Fußball-EM 2024

Deutschland hat das Sommermärchen 2.0.

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Ende September letzten Jahres stand die Entscheidung fest: Im Jahr 2024 findet die Fußball-EM in Deutschland statt. Damit geht die Türkei leer aus - und zeigt sich erzürnt.

Am 27. September 2018 war es offiziell: Mit der EM 2024 kommt schon bald das nächste sportliche Großereignis nach Deutschland. Hierzulande ist die Freude groß, doch international bleibt die Entscheidung umstritten. Vor allem die Türkei, welche sich ebenfalls um das Fußballereignis beworben hatte, fühlt sich hintergangen. Sie erhielt nicht genügend Stimmen und wirft der UEFA nun Betrug vor.

Exekutivkomitee der UEFA stimmte für Deutschland

Um 15.21 Uhr wurden die Ergebnisse der Abstimmung veröffentlicht, welche vom Exekutivkomitee der Europäischen Fußball Union durchgeführt wurde. Zuvor hatte sich der Deutsche Fußball Bund (DFB) ebenso wie die Türkei auf die Ausrichtung der EM 2024 beworben. Genau genommen findet die Europameisterschaft damit zweimal hintereinander (auch) in Deutschland statt – denn anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Wettbewerbs, wird dieser im Jahr 2020 in 13 verschiedenen europäischen Städten ausgetragen. Darunter auch München mit seiner Allianz Arena. 

Die Türkei hatte ihre Bewerbung für Istanbul hingegen zurückgezogen. Die offizielle Begründung lautete: Sie würden stattdessen lieber die folgende EM im Jahr 2024 vollständig ausrichten. Nun fühlen sie sich angesichts der Vergabe an Deutschland hintergangen – schließlich nimmt München bereits am vorherigen Wettbewerb teil. Beworben hatte sich Deutschland allerdings bereits vor der Kandidatur der Türkei und war somit der einzige Konkurrent. Offensichtlich hatte der türkische Verband TFF dahingehend mit einer eindeutigen Entscheidung gerechnet, sozusagen einer „sicheren Sache“. Die Abstimmung war jedoch mit zwölf Stimmen für Deutschland zu vier Stimmen für die Türkei eindeutig. Zusätzlich gab es eine Enthaltung. Der DFB-Präsident zeigte sich dankbar und freudig über diese Entscheidung.

Türkischer Verband fühlt sich von der UEFA betrogen

Zu gerne hätten die Türken das Turnier ausgetragen. Die Enttäuschung ist jetzt natürlich groß. 

„Share together“ sollte das Motto der türkischen EM lauten. Neben Istanbul ging die Türkei im Zuge ihrer Bewerbung mit acht weiteren Städten ins Rennen. Geplant waren neue Spielstätten sowie ein Zeichen für die Gastfreundschaft. Bereits dreimal hatte die Türkei ihr Glück schon zuvor versucht – in den Jahren 2008, 2012 und 2016. Jedes Mal ging sie leer aus. Nun sei sie an der Reihe, fordert der TFF. Auch ausländische Stars, welche in der türkischen Süper Lig spielen, unterstützen die Kampagne in der Öffentlichkeit. Dass die Entscheidung dennoch erneut auf Deutschland fiel, wertet die Türkei als Betrug. 

Überraschend war sie für viele Menschen trotzdem nicht angesichts der angespannten politischen Situation und der Defizite bei der Menschenrechtslage in der Türkei. Welcher der Funktionäre schlussendlich wie abgestimmt hat, wird jedoch nicht bekanntgegeben. Es handelt sich schließlich um eine anonyme Abstimmung, bei welcher die Funktionäre der Bewerber, sprich DFB-Präsident Grindel und TFF-Vorstand Yardimci, nicht wahlberechtigt waren. Die türkischen Medien sprechen seither von einem Betrug in den Reihen der UEFA. Angeblich habe der UEFA-Chef Ceferin fünf Mitglieder dazu bewegt, ihre Stimmen zu ändern. Am Abend vor der Wahl sei das eigentliche Ergebnis noch bei 9:7 für die Türkei gelegen. Beweise für diese Behauptung kann die Türkei jedoch nicht vorlegen. Schlussendlich bleibt die Entscheidung ohnehin unumstößlich. Ob und wann ein großes Fußball-Ereignis an die Türkei gehen wird, bleibt somit abzuwarten. 

Deutschland trifft erste Vorbereitungen 

Der deutsche Fußball lässt sich davon jedenfalls nicht die Vorfreude vermiesen. Ziel sei es, dieselbe Gastfreundschaft sowie Euphorie zu erlangen wie bei der WM 2006. Gleichzeitig soll die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem enttäuschenden Auftritt bei der letztmaligen WM natürlich wieder pünktlich zur Heim-EM an der Weltspitze mitspielen, versichert Oliver Bierhoff. Die deutsche Bewerbung lief unter dem Motto „United by Football – Vereint im Herzen Europas“. Es wird die zweite in Deutschland ausgetragene Europameisterschaft nach jener im Jahr 1988 sein. Damals konnte die deutsche Nationalmannschaft im eigenen Land nur das Halbfinale erreichen und musste sich gegen den späteren Europameister Niederlande geschlagen geben. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren wohl auch die zehn namhaften Spielorte. 

Liste der Spielorte für die EM 2024 in Deutschland

Insgesamt zehn verschiedene Austragungsorte in zehn Städten, welche über ganz Deutschland verstreut liegen, wird es also bei der Europameisterschaft im Jahr 2024 geben: 

1. Das Olympiastadion in Berlin fasst knapp 75.000 Sitzplätze und war bei der WM 2006 bereits der Austragungsort für das Finale. 

2. Die Allianz Arena in München gilt als eines der modernsten Fußballstadien. Auch hier finden rund 75.000 Menschen Platz, welche normalerweise dem FC Bayern München zujubeln. Ursprünglich war auch mal der TSV 1860 dort beheihamet, was seit dem Abstieg in die vierte Liga finanziell jedoch nicht mehr stemmbar war. Die beiden Vereine haben sich die Baukosten in Höhe von 280 Millionen Euro geteilt. Wie bereits erwähnt, wird die Allianz Arena im Jahr 2020 einer der Schauplätze bei der Europameisterschaft sein. 

3. Die Merkur Spielarena in Düsseldorf hat eigener Aussage zufolge die „längste Theke der Welt“ und bedient daran mehr als 54.000 Zuschauer pro Spiel. Das Stadion von Fortuna Düsseldorf ging bei der Weltmeisterschaft 2006 noch leer aus, ebenso bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012. Nun kommt es endlich zum Zug und die Freude der Düsseldorfer ist entsprechend groß. 

4. Die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena ist mit ihren 60.000 Spielplätzen natürlich auch mit von der Partie. Sie war bereits bei der WM 2006 eingebunden, wobei sie beim Spiel um Platz 3 den krönenden Abschluss der deutschen Nationalmannschaft präsentierte. Von Mannheim ist das Stadion nur rund zwei Stunden Fahrt entfernt. 

5. Das RheinEnergieStadion in Köln dürfte für die Mannheimer Fußballfans ebenfalls von Interesse sein. Zur WM 1974 wurde es nicht rechtzeitig fertig, nahm dafür aber bereits an der letzten Heim-EM teil. Mittlerweile ist es zur reinen Fußball-Arena umfunktioniert worden und für seine laute Stimmung bekannt. 

6. Frankfurt am Main ist mit der Commerzbank-Arena mit dabei, welche Platz für rund 51.500 Zuschauer bietet. Das Stadion ist nur eine gute Stunde Fahrt von Mannheim entfernt und somit wohl die Anlaufstelle Nummer eins bei der EM 2024 für alle Fußballfans aus der Region. 

7. Hamburg stellt mit dem Volksparkstadion einen Austragungsort im Norden von Deutschland. Hier passen etwa 57.000 Menschen rein, welche normalerweise dem Hamburger SV bei seinen Spielen zujubeln. 

8. In Dortmund wird der Signal Iduna Park bei der Europameisterschaft Platz für mehr als 80.000 Fans bieten. Bei den Heimspielen der Borussia ist das Stadion regelmäßig ausverkauft. Es gilt nicht nur als das stimmungsvollste Stadion Deutschlands, sonder genießt auch in Europa einen exzellenten Ruf. 

9. Nicht fehlen in der Liste darf natürlich die Schalker Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Mit ihren mehr als 62.000 Sitzplätzen gehört sie ebenfalls zu den größten Stadien in Deutschland.

10. Der letzte Spielort ist in Leipzig zu finden. Die Red-Bull-Arena ist mit rund 42.000 Sitzplätzen die Kleinste in der Liste und wird daher kaum für die Hauptrunden und das Finale in Frage kommen. 

Neuerungen bei der Europameisterschaft 2024

Zuletzt haben die Verbände in den vergangenen Jahren für die Europameisterschaften einige Neuerungen beschlossen. Somit dürfen seit der EM 2016 insgesamt 24 Mannschaften teilnehmen, anstatt wie zuvor nur 16. Diese Vergrößerung der Teilnehmerzahlen bei internationalen Fußballturnieren ist nicht unumstritten. Ebenso die Entscheidung für den Videobeweis, welcher bei der Europameisterschaft 2020 und somit beim 60. Jubiläum des Wettbewerbs erstmalig eingesetzt werden kann. Zudem hat die International Football Association Board (IFAB) im vergangenen Jahr einen vierten Einwechselspieler bei einer eventuellen Verlängerung in die Fußballregeln aufgenommen. Diese Regel war als Testphase erstmals bei der WM 2018 in Russland gültig – mittlerweile auch in der Champions League, Europa League sowie dem DFB-Pokal. Ob die Entscheidung auch auf die anstehenden Europameisterschaften übertragen wird, ist zum jetzigen Stand hingegen noch unklar. 

Fakt ist aber: Die kommenden Turniere auf europäischer Ebene werden spannend und Deutschland spielt dabei als doppelter (Teil-) Ausrichter eine zentrale Rolle. Dennoch scheiden viele der Entscheidungen die Geister und nach ihrem Vorrunden-Aus bei der letztjährigen Weltmeisterschaft wird sich die Nationalmannschaft erst wieder beweisen müssen, ehe dieselbe Euphorie unter den hiesigen Fußballfans zu erwarten ist wie einst beim Sommermärchen.

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