Erziehungssache:


Soziale Kompetenzen bei Kindern fördern

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Kinder mit sozialen Defiziten reagieren häufig mit Aggression und haben kaum engeren Kontakt zu anderen Kindern. Umso wichtiger also, dem frühzeitig gegenzusteuern.

Den Umgang mit Emotionen üben 

Kleine Kinder müssen erst lernen, die verschiedenen Emotionen, die sie im Laufe eines Tages überkommen, zu kanalisieren und einzuordnen. Im täglichen Umgang mit anderen entwickeln sie allmählich ihre emotionale Kompetenz.

Mit positiven und negativen Gefühlen umgehen lernen 

Zunächst geht es darum, den Kindern dabei zu helfen, ihre Emotionen kennen und kontrollieren zu lernen. Ein wütendes Kleinkind kann noch nicht sagen, dass das, was es gerade fühlt, Wut ist. Es weiß nur, dass in diesem Moment etwas nicht so ist, wie es sich das wünscht. In diesem Gemütszustand mit dem Kind über Gefühle zu sprechen, ist nur wenig sinnvoll. Warten Sie lieber ab, bis sich das Kind wieder beruhigt hat, und versuchen Sie dann, das dahintersteckende Gefühl herauszufinden.

  • Sagen Sie dem Kind, welches Gefühl Sie vermuten 
  • Zeigen Sie Verständnis und bagatellisieren Sie die Gefühle des Kindes nicht 
  • Reagieren Sie achtsam auf die gezeigten Gefühle 
  • Helfen Sie dem Kind, sich wieder zu regulieren

Es ist wichtig für Kinder zu lernen, dass jedes Gefühl seine Berechtigung hat und dass sie auch negative Gefühle ruhig zulassen können. Sie dürfen wütend, traurig oder frustriert sein und müssen mit der Zeit lernen, diese Gefühle auszuhalten. Ablenkung und vorschnelles Trösten nehmen ihnen diese Möglichkeit. 

Sich in andere hineinversetzen können 

In einem nächsten Schritt geht es darum, dass die Kinder lernen, wie sich ihr Gegenüber gerade fühlt. Dazu gehört es, dass Sie mit den Kindern über die Emotionen anderer Menschen sprechen. Das können Figuren in einem Buch sein, andere Kinder aus dem Kindergarten oder auch die Familienmitglieder der Kinder. Dabei geht es vor allem darum, dass die Kinder lernen, die verschiedenen Gesichtsausdrücke Emotionen zuzuordnen. So begreifen sie, wie andere Menschen ihre Gefühle ausdrücken.

Wichtig ist auch, dass Erzieher und Eltern den Kindern gegenüber offen mit ihren Emotionen umgehen. Sie sollten den Kindern altersgerecht erklären, warum sie gerade wütend, traurig oder fröhlich sind, und sich für unangemessenes Verhalten einem Kind gegenüber entschuldigen.

Freundschaften anregen 

Für die kindliche Entwicklung ist es ungemein wichtig, dass Kinder Freunde finden. Dafür brauchen sie die Unterstützung von Erziehern und Eltern, die den passenden Raum zum Knüpfen neuer Kontakte schaffen sowie das Entstehen und den Erhalt von Freundschaften fördern. Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass die Kinder eine gute, sichere Bindung zu ihren Bezugspersonen haben. Nur so ist es ihnen möglich, auch zu anderen Menschen eine Beziehung aufzubauen und die Fähigkeit zur Freundschaft zu entwickeln. 

Besonders förderlich für Freundschaften sind gemeinsame Erlebnisse. Eltern wie Erzieher sollten den Kindern immer wieder die Möglichkeit für solche Erlebnisse bieten. Dabei lernen die Kinder auch, wie schön es ist, gemeinsam mit anderen etwas zu erleben – womöglich sogar etwas, was man sich allein nicht zugetraut hätte. 

Wichtig ist grundsätzlich, dass die Kinder selbst darüber entscheiden dürfen, mit wem sie sich anfreunden und mit wem nicht. Die Wahl mag den Erwachsenen nicht immer gefallen, etwa wenn sich ein sonst ruhiges Kind mit einem Rabauken zusammentut – eingreifen sollten sie aber nur dann, wenn die neuen Freunde gemeinsam gegen andere Kinder vorgehen. 

Freundschaften verlaufen nicht ausnahmslos friedlich. Auch das müssen Kinder lernen. Kommt es zu einem Streit, sollten Eltern und Erzieher die betreffenden Kinder dabei unterstützen, den Konflikt zu lösen, ihnen gleichzeitig aber ausreichend Freiraum für eigenständige Erfahrungen zu lassen. Sie sollten dazu angeregt werden, selbst eine Lösung für die Situation zu finden beziehungsweise sollten Erwachsene zusammen mit den Kindern eine Lösung erarbeiten. 

Das Verhalten in einer Gruppe lernen 

Zur Sozialkompetenz eines Kindes gehört es auch, dass es lernt, sich in einer Gruppe mit anderen Kindern angemessen zu verhalten. Das verlangt dem Kind viele soziale Fähigkeiten ab. Dazu gehören unter anderem die folgenden: 

  • Kontakt zu anderen aufnehmen 
  • sich an vereinbarte Regeln halten 
  • einander helfen 
  • miteinander teilen 
  • sich in die Sichtweise anderer hineinfühlen können 
  • gemeinsame Ideen und Konfliktlösungen entwickeln

Viele dieser Fähigkeiten erlernen und trainieren Kinder ganz nebenbei im Alltag – ob nun zuhause oder im Kindergarten.

Tätigkeiten zur Förderung der sozialen Entwicklung 

Gerade im Kindergarten oder anderen sozialen Gruppen gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Kinder sozusagen nebenbei ihre sozialen Kompetenzen ausbauen können. 

Musik machen 

Ein Musikinstrument zu spielen, hat auf die kindliche Entwicklung vielerlei positive Effekte. Darunter die motorischen Fähigkeiten, die Gehörbildung, die Kreativität und auch die sozialen Fähigkeiten werden beim Musizieren gefördert. Das betrifft vor allem die Teamfähigkeit und die emotionale Intelligenz, denn beim gemeinsamen Musizieren muss man sich auf seine Mitspieler einlassen und einstellen.

Um von diesen Vorteilen zu profitieren, sollten Kinder ein Musikinstrument erlernen. Welches Instrument am sinnvollsten ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einer dieser Faktoren ist der Schwierigkeitsgrad. Je leichter sich ein Instrument erlernen lässt, desto eher ist es auch schon für jüngere Kinder geeignet. Dazu gehört die Blockflöte, das Glockenspiel oder das Klavier. Musikinstrumente wie die Gitarre, das Saxophon oder die Trompete sind aufgrund ihrer Technik deutlich schwieriger zu spielen und daher eher für größere Kinder geeignet. 

Ein weiterer Faktor ist die Einfachheit. Je unkomplizierter es ist, dem Instrument Töne zu entlocken, desto besser ist es für junge Musiker. Für die Kleinsten bietet sich die musikalische Früherziehung an. Hier erleben sie spielerisch, wie viel Spaß es macht, ein Musikinstrument zu spielen. Besonders geeignet sind für sie das Glockenspiel, Klangstäbe und Trommeln. 

Spielerisch soziale Fähigkeiten erlernen 

Spiele, die auf das Trainieren von sozialen Fähigkeiten abzielen, helfen effektiv dabei, die Entwicklung der Kinder in diesem Bereich voranzutreiben und den Kindern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. 

  • In andere Rollen schlüpfen: Rollenspiele machen es möglich, in die Haut einer anderen Person zu schlüpfen und ihre Sichtweise einzunehmen. Mit einer gut ausgestatteten Verkleidungskiste, einem Puppenhaus oder einem Kasperle-Theater sind Kinder für solche Spiele bestens ausgerüstet. Wie verhält sich ein Polizist? Was fühlt der Kasper? Wie stellt man eine Katze dar? All das können Kinder im Rollenspiel erproben. Am einfachsten ist das pantomimische Rollenspiel, bei dem sich die Kinder ihrer Rolle entsprechend zur vorgetragenen Geschichte bewegen, ohne sich dabei Text merken oder überlegen zu müssen. 
  • Gefühlspantomime: Sammeln Sie alle Kinder in einem Kreis und finden Sie heraus, welche Gefühle die Kinder bereits kennen. Häufig sind das: Angst, Freude, Trauer und Wut. Anschließend flüstern Sie einem Kind ein Gefühl ins Ohr, welches es pantomimisch vor der Gruppe vormachen soll. Die übrigen Kinder sollen nun das Gefühl erraten. Bei diesem Spiel setzen sich die Kinder aktiv mit den Emotionen auseinander und lernen zudem, sie bei anderen Menschen zu erkennen. 
  • Luftballon-Transport: Bei diesem Spiel geht es darum, dass je zwei Kinder mit einem Kochlöffel oder einem ähnlichen Gegenstand einen Luftballon an das andere Ende des Raumes zu befördern. Sie dürfen den Ballon aber nur mit dem Kochlöffel berühren. Dieses Bewegungsspiel fördert die Zusammenarbeit und das Geschick.

Kindern mit sozialen Defiziten helfen 

Selbst bei gleichaltrigen Kindern sind die emotionalen und sozialen Kompetenzen unterschiedlich gut entwickelt. Mit durchdachten pädagogischen Maßnahmen lassen sich Defizite jedoch frühzeitig ausgleichen. 

Regelverstöße ahnden 

Manche Kinder, die soziale Defizite haben, verhalten sich häufig auffällig, indem sie ständig Grenzen überschreiten und gegen Regeln verstoßen. Für ihre Entwicklung ist es besonders wichtig, dass die aufgestellten Regeln eingehalten werden und das ein Nichteinhalten Konsequenzen hat. Das muss gleichermaßen für jedes Kind der Gruppe und in jeder Situation gelten. 

Aggressive Kinder bändigen 

Andere Kinder legen ein ausgeprägt aggressives Verhalten an den Tag. Das zeigt sich in Form von Wutanfällen, bei denen die Kinder Gegenstände um sich werfen oder laut schreien, oder als Angriffe gegenüber anderen Kindern. Damit sich ein aggressives Kind wieder beruhigen kann, sollten Sie das Kind in ein leeres Nebenzimmer bringen und bei ihm bleiben, bis es wieder vollständig ruhig ist. Sprechen Sie anschließend altersgerecht mit dem Kind über sein Verhalten und über den Grund dafür. Dazu gehört es auch, mit dem Kind alternative Verhaltensweisen zu besprechen. Die Ideen dazu sollten vom Kind selbst kommen. Falls diese Maßnahmen nicht ausreichen, ist eine professionelle Therapie ratsam.

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