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Papplikum, Abstandsbier & Co.: Mannheimer Sprach-Institut sammelt neue Corona-Begriffe

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Von: Daniel Hagen

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Coronavirus - Wortneuschöpfungen
Das Institut für Deutsche Sprache sammelt Corona-Neologismen. (Symbolfoto) © Sebastian Gollnow/dpa

Die Corona-Pandemie hat unser Leben in so ziemlich allen Bereichen verändert – auch in der Sprache. Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache hat tausende neue Begriffe gesammelt.

Sprache ist stets im Wandel – das ist schon seit Jahrtausenden so. In den letzten Jahrzehnten haben die Anglizismen immer mehr Einzug in die deutsche Sprache gehalten, seit ein paar Jahren ist die Gender-Sprache auf dem Vormarsch. Doch mit Beginn der Corona-Pandemie hat sich völlig unbeachtet ein neuer Sprachschatz eröffnet. Durch Wortneuschöpfungen – sogenannte Neologismen – sind bis dahin komplett unbekannte Worte entstanden. Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache mit Sitz in Mannheim hat nun eine Liste mit allen ihnen bekannten Neuschöpfungen veröffentlicht.

Von A wie „Abflachen der Kurve“ bis Z wie „Zweitimpfling“ hat das Institut für Deutsche Sprache rund 2.000 Wortneuschöpfungen gesammelt, die durch das Coronavirus in Deutschland entstanden sind. Dabei sind einige Fachbegriffe, andere durch Zeitungen oder soziale Medien populär geworden. Alle sind mit einer kleinen Definition versehen, damit man weiß, was sie überhaupt bedeuten sollen. Wir haben uns diese Liste genauer angeschaut und eine kleine Sammlung der kuriosesten und witzigsten Begriffe ausgesucht.

NameLeibniz-Institut für Deutsche Sprache
StandortUniversität Mannheim
AdresseR5 6-13, 68161 Mannheim
Gründung1964

Institut Deutscher Sprache sammelt Corona-Begriffe

Beginnen wir mit ein paar Worten, die direkt mit dem Beginn der Pandemie im März 2020 zusammenhängen. Als man in Deutschland die Bilder aus Italien, China und Spanien sieht und sich bereits auf einen drastischen Lockdown einstellt. Zahlreiche Menschen stürmen die Supermärkte der Republik und hamstern Klopapier und Nudeln. Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbandes Bayern, bezeichne diese Art der Kunden als „Hamsterfront“. Andere nutzen lieber die Begriffe „Klopapier-Hamster“ oder „Zellstoff-Hamster“.

Ebenfalls kurios und ziemlich süß ist der Begriff „Knuffelkontakte“, der aus Belgien stammt. Dabei handelt es sich um eine Person, mit der man beim Treffen in den eigenen vier Wänden keine Abstandsregeln einhalten muss. Singles dürfen sogar gleich zwei dieser Kontakte haben. Das Wort „Knuffel“ bedeutet übrigens Kuscheln. Einen Schritt weiter geht es mit „Sex-Buddys“, einem Vorschlag des nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit. Alleinstehende sollen sich demnach einen festen Sexualpartner aussuchen, um das Virus einzudämmen.

Corona-Wortneuschöpfungen: Das steckt hinter Papplikum und Abstandsnudel

Wer allerdings lieber Abstand zu anderen Menschen haben will, sollte auf eine „Abstandsnudel“ zurückgreifen. Damit gemeint ist eine Poolnudel mit der Länge von 1,50 Meter, mit der man klarmachen kann: bis hier und nicht weiter! Trotzdem kann man mit seinen Freunden noch gemütlich einen Trinken gehen – dafür sorgt das „Abstandsbier“. Zwar sind Clubs, Bars und Kneipen geschlossen, ein Bierchen mit dem Nachbarn ist aber noch drin. Andere Personen benutzen dafür eher das Verb „coronern“, was die gleiche Bedeutung hat. Allerdings lässt sich der Begriff auch auf das Bier Corona zurückführen.

Ohne die Corona-Pandemie wären uns übrigens gleich mehrere spektakuläre und überlebenswichtige Erfindungen vorenthalten geblieben. So kommt im letzten Jahr keine TV-Show ohne ein „Papplikum“ aus. Da kein echtes Publikum im Studio erlaubt ist, muss der Platz für die Kameras aber trotzdem gefüllt sein. Dafür werden Pappaufsteller in Menschenform aufgestellt – teilweise sogar mit eingespieltem Jubeln unterstützt. In Italien wird zudem der „Trikini“ zum großen Hit. Tiziana Scaramuzzo entwickelt den Bikini mit farblich passendem Mundschutz eigentlich nur als Scherz.

Bratwurst-Impfung und Jeckdown – Institut Deutscher Sprache sammelt Corona-Begriffe

Wer vor der Pandemie das Wort „Bratwurst-Impfung“ gehört hätte, hätte sich wahrscheinlich vorgestellt, wie eine Wurst eine Spritze bekommt. Die Realität ist aber nicht minder kurios. So nutzen zahlreiche Menschen im Land erst dann eine kostenlose und lebensrettende Impfung, wenn sie dafür eine Bratwurst, einen Döner oder etwas anderes bekommen. Unter dem „Jeckdown“ versteht man den Verzicht auf alle Fastnachtsaktivitäten. Die Zusammenführung der Wörter Jecken und Lockdown wird wohl auch im Jahr 2022 wiederholt. In Städten wie Mainz wird bereits darüber nachgedacht, den Rosenmontagszug abzusagen. Die gesamte Liste findest du auf der Seite des Deutschen Instituts für Sprache. (dh)

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