Neue Umfrage-Ergebnisse veröffentlicht

Corona-Studie aus Mannheim: Haben die Deutschen genug vom Kontaktverbot?

Mannheim - Wie viele Menschen arbeiten im Home-Office und halten sich an das Abstands- und Kontaktverbot? Wie steht die Bevölkerung zur Ausgangssperre? Die Corona-Studie der Uni Mannheim liefert Antworten: 

  • Das Coronavirus verändert unser Leben in allen Bereichen.
  • Ein Forscherteam der Universität Mannheim untersucht die Auswirkungen der Pandemie.
  • Die Corona-Studie zeigt die Folgen des Coronavirus und liefert wichtige Zahlen: 

Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland hat sich das Leben für jeden einzelnen Bürger verändert. Viele arbeiten nun von zu Hause aus, betreuen gleichzeitig ihre Kinder und meiden jegliche sozialen Kontakte. Die aktuelle Situation ist aber nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt Neuland. Daten, wie sich die Corona-Pandemie auf unser Leben auswirken wird, gibt es deshalb kaum. Ein Forscherteam aus Mannheim will dies aber ändern. 

Seit dem 20. März führt das 20-köpfige Team der Universität Mannheim eine Corona-Studie durch. Das Ziel: Wöchentlich ein repräsentatives Stimmungs- und Lagebild aus Deutschland zu bekommen. Themen wie Ausgangssperre, Home-Office, Kinderbetreuung, finanzielle Sorgen oder Ängste aufgrund des Coronavirus werden dabei abgefragt.

Coronavirus: Forscherteam aus Mannheim erstellt Corona-Studie – Soziale Kontakte werden gemieden

Mithilfe des German Internet Panel (GIP) werden in den nächsten Wochen im Schnitt 500 Menschen befragt – und das jeden Tag. Insgesamt stehen 4.000 Probanden zur Verfügung, die bereits seit Jahren beim GIP dabei sind. Täglich bekommen Teilnehmer zu einem bestimmten Thema Fragen zugeschickt. 

Unseres Wissens nach sind wir die Einzigen, die tagesaktuell erheben können, wie die Corona-Krise das Leben der Menschen in Deutschland beeinflusst. Deshalb sehen wir es als unsere gesellschaftliche Pflicht, dazu beizutragen, den Einfluss der Corona-Krise auf die Bevölkerung besser zu verstehen und die Öffentlichkeit sowie Entscheidungsträger in der Politik und Wirtschaft täglich über die Entwicklungen zu informieren“, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Wochenbericht der Mannheimer Corona-Studie

Auch interessant: In Kupferzell, einem der sogenannten Corona-Hotspots in Baden-Württemberg, sollen rund 2.000 der knapp 6.000 Einwohner befragt und getestet werden. Der Ort ist einer von vier Schwerpunkten der Studie „Corona Monitoring lokal“ des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Corona-Studie enthüllt: Halten sich immer weniger Menschen an das Kontaktverbot?

Update vom 5. Mai: Wie hat sich das Verhalten der Deutschen während der Corona-Krise verändert? Akzeptieren die Bürger weiterhin die Corona-Maßnahmen oder gibt es bereits erste Unterschiede zu den Erhebungen Anfang April? 

Die Forscher der Uni Mannheim präsentieren am Dienstag (5. Mai) ihre neuen Ergebnisse der Corona-Studie. Dabei ist deutlich erkennbar, dass die Menschen sich wieder häufiger mit Freunden, Verwandten oder Arbeitskollegen treffen. Während bei der Erhebung Anfang April 69 Prozent der Befragten angaben, gar keine Personen zu treffen, sind es jetzt nur noch 36 Prozent. 22 Prozent der Probanden sehen ihre Familien und Freunde mehrmals die Woche, fast 11 Prozent sogar täglich. 

Laut der Corona-Studie aus Mannheim treffen fast 11 Prozent der Befragten täglich Freunde und Verwandte.

Auch die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen hat sich verändert. Während im April noch rund 59 Prozent eine Ausgangssperre für sinnvoll hielten, sind es jetzt nur noch 13 Prozent. Auch die Schließung öffentlicher Einrichtungen empfinden nur noch rund 48 Prozent als angemessen. Das Veranstaltungsverbot findet aber nach wie vor große Zustimmung bei den Befragten (90 Prozent). Laut der Corona-Studie aus Mannheim sind außerdem rund 40 Prozent der Meinung, dass der wirtschaftliche Schaden, der durch die Corona-Krise entsteht, höher ist als der gesellschaftliche Nutzen. 

Die Forscher der Uni Mannheim wollen auch mehr über die Beschäftigungsverhältnisse der Menschen herausfinden. Dabei spiegelt die Corona-Studie das Ergebnis der veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit wider. 

Im April wird der schockierende Rekordwert von über 10 Millionen Menschen, die Kurzarbeit angemeldet haben, erreicht. Auch die Corona-Studie zeigt, dass der Anteil der Kurzarbeiter von rund 6 Prozent auf fast 11 Prozent angestiegen ist.

Beschäftigungssituation

Anteil (Stand Anfang April)

Anteil (Stand Anfang Mai)

Arbeit regulär vor Ort

58,8 Prozent

64,7 Prozent

Im Home-Office

21,2 Prozent

19,8 Prozent

In Kurzarbeit

6,1 Prozent

10,9 Prozent

Freistellung mit Lohn

10,2

2,8 Prozent

Freistellung ohne Lohn

2,5

0,7 Prozent

Arbeitslos

1,2 Prozent

1,1 Prozent

Mannheim: Die ersten Ergebnisse der Corona-Studie

Meldung vom 4. April: Die Corona-Studie hat unter anderem ergeben, dass vor der Verordnung des Kontaktverbots 42 Prozent der Befragten sich mehrmals die Woche mit Freunden oder Verwandten getroffen haben. Nachdem das Kontaktverbot in Kraft getreten ist, hat sich dieser Umstand radikal verändert. Die Mehrheit (69 Prozent) gibt jetzt an, soziale Kontakte gar nicht mehr aufzusuchen. Eine weitere Maßnahme zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie könnte die sogenannte Corona-App sein, die bei der Ermittlung von Kontaktpersonen helfen soll. Kritiker sehen einen massiven Eingriff in die Privatsphäre.

Coronavirus-Studie aus Mannheim: Veranstaltungsverbot geht in Ordnung, eine Ausgangssperre aber nicht

Die Mannheimer Studie behandelt auch die Coronavirus-Maßnahmen, die von der Regierung getroffen wurden. Eine deutliche Mehrheit der Befragten halten demnach das Veranstaltungsverbot, die Schließung öffentlicher Einrichtungen und Grenzschließung angesichts des Coronavirus für angemessen. Allerdings: Bei der Ausgangssperre sieht es ganz anders aus. Weniger als die Hälfte (41 Prozent) hält eine Ausgangssperre für nicht sinnvoll. Auch eine mögliche Einstellung von Nah- und Fernverkehr halten die Probanden nicht für angemessen. Eine Anwältin aus Heidelberg ist sogar regelrecht entsetzt. Deshalb will die Fachanwältin für Medizinrecht nun sogar gegen die Corona-Verordnungen klagen – wenn‘s sein muss geht sie davor sogar bis vors Verfassungsgericht.

In einem Punkt sind sich aber beinahe alle einig: Dass gar keine Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie ergriffen werden sollten, halten 98,6 Prozent der Probanden für absolut unangebracht. 

Studie zum Coronavirus aus Mannheim: Trotz Home-Office-Hype arbeitet die Mehrheit im Büro

Die Corona-Studie aus Mannheim befasst sich auch mit dem Arbeitsalltag. So werden die Probanden gefragt, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Beschäftigungssituation hat. Die Mehrheit gibt an noch regulär zum Arbeitsplatz zu fahren. Nur etwa 21 Prozent bleiben zu Hause und machen Home-Office. Mit dem Hintergrund, dass beinahe alle Kinder und Jugendlichen, die aufgrund von Schul- und Kita-Schließungen zu Hause sind, von Personen aus dem eigenen Haushalt betreut werden, kann man sich nur schwer vorstellen, wie die betroffenen Familien diese schwierige Situation meistern.

Beschäftigungssituation

Anteil

Arbeit regulär vor Ort

58,8 Prozent

Im Home-Office

21,2 Prozent

In Kurzarbeit

6,1 Prozent

Freistellung mit Lohn

10,2

Freistellung ohne Lohn

2,5

Arbeitslos

1,2 Prozent

Steigt die Angst in der Bevölkerung aufgrund des Corona-Virus? Studie aus Mannheim versucht Antworten zu finden

Verändert die Corona-Virus-Pandemie grundlegend unsere Gesellschaft und unseren Zusammenleben? Eine mögliche Auswirkung ist, dass Leute ängstlicher werden. Angst ist eine Emotion, die uns vor Gefahren warnt und gleichzeitig aber auch mobilisieren kann“, heißt es in dem wöchentlichen Bericht der Corona-Studie aus Mannheim. Durch gezielte Fragen wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob das Coronavirus die Ängste der Menschen steigen lässt. 

In dem Zeitraum von Beginn der Studie bis zum 31. März bleibt das Gefühl der Angst beinahe konstant. Aber: Der Studie fehlen die Erhebungen vor dem Ausbruch des Coronavirus. Man wolle dies aber in künftigen Befragen noch ermitteln.

Um die Corona-Verordnung durchzusetzen, müssen die Beamten des Polizeipräsidiums Mannheim viele Überstunden klopfen. Die ersten Wochen verliefen ruhig und der Großteil der kontrollierten Personen zeigte sich einsichtig und verständnisvoll. An einem Freitagabend in Mai wendet sich aber das Blatt: In den Planken trifft eine „Corona-Streife“ auf knapp 150 Jugendliche. Als sie das Abstandsgebot durchsetzen wollen, eskaliert die Situation und die Beamten werden angegriffen. Gerade einmal 24 Stunden später ist die nächste Eskalationsstufe (9. Mai) erreicht. Wieder versammeln sich am „Plankenkopf“ in den Quadraten P7/O7 rund 250 Personen. Es werden Böller auf Polizisten geworfen und eine Schreckschuss-Waffe abgefeuert. In der Folge kursieren im Netz Aufrufe zu Randale und Gewalt gegen Polizeibeamte

jol

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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