfügbar oder ausverkauft sind. Auch Patrick steht in der Schlange und weiß die Aktion zu schätzen: „Ich war bereits vergangene Woche hier und musste mich gar nicht erst anstellen, da mein Artikel nicht verfügbar gewesen ist“.

Coronavirus in Mannheim: Große Geschäfte bleiben geschlossen  

Daneben schlendert Sulaymann mit seinen zwei Kindern, Samantha und Tyrese, entspannt über den Planken: „Endlich wieder ein normales Leben“, freut sich der Vater. Als kommunaler Vollzugsbeamter hat Sulaymann zwei Wochen lang in Zwölf-Stundenschichten die Einhaltung des Kontaktverbotes in Speyer kontrolliert. Nun genießt er die Auszeit mit den Kindern und während sich Söhnchen Tyrese das Ballspielen im Unteren Luisenpark herbeisehnt, ist Tochter Samantha auf der Suche nach neuen Klamotten

Sulaymann (l) freut sich nach zwei intensiven Arbeitswochen als kommunaler Vollzugsbeamter über gemeinsame Zeit mit Sohn Tyrese (r).  

Letzteres gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet, denn von vollständiger Normalität kann keine Rede sein. Im Hintergrund signalisieren die heruntergelassenen Metall-Rollläden vor großen Modehäuser: Die Corona-Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Die 800-Quadratmeter-Regelung der Landesregierung sieht hier keine Öffnung vor.

Coronavirus in Mannheim: Kritik an 800m2-Regelung

Die Lockerungen der Ladenschließung in Abhängigkeit von Betriebsgröße oder Verkaufsfläche sorgt vielerorts für Kritik. So spricht der Handelsverband Deutschland in diesem Zusammenhang bereits von „Diskriminierung“ und „Wettbewerbsverzerrung“. 

Auch Sulaymann hält diese Regelung für nicht allzu pragmatisch: „Alternativ könnte man überall den Einlass so regulieren, dass sich im Schnitt eine Person pro 20 Quadratmeter in einem Geschäft aufhält – das wäre zielführender“, lässt der kommunale Vollzugsbeamte wissen. 

Einlassbeschränkungen verursachen lange Schlangen vor den Geschäften (20. April 2020). 

Der guten Laune der jungen Familie tut das jedoch keinen Abbruch. Die Drei wollen sich jetzt auch ein Eis gönnen – Saida und Maria stehen auf jeden Fall mit Freude bereit. Die Freude ist auch bei den Jahreskartenbesitzer des Luisenparks und Herzogenriedparks groß. Denn die beliebten Stadtparks machen wieder auf.

Coronavirus in Mannheim: Weitere News aus der Quadratestadt

Von der Lockerung der Corona-Maßnahmen noch nicht betroffen sind derzeit Kindergärten und Grundschulen. Die meisten Kinder müssen (noch) zuhause bleiben. Dabei legen aktuelle Untersuchungen nahe, dass gerade Kinder unter zehn Jahren gegen das Coronavirus quasi immun sind. Die Uniklinik Heidelberg will diesem wichtigen Thema jetzt in einer landesweiten Studie nachgehen. Erste Ergebnisse werden bereits Anfang Mai erwartet.

Andere große Geschäfte wie MediaMarkt, Saturn und H&M wollen ebenfalls wieder eröffnen. Nur das Einrichtungshaus Ikea bleibt in der Corona-Krise stur. 

Ab sofort findest Du alle News und aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Baden-Württemberg in unserem neuen News-Ticker.

Um die Corona-Verordnung durchzusetzen, müssen die Beamten des Polizeipräsidiums Mannheim viele Überstunden klopfen. Die ersten Wochen verliefen ruhig und der Großteil der kontrollierten Personen zeigte sich einsichtig und verständnisvoll. An einem Freitagabend in Mai wendet sich aber das Blatt: In den Planken trifft eine „Corona-Streife“ auf knapp 150 Jugendliche. Als sie das Abstandsgebot durchsetzen wollen, eskaliert die Situation und die Beamten werden angegriffen. Gerade einmal 24 Stunden später ist die nächste Eskalationsstufe (9. Mai) erreicht. Wieder versammeln sich am „Plankenkopf“ in den Quadraten P7/O7 rund 250 Personen. Es werden Böller auf Polizisten geworfen und eine Schreckschuss-Waffe abgefeuert. In der Folge kursieren im Netz Aufrufe zu Randale und Gewalt gegen Polizeibeamte

esk 

Rubriklistenbild: © Eliran Kendi/MANNHEIM24

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare