Coronavirus-Pandemie

So müssen Ärzte über das Schicksal von Coronavirus-Patienten entscheiden, wenn Betten knapp werden

Fachärzte stellen sich auch in Deutschland darauf ein, dass Intensivbetten knapp werden. Ein Katalog mit folgenden Handlungsempfehlungen wird jetzt essentiell wichtig.

  • Aktuell 107.663 gemeldete Coronavirus-Infektionen allein in Deutschland beunruhigen Behörden und Bürger.
  • Ausgangsbeschränkungen sollen verhindern, dass sich die Pandemie weiterhin rasant ausbreitet.
  • Doch ein Abflachen der Infektionskurve ist aktuell noch nicht absehbar, im Gegenteil.
  • Mediziner rechnen in den kommenden Tagen und Wochen mit vielen Covid-19-Patienten, die in Kliniken behandelt werden müssen. 

Wie die Tagesschau meldete, verläuft Covid-19 bei 80 Prozent der Infizierten relativ leicht, bei rund 15 Prozent schwer und bei weiteren fünf Prozent kritisch. Breitet sich die Pandemie weiterhin ungestört aus, könnte es bundesweit also zu Millionen schweren oder sogar kritischen Krankheitsverläufen* kommen. Das deutsche Gesundheitssystem ist zwar besser aufgestellt als das vieler anderer europäischer Länder - doch auch hier stehen nur rund 28.000 Intensivbetten für die Behandlung von Coronavirus-Patienten zur Verfügung. Für Mediziner Anlass davon auszugehen, dass sie - wie in Italien - im weiteren Verlauf der Pandemie Entscheidungen über Leben und Tod treffen müssen. 

Wenn Triage Anwendung findet: Nicht jeder Coronavirus-Patient kann behandelt werden

Eine schwere Bürde, die durch einen neuen Maßnahmenkatalog geregelt werden soll. Sieben medizinische Fachgesellschaften formulierten darin die Vorgehensweisen, die Ärzte im Katastrophenfall - also im Falle, das die Intensivkapazitäten wegen zu vieler Covid-19-Patienten* nicht ausreichen - anwenden sollten. 

Maßnahmenkatalog hier einsehen

"Wenn nicht mehr alle kritisch erkrankten Patienten auf die Intensivstation aufgenommen werden können, muss analog der Triage in der Katastrophenmedizin über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden", heißt es in den Handlungsempfehlungen: "Die Priorisierung von Patienten sollte sich deshalb am Kriterium der klinischen Erfolgsaussicht orientieren, was nicht eine Entscheidung im Sinne der 'best choice' bedeutet, sondern vielmehr den Verzicht auf Behandlung derer, bei denen keine oder nur eine sehr geringe Erfolgsaussicht besteht".

Sollte es einen Mangel an intensivmedizinischen Geräten geben, müssten die Ärzte vor Ort zuerst entscheiden, wer überhaupt gerettet werden könne, zitiert das Ärzteblatt Christiane Woopen, Medizinethikerin und Vorsitzende des Europäischen Ethikrats. Aus dieser Gruppe würden diejenigen ausgewählt, die ein Beatmungsgerät besonders dringend bräuchten. "Wenn allerdings zwei Kranke dringend beatmet werden müssen, es aber nur ein Gerät gibt, sollte es derjenige bekommen, der die bessere Aussicht hat zu überleben − eine schwere Entscheidung", so Woopen.

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"Nicht mehr ausreichend intensivmedizinische Ressourcen für alle Patienten zur Verfügung"

Die Triage findet in dem Fall Anwendung: Ein System, das ursprünglich aus der Militärmedizin stammt. Der Begriff steht für die Einteilung von Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen. Diese Einteilung soll bei Entscheidungen über intensivmedizinische Behandlungen während der aktuellen Coronavirus-Pandemie zum Einsatz kommen, da es der Veröffentlichung zufolge "wahrscheinlich (sei), dass auch in Deutschland in kurzer Zeit und trotz bereits erfolgter Kapazitätserhöhungen nicht mehr ausreichend intensivmedizinische Ressourcen für alle Patienten zur Verfügung stehen, die ihrer bedürfen". Klare Handlungsempfehlungen könnten aber die Teams entlasten und zugleich das Vertrauen der Bevölkerung in das Krisenmanagement der Krankenhäuser stärken, wie das zdf aus dem Maßnahmenkatalog zitiert. 

Kriegsähnliche Zustände im Bereich der medizinischen Versorgung herrschen aufgrund der Coronavirus-Pandemie bereits in anderen europäischen Ländern wie Italien und Spanien. In Deutschland will die Regierung mit strengen Ausgangsbeschränkungen, Grenzkontrollen, der Schließung von Restaurants, Schulen und für das tägliche Leben nicht wichtigen Geschäften sowie einem Besuchsverbot in Altenheimen und ähnlichen Einrichtungen die Infektionswellen so weit eindämmen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. 

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Quellen: www.tagesschau.de; www.zdf.de; www.aerzteblatt.de

jg

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