Urin statt Abstrich

Urin-Test von Mannheimer Firma soll Corona nachweisen – in 15 Sekunden

Mannheim - Auf der Suche nach schnellen und zuverlässigen Corona-Tests will die Firma Pharmact Abhilfe schaffen – und greift auf dabei auf eine ungewöhnliche Methode zurück.

Neben Impfungen setzen Bund und Länder im Kampf gegen das Coronavirus vor allem auf Corona-Schnelltests, sind sie doch ein integraler Bestandteil zur allmählichen Rückkehr in die Normalität und können helfen, die Pandemie trotz zahlreicher Lockerungen ansatzweise unter Kontrolle zu halten. Wie groß das Bedürfnis in der Bevölkerung nach solchen Tests ist, hat spätestens der Ansturm auf die Discounter am vergangenen Wochenende gezeigt. Bei Aldi, Lidl und Co. wurden bereits ab dem 6. März Schnelltests angeboten – und waren innerhalb weniger Stunden komplett vergriffen.

KrankheitCoronavirus, Covid-19, SarS-Cov-2
ÜbertragungTröpfcheninfektion
VorsichtsmaßnahmeMaske, Abstand, Hygieneregeln

Nach dem Impfstoff-Wettlauf zwischen Biontech, Moderna, Astrazeneca - bald wohl wird wohl auch das Vakzin von Johnson&Johnson zugelassen - liefern sich derzeit unzählige Unternehmen und Firmen einen Wettstreit um die besten Corona-Schnelltests. Neben Zuverlässigkeit und Schnelligkeit ist dabei auch ein weiterer Faktor elementar: nämlich der Komfort!

Innovative Testmöglichkeiten sind dabei durchaus gefragt und willkommen, schließlich empfinden zahlreiche Menschen den ‚klassischen‘ Test duch Nasen- und Rachenabstriche als äußerst unangenehm. Und genau hier kommt Pharmact aus Mannheim ins Spiel. Das Medtech-Unternehmen, das sich auf die Prävention von Krankheiten durch Früherkennung spezialisiert hat, hat nämlich einen Corona-Schnelltest entwickelt, bei dem der SARS-CoV2-Erreger über Urin nachgewiesen werden kann.

Mannheim: Pipi statt Abstrich – Schnelltest von Pharmact soll Corona-Infektion im Urin nachweisen

Wie Dr. Gunther Burgard, medizinischer Direktor der Pharmact GmbH, gegenüber der Wormser Zeitung erklärt, bildet sich bei Corona-positiven Testpersonen nach kurzem Schütteln der Urinprobe umgehend ein sichtbarer Schaum. Und das bereits nach 15 Sekunden, heißt es auf der Produktseite des so genannten Foaming Tests.

Mannheim: Pharmact-Test soll Coronainfektion Urin nachweisen – so funktioniert‘s

Mit zunehmender Viruslast im Körper scheiden Infizierte sogenannte Metaboliten aus, also Zwischenprodukte in einem Stoffwechselvorgang. Auch einige andere mit einer Corona-Infektion einhergehende Substanzen findet man im Urin“, erklärt Burgard den Corona-Test von Pharmact. Diese für gewöhnlich nicht im Urin enthaltene Stoffe würden schließlich mit dem Teststoff reagieren. Dabei könne der Test von Pharmact schon ab dem zweiten Morgenurin nach dem Tag der Infektion eine Ansteckung mit dem Coronavirus anzeigen. Wie Burgard gegenüber der Wormser Zeitung weiter erklärt, steige die Menge des Schaums proportional zur Viruslast im Körper.

Heißt: Der Corona-Test von Probanden mit hoher Viruslast schäumt mehr als der von Menschen mit niedriger Viruslast!

Die Mannheimer Firma Pharmact hat einen Corona-Test entwickelt, der anhand der Analyse des Urins funktioniert.

Außerdem soll der Urin-Test auf Serin-Arginin Basis Infektionen mit jeder Mutation erkennen können. Mittels einer Farbskala auf dem zu benutzenden Reagenzglas soll die Höhe der Viruslast der positiv auf das Coronavirus getesteten Person angezeigt werden. „Wenn der nach dem Schütteln entstandene Schaum die gelbe, orange oder rote Zone erreicht, sollten die Testpersonen auf jedem Fall einen PCR-Test machen lassen“, fügt Pharmact-Direktor Burgard hinzu.

Wichtig: Das Ergebnis des Urin-Schnelltests ist - wie auch bei allen anderen Schnelltests - kein Garant für den Ausschluss einer Infektion mit dem Coronavirus, sondern dient „nur“ als Momentaufnahme.

Unternehmensangaben zu Folge ist der Urin-Test von Pharmact aktuell noch nur für den professionellen Gebrauch freigegeben, die Zulassung für die Allgemeinheit werde aber in den kommenden Tagen erwartet.

Mannheim: Corona-Infektion anhand von Urin-Analyse erkennen – so zuverlässig ist der Test von Pharmact

Eine klinische Studie hat laut Unternehmen ergeben, dass der Urin-Test mit einer Zuverlässigkeit von 92 Prozent Corona-positive Personen ermitteln kann, nicht infizierte Probanden werden mit zu 89 Prozent negativ getestet.

Laut Wormser Zeitung wird der Test aktuell in der Türkei hergestellt, jedoch sei eine Produktionsausweitung auf Deutschland, Großbritannien und die USA in der Planung. Aktuell beläuft sich der Preis des Urin-Tests auf 19,80 pro Stück – und damit rund vierfach so hoch wie beispielsweise die Tests, die bei Discountern wie Aldi und Lidl angeboten werden. „Mit weiterem Ausbau der Produktion können auch die Preise für den Urintest deutlich gesenkt werden“, versichert Burgard. (rob)

Rubriklistenbild: © Ralf Hirschberger/dpa/Screenshot Pharmact/Fotomontage

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