Wie viele sind wirklich infiziert? 

Corona-Studie aus Mannheim: UMM testet 18.000 Kinder

Corona-Studie aus Mannheim: Bei Kindern verläuft eine Coronavirusinfektion oft symptomfrei. Die UMM will jetzt herausfinden, wie viele Fälle es wirklich gibt.

  • Eine Coronavirus-Infektion verläuft bei den meisten Kindern harmlos oder sogar symptomfrei.
  • Es herrscht viel Unklarheit, wie viele Kinder schon eine Infektion hinter sich haben.
  • Die Universitätsmedizin Mannheim untersucht zusammen mit Virologen Christian Drosten, wie viele Kinder an Covid-19 erkrankt sind.

Es ist knapp zwei Monate her, dass Kitas und Schulen in Baden-Württemberg aufgrund der Coronavirus-Pandemie schließen mussten. Das Hauptargument für die Schließungen war, dass ein Großteil der Kinder eine Coronavirus-Infektion praktisch symptomfrei wegsteckt, aber trotzdem infektiös ist und andere Personen mit der Krankheit anstecken könnte. Seitdem herrscht Unklarheit über Kitas und Schulen als „Verbreitungs-Hubs“ für das Coronavirus. Einige Wissenschaftler bezweifeln, dass Kita- und Schulschließungen die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen; während andere Forscher noch fest davon überzeugt sind.

Die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) will diesbezüglich stichfeste Beweise liefern und herausfinden, wie viele Kinder in Deutschland tatsächlich infiziert sind und wie die Virusverbreitung innerhalb eines Jahres verläuft.

Corona-Studie aus Mannheim: UMM testet 18.000 Kinder und Jugendliche

Bei aller Unsicherheit scheint die Datenlage in einem Punkt klar: Bei dem Großteil der Kinder und Jugendlichen verläuft eine Covid-19-Erkrankung harmlos und bei vielen sogar symptomfrei. Im Umkehrschluss vermuten viele Forscher jetzt, dass viele Kinder ihre Erkrankung gar nicht erst erkennen oder melden. Für Virologen ist eine verlässliche Datenlage aber unabdingbar, wenn sie denn richtige Empfehlungen für die Politik aussprechen sollen. Wie die UMM schreibt, „gibt es jedoch kaum Informationen zu relevanten epidemiologischen Kenngrößen der Coronavirus-Infektion bei Kindern.“

An der Mannheimer Corona-Studie werden 14 Kinderkliniken in ganz Deutschland partizipieren, um ein möglichst repräsentatives Ergebnis zu liefern. Sie sollen Probanden für die Studie gewinnen, deren Blut dann von den Wissenschaftlern an der Uniklinik Mannheim und der Charité in Berlin untersucht wird. Die Forscher untersuchen das Blut von Kindern und Jugendlichen unter 18 auf spezifische Covid-19 Antikörper.

Corona-Studie aus Mannheim: UMM untersucht Kinder und Jugendliche

Corona-Studie aus Mannheim: Ablauf der Studie

Obwohl die Corona-Studie das Blut der Probanden untersucht, ist es keine invasive Untersuchung. Denn die Kinder, deren Blut untersucht wird, sind sowieso schon in den Kliniken und müssen aufgrund anderer Indikatoren einen Bluttest machen. „Da wir bei der Akquise der Probanden keinen Einfluss nehmen, sondern die möglichen Probanden quasi zufällig in unseren Kliniken vorfinden, erwarten wir sehr repräsentative Ergebnisse“, erläutert der Studienleiter, Professor Dr. Horst Schroten von der Kinderklinik in Mannheim. Sobald die Kinder (und deren Eltern) zustimmen, werden ihre Blutproben anonymisiert und nach Berlin in die Charité geschickt, wo sie auf die Antikörper gegen das Coronavirus getestet werden. Monatlich sollen 1.500 Proben gesammelt werden, sodass am Ende die Daten von 18.000 Kindern ausgewertet werden.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Teilnehmende für #Covid-19-Studie gesucht Bei der #IMMUNITOR-Studie erforscht das Institut für Klinische Chemie (IKC) der #UMM anhand von Blutproben , wie das #Immunsystem auf das SARS-CoV-2-Virus reagiert. Das Forschungsteam überprüft vor allem auch, wie zuverlässig verschiedene Tests eine #Immunität gegen den Erreger nachweisen können. . . Für die #Studie suchen wir aktuell: . Personen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben. Personen, die in den letzten Monaten eine Atemwegs-Erkrankung mit oder ohne #Grippesymptome hatten und vielleicht unbewusst eine Infektion durchgemacht haben. . . ❓Trifft eines davon auf dich zu❓ ❗️Dann melde dich bitte unter immunitor@umm.de! . Deine Blutspende macht den Unterschied: Hilf mit, dass Menschen, die gegen Sars-Cov-2 immun sind, sicher identifiziert werden können! . Weitere Infos zur Studie in der bio. . #immunitor #ForschunggegenCorona #forschengegencorona #ForschunggegenCovid19 #covid #covid2019 #covid_19 #universitätsmedizinmannheim #uniklinikmannheim #universitätsklinikum #klinikummannheim #uniklinik #mannheim #universitätsmedizin #universitätsklinik

Ein Beitrag geteilt von Universitätsklinikum Mannheim (@uniklinik_mannheim) am

Prominente Unterstützung: Christian Drosten kooperiert mit Uniklinik Mannheim

Die Corona-Studie, die von der Kinderklinik des UMM initiiert wird, soll bis November 2021 laufen und wird mit insgesamt 500.000 Euro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Außerdem erhält die Studie aus Mannheim prominente Unterstützung. Der Virologe Professor Dr. Christian Drosten, der die Bundesregierung seit Beginn der Pandemie umfassend berät, wird die Blutproben analysieren und Professor Dr. Rüdiger von Kries aus München wird die Daten auswerten. Schroten, Drosten und von Kries erhoffen sich von der Studie, Voraussagen über den zukünftigen Pandemieverlauf treffen zu können.

An der Uniklinik Heidelberg werden derzeit die Tests für eine andere landesweite Studie beendet. Die Untersuchung an den Unikliniken Heidelberg, Ulm, Tübingen und Freiburg soll die Frage beleuchten, ob und wie stark Kinder das Coronavirus an ihr direktes Umfeld übertragen. Dazu werden in ganz Baden-Württemberg 2.000 Elternteil-Kind-Paare sowohl auf eine aktive Corona-Infektion als auch auf Antikörper getestet. Im Interview erklärt Studienleiter Prof. Dr. Georg Hoffmann, wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen ist.

Auch interessant: In Kupferzell, einem der sogenannten Corona-Hotspots in Baden-Württemberg, sollen rund 2.000 der knapp 6.000 Einwohner befragt und getestet werden. Der Ort ist einer von vier Schwerpunkten der Studie „Corona Monitoring lokal“ des Robert-Koch-Instituts (RKI).

mw

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare