Stichwort: Hanf und seine positiven Auswirkungen auf die Gesundheit

Ein neues Gesetz für Schwerstkranke und ein breiter Markt für die alternative Medizin

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Mannheim übernimmt in punkto Cannabisanbau in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle – und zwar im Bereich der Schmerzbehandlung. Jetzt holt die alternative Medizin auf – mit der positiven Wirkungsweise von THC.

Bereits im Jahr 2016 erhielt ein Mann, der an Multipler Sklerose erkrankt war, die Ausnahmegenehmigung für den Anbau von Hanf. 130 Cannabispflanzen durfte der Mann damals – wohlgemerkt in seinem eigenen Badezimmer – anbauen und anschließend als Medikament konsumieren. Vor dieser „Freigabe“ war die Behandlung mit 15 Euro pro Gramm (so viel kostete Hanf in der Apotheke) fast unbezahlbar. Seit dem Jahr 2017 gibt es hierzu eine andere Regelung. Das Gesetz „Cannabis als Medizin“ rückt das Kraut in die Rubrik der Medizinprodukte, die vor allem im Bereich der Palliativmedizin zum Einsatz kommen. Die Idee: Schwerstkranke sollen Cannabisprodukte auf Rezept bekommen. Und noch eine weitere Entwicklung zeigt sich: Auch im Bereich der alternativen Medizin wird häufig mit den Erzeugnissen der Hanfpflanze hantiert. 

Hanf in der Medizin. Die Wirkung von THC 

Eigentlich ist die Wirkweise von Hanf bereits ein uralter Hut. Bereits die Chinesen nutzten das Kraut, um Entzündungen zu lindern und bei einer Malaria-Erkrankung. Nero, der berühmte römische Kaiser, schwörte auf Hanf als Beruhigungs- und Schmerzmittel. Und auch andere namhafte Konsumenten bekannten sich bereits in der Vergangenheit zum Hanf – darunter keine Geringeren als Martin Luther und Hildegard von Bingen. Dennoch: 1941 wurde Hanf von der Liste der verfügbaren Medikamente gestrichen. 

Erst über 20 Jahre später begann die Forschung erneut. Erster Ansatzpunkt war THC. Die Liste der Wirkweisen von THC ist lang. THC wirke fiebersenkend, gerinnungshemmend, gefäßerweiternd und antibiotisch, fand man heraus. Es stille Entzündungen und Juckreiz, fördere den gesunden Schlaf, hemme Schmerzen, beruhige die Nerven, erweitere die Bronchien und senke den Augeninnendruck. Die Entspannung der Muskeln, die Steigerung des Appetits, die Aufhellung der Stimmung und seine anti-epileptische Wirkung sind weitere Wirkweisen des Krauts.

Zur Behandlung von Schmerz-, Krebs- und Palliativpatienten kann Hanf künftig eingesetzt werden.

Daraus lassen sich die zahlreichen Krankheitsbilder ableiten, bei denen Hanf zum Einsatz kommen kann: 

  • Bei Krebspatienten, die die Nebenwirkungen der Chemotherapie lindern wollen. 
  • Spastiker, die auf die anti-epileptische Wirkung der Hanfharze setzen. Patienten mit grünem Star, die so den Augeninnendruck senken wollen. 
  • Patienten mit Asthma, Bronchitis oder anderen Atemwegskrankheiten. 
  • Schmerzpatienten, die unter Arthrose, Rheuma, Migräne oder anderen Schmerzen leiden. 
  • Depressive Menschen, die auf die stimmungsaufhellenden Kräfte setzen.

Hanf in der Medizin. Die Wirkung von CBD

Um die Wirkung von THC wissen viele. Deutlich unbekannter war lange Zeit die Wirkung von CBD. Der größte Unterschied liegt darin, dass CBD nicht etwa „high“ macht, wie THC. Und: Die Anwendung – mithilfe verschiedenster Produkte – ist vergleichsweise arm an Nebenwirkungen, obgleich die Anwendungsbereiche doch recht ähnlich sind. Dr. med. Franjo Grotenhermen spricht von zehn verschiedenen Wirkmechanismen, die er alle CBD zuschlägt. Vor allem die Beeinflussung diverser Rezeptoren sowie antioxidativer Effekte und die Verstärkung von Signalen wird CBD zugerechnet.

Um Ängste zu lösen, Schmerzen zu hemmen und Entzündungen zu lindern - dafür sind CBD-Produkte mittlerweile im Handel erhältlich. Angeboten werden Produkte zur oralen wie auch zur äußeren Anwendung.

CBD blockiert den sogenannten CB1-Rezeptor. Die Folge: Die Wirkung von THC wird zunichte gemacht, zumindest was die psychischen Wirkungen, die gesteigerte Herzfrequenz und den Appetit betrifft. Auch zeigten Studien, dass die Anandamid-Konzentration nach dem CBD-Konsum steigt. Die Folge: Es konnte eine anti-psychotische Wirkung nachgewiesen werden (in diesem Fall bei Schizophrenie-Patienten). Die schmerzhemmende Wirkung, die CBD entfalten soll, ist im Übrigen auf die sogenannten Vanilloid-Rezeptoren zurückzuführen. Sie funktionieren ähnlich wie das im Essen für Schärfe sorgende Capsaicin. Die Wirkweise von Adenosin im Körper wird deutlich verlangsamt. Das bewirkt eine entzündungshemmende Wirkung. Die Bindung des 5-HT1A-Rezeptors kann eine angstlösende Wirkung haben. Dieser Serotonin-Rezeptor sorgt im Rückenmark und im Gehirn des Menschen für die Linderung von Angstzuständen und Depressionen. 

Einige dieser Wirkweisen lassen sich bei der Anwendung von stark CBD-haltigen Produkten erhalten. Die konzentrierteste Form sind sogenannte CBD Crystals. Zur oralen Einnahme sind CBD Öle sowie CBD Kapseln in verschiedenen Konzentrationsformen am Markt erhältlich. Zur äußerlichen Anwendung lassen sich sowohl Öle als auch Cremes nutzen. 

Das Kraut in der Region 

Spätestens mit dem Gesetz „Cannabis als Medizin“ wurde eine große Bewegung in Gang gesetzt. So lassen sich hier Cannabis-Ärzte und Apotheken, beispielsweise in Mannheim, filtern. Events rund um das Thema Cannabis und Hanf werden bei Facebook vom Cannabis Social Club Mannheim angekündigt. Der Global Marijuana March in Heidelberg ist beispielsweise in diesem Beitrag in Wort und Bild festgehalten. Das nächste offene Treffen des Hanfverbands Rhein-Neckar findet am 22. Mai im Heidelberger Ortsteil Kirchheim statt. Und auch auf andere Handelsbereiche schwappt das Kraut bereits über: Inwiefern der namhafte Discounter Lidl sich nun im Cannabis-Verkauf einbringt, lässt sich hier nachlesen.

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