Immense Umsatzeinbußen

Corona in Mannheim: Ist die Veranstaltungsbranche am Ende? So viel Verlust haben sie bisher gemacht

Mannheim - Seit Beginn der Corona-Pandemie müssen Veranstaltungshäuser erhebliche Verluste verkraften. Um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen, haben sie jetzt die „Alarmstufe Rot" ausgerufen:

  • Mannheim: Bisher wurden insgesamt 808 (+16) Menschen positiv auf das Coronavirus getestet (Stand: 3. September).
  • Die Veranstaltungsbranche ist wegen der Corona-Pandemie in der Krise.
  • Bei einem gemeinsamen Pressegespräch rufen Veranstalter aus Mannheim die „Alarmstufe Rot" aus.

Monatelang können wegen der Corona-Pandemie in den Mannheimer Veranstaltugshäusern keine Konzerte, Aufführungen, Messen, Kongresse und Sportveranstaltungen mehr stattfinden. Im Zuge der Corona-Lockerungen in Baden-Württemberg öffnen zwar immer mehr Häuser wieder, jedoch dürfen Veranstaltungen nur unter umfangreichen behördlichen Auflagen und für relativ wenige Gäste durchgeführt werden. Für die Veranstaltungsbranche in Mannheim ist das ein herber Schlag.

Um sich gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen haben sich vor einigen Wochen Betreiber von Veranstaltungshäusern und Mannheimer Veranstalter zusammengefunden. Mit dabei sind die m:con – mannheim:congress GmbH, das Capitol, der Jazz-Club Ella & Louis, die SAP Arena, BB Promotion, die Mannheimer Hallenbetriebs-GmbH, das Musik-Kabarett Schatzkistl, das Rhein Neckar Theater und die Alte Feuerwache. Am Mittwoch (2. September) findet ein gemeinsames Pressegespräch statt, bei dem die Veranstalter auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen wollen.

Pressekonferenz von Veranstaltungshäusern und Veranstaltern aus Mannheim zum Thema „Alarmstufe Rot für die Veranstaltungsbranche in Mannheim“

Corona in Mannheim: Umsatzeinbußen von 7,7 Millionen Euro bei m:con

„Initiativen wie die Night of Light haben zwar bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, diese hat aber nicht so lange angehalten, wie wir uns das gewünscht hätten. Obwohl die Veranstaltungsbranche Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig ist, hat sie im Verhältnis zu anderen Branchen weniger Raum in den Berichterstattungen gefunden.“ erklärt m:con Geschäftsführer Bastian Fiedler den Anstoß für die Pressekonferenz.

Gebäude erstrahlen in rotem Licht – Impressionen aus Mannheim

Die SAP Arena erleuchtet bei der „Night of Lights“ in Rot.
Die SAP Arena erleuchtet bei der „Night of Lights“ in Rot.
Die SAP Arena erleuchtet bei der „Night of Lights“ in Rot.
Die SAP Arena erleuchtet bei der „Night of Lights“ in Rot.
Gebäude erstrahlen in rotem Licht – Impressionen aus Mannheim

Bei der m:con sind allein zwischen März und September insgesamt 87 Veranstaltungen im Congress Center Rosengarten coronabedingt abgesagt worden, entweder auf Entscheidung des Veranstalters oder aufgrund der behördlichen Vorgaben. Der dadurch entgangene Umsatz beläuft sich auf circa 7,7 Millionen Euro.

Einige Veranstaltungen konnten auf neue Termine im 4. Quartal 2020 beziehungsweise im Jahr 2021 verlegt oder wie beispielsweise im Falle einiger Hauptversammlungen digital durchgeführt werden. Obwohl aufgrund des Hygienekonzeptes Veranstaltungen mit begrenzten Besucherzahlen wieder durchführbar sind und auch diverse Neuanfragen und -buchungen bis Jahresende eingegangen sind, bleibt der wirtschaftliche Schaden immens. Über die Hälfte der Belegschaft war teilweise in Kurzarbeit.

Corona in Mannheim: 162 Veranstaltungen im Capitol abgesagt

„Die zur Verfügung gestellten Hilfen sind leider eher ein Tropfen auf den heißen Stein und werden mittelfristig nicht den Erhalt der Kunst- und Kulturstätten sichern können.“ meint Thorsten Riehle, Geschäftsführer des Capitol in Mannheim. Zwischen März und Dezember wurden 162 Veranstaltungen mit einem Umsatzvolumen von ca. 1,5 Mio. Euro abgesagt, 86 davon wurden bisher verschoben.

Während aktuell alle 14 festangestellten Mitarbeiter des Capitol vollständig in Kurzarbeit und auch alle 25 Aushilfen dadurch ohne Einkommen sind, wurden im selben Zeitraum 2019 etwa 1,7 Millionen Euro bei der Durchführung von 273 Veranstaltungen erwirtschaftet.

Mannheim: BB Promotion muss Eintrittsgelder in Höhe von über 500.000 Euro zurückerstatten

Es ist nicht absehbar, wann es in der Veranstaltungbranche wieder „normal" weitergeht. Bei BB Promotion mussten durch Veranstaltungsabsagen bereits 12.000 Besuchern Eintrittsgelder in Höhe von etwa 530.000 Euro zurückerstattet werden. 52 Veranstaltungen, bei denen etwa 240.000 Besucher erwartet wurden, mussten verlegt werden. Diese Zahlen gelten allein für die Metropolregion, Frankfurt und Köln. Dadurch ist ein Großteil der Belegschaft auf unbestimmte Zeit in Kurzarbeit, ausgenommen hiervon ist das Ticketing, das noch immer mit der Ticketabwicklung der Veranstaltungen beschäftigt ist.

Im Bereich der BB Promotion Tourneen in der DACH Region wurden etwa 600 Shows mit einem erwarteten Umsatz von circa 30 Millionen Euro vollständig abgesagt.

Corona in Mannheim: Alle Mitarbeiter der SAP Arena in Kurzarbeit

„Die wirtschaftlichen Einbußen sind enorm: Wir haben einen Umsatzrückgang von 95% von April bis August 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rund 35 Großveranstaltungen mit ca. 300.000 Besuchern sind in diesem Zeitraum ausgefallen. Bei einem ausverkauften Event sind fast 500 Personen im Arena-Umfeld beschäftigt; diese Jobs sind weggebrochen“, betont Jens Reithmann, operative Geschäftsleitung der SAP Arena.

Events mit 500 Zuschauern entsprechen nicht nur nicht dem Geschäftsmodell der SAP Arena, sie sind auch nicht wirtschaftlich durchführbar. Auch bei der SAP Arena sind alle 50 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Mannheim: 200 Millionen Euro Umsatzausfall beim Maimarktgelände

Die Mannheimer Hallenbetriebs-GmbH vermarktet das Maimarktgelände im Auftrag der Stadt Mannheim für normalerweise jährlich rund 60 bis 70 Messen, Konzerte, Partys und Sportevents. Die Schwesterfirma Mannheimer Ausstellungen organisiert den Maimarkt: „Die größte Veranstaltung der Region musste abgesagt werden - ein immenser Schaden für Aussteller, Dienstleister und Zulieferer“, so Geschäftsführer Jan Goschmann. „Die Umsatzausfälle gehen weit über 200 Millionen Euro. Allein der Maimarkt steht für 3.000 Ganzjahres-Arbeitsplätze!“

Die von den Veranstaltern bei der Pressekonferenz zusammengetragenen Zahlen zeigen auf, mit welchen Existenznöten Firmen aus der Veranstaltungsbranche in Mannheim zu kämpfen haben. Die Akteure in Mannheim fordern von der Regierung eine zuverlässige Perspektive für die Branche. (pm/kp)

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/PR-Videp/Priebe

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