Neuerungen im Fußball


Bundesliga im Wandel - Fortschritt oder Rückschritt?

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Die Bundesliga befindet sich im Wande - doch ist der Fortschritt positiv oder werden sich die Fans eher daran stören?

In den letzten Jahren ist eine immer heftigere Debatte darüber entbrannt, wie viel Kommerz dem Fußball guttuen kann. Und ab welchem Punkt der Sport sich selbst verkauft – zum Leidwesen der Fans.

Wie sieht der Fußball in 20 Jahren aus? Gehen wir dann überhaupt noch ins Stadion oder schauen uns die Spiele alle virtuelle mit einer VR-Brille an? Eine berechtigte Frage. Vielmehr wird Fans heute allerdings interessieren, wie es mit ihrem Lieblingssport generell weitergeht. 

Die Kommerzialisierung ist ein Streitpunkt im Fußball. Deutlich ist diese Auseinandersetzung in den letzten Jahren geworden. Fangruppen in Deutschland haben zum Boykott von Spielen aufgerufen. Und liegen mit den Vereinsbossen und den Verbänden oft über Kreuz. Dabei fühlt sich jeder der Beteiligten im Recht. Fakt ist: Deutsche Klubs brauchen das Geld, um international mithalten zu können. Nicht allein in Wettbewerben, sondern auch beim Kampf um gute Spieler. Ehemalige Bundesligastars wie Kevin de Bruyne, Ivan Rakitic oder Roberto Firmino kicken längst in England oder Spanien. Auf einen Weltstar a la Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Neymar wartet die Bundesliga zudem vergebens.

Der letzte internationale Erfolg war der Championsleauge Sieg des FC Bayern 2013 im deutschen Finale gegen Borussia Dortmund - ein Jahr vor dem historischen Sieg der DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Eine durchaus erfolgreiche Zeit für den deutschen Fußball. Heute sieht das aber schon deutlich anders aus: Desaströses WM Vorrunden-Aus im vergangenen Jahr in einer vermeintlich einfachen Gruppe mit Schweden, Mexiko und Südkorea. Auf Vereinsebene dominieren seit Jahren spanische und englische Teams. Clubs wie PSG und Juventus arbeiten zudem akribisch an der Optimierung ihrer Kader. 


Zumindest die Bundesliga ist nach den sechs aufeinanderfolgenden Meisterschaften des FC Bayern seit diesem Jahr wieder deutlich interessanter.

Kommerzialisierung schreitet voran

Fußball ist statistisch gesehen Volkssport Nummer Eins. Gekickt wird auf einfachen Rasenplätzen, die Kinder von klein auf anziehen. In den letzten Jahren hat dieses Bild, das in gewisser Weise Bodenständigkeit ausstrahlt, tiefe Risse bekommen. Viele Fans fiebern mit ihren Mannschaften nach wie vor mit. Allerdings geht die Schere zwischen den Vereinsführungen, den Liga- und Verbandsvertretungen und den Fans immer weiter auseinander. 

Exemplarisch für die Situation im deutschen und internationalen Fußball war die Debatte um Montagsspiele. Von der Liga gewollt, von den Vereinen teils mit Widerwillen akzeptiert, hat die Ansetzung der Spiele an Montagen seitens der Fans für massive Kritik gesorgt. 

Inzwischen wird die Kommerzialisierung als sehr großes Problem von jenen Beteiligten empfunden, welche jedes Wochenende die Stadien füllen. Fans sehen den Fußball, wie er gekannt und geliebt wird, in Gefahr. Und finden sich hier in einem Zwiespalt wieder. Auf der einen Seite ist jedem Fan klar, dass die Vereine ohne ihre Budgets schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Andererseits lebt der Fußball von gewissen Rahmenbedingungen, welche durch die Kommerzialisierung zunehmend vereinnahmt werden.

Kommerz in der Liga: Internationaler Druck wächst

Kommerzialisierung ist gerade in der 1. Bundesliga und der 2. Bundesliga für viele Fans ein Thema. In den letzten Jahren hat die deutsche Fußball-Szene hier teils sehr heftige Proteste gesehen. Dabei ist es für die Klubs nicht immer einfach, auf der einen Seite die Interessen der aktiven Mitglieder wahrzunehmen – und auf der anderen Seite guten Fußball zu spielen. 

Dabei kommt Druck in erheblichem Maß auch von außen – etwa aus der englischen Premier League und der spanischen Primera Division. 

Aber auch die italienischen Klubs ziehen gegenüber deutschen „Kollegen“ die Daumenschrauben an. Es geht um die Budgets, welche sich unter anderem aus Fernsehrechten speisen. Hier ist beispielsweise der englische Fußball so stark aufgestellt, dass selbst kleinere Klubs beim Budget mit deutschen Topligisten mithalten. Die Folge: Seitens der internationalen Klubs wird im deutschen Fußball gern eingekauft. 

Überdeutlich wird sie bei den Transfersummen. Inzwischen sind einige wenige Klubs bereit (und in der Lage), Ablösesummen in dreistelliger Höhe zu zahlen. Zu den spektakulären Transfers der Vergangenheit gehörten:

  1. Neymar Junior – für 222 Millionen zu PSG 
  2. Kylian Mbappe – für 135 Millionen Euro zu PSG 
  3. Phillippe Coutinho – für 135 Millionen Euro zum FC Barcelona 
  4. Ousmane Dembélé – für 120 Millionen zum FC Barcelona.

Auswirkungen auf den deutschen Fußball

Die starke Fokussierung der Klubs auf ihre Budgets ist für Fans folgenschwer – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Unter anderem sind:

  • strenge Stadionregeln 
  • Spiele zu ungünstigen Zeiten 
  • langweilige Spiele

folgen dieser Entwicklung. Von was ist hier im Detail die Rede? Aufwendig einstudierte Choreografien und Spruchbänder haben das Bild des Fußballs sehr lange geprägt. Ihren Klubs treu ergebene Fangruppen – die Ultras – sind hier federführend. Im Rahmen der Kommerzialisierung ernten viele Klubs heute Kritik. Der Vorwurf: Genehm ist nur, was Klubleitung und Sponsoren gefällt. Alles andere wird verboten und ausgeblendet. 

Ein weiterer Kritikpunkt sind Spielansetzungen zu ungünstigen Zeiten. Das Beispiel sind die Montagsspiele. Ärger droht aber auch im Zuge der Reformen europäischer Vereinswettbewerbe. Einige Beteiligte fürchten, dass hier Wettbewerbe auf Wochenenden ausgedehnt werden können. Und zu guter Letzt verbreitert sich die Schere zwischen den Top Mannschaften und dem Rest der Liga. Meisterrennen werden immer weniger spannend, wenn drei Teams das Rennen unter sich ausmachen – und dies jede Saison. Für den Ligabetrieb wie auch die internationalen Wettbewerbe gilt derzeit: Geht der Kommerz ungebremst weiter, könnte es zu einer massiven Abwanderung von treuen Fans kommen. 

Als Teil der Kommerzialisierung wird allerdings auch die heftig umstrittene Vergabe der kommenden Fußball WM nach Katar angesehen. Hierfür wird besonders der Weltverband FIFA heftig kritisiert. Überhaupt stehen die Verbände seit Jahren in der Kritik.

Die Technik hält mehr und mehr Einzug

Aber nicht nur in diesem Zusammenhang fällt der Begriff Kommerzialisierung immer wieder. Auch wenn es um die Einführung neuer Techniken geht, reagieren Fans mitunter sehr gereizt. Ein Beispiel ist der Videobeweis. Eigentlich dazu gedacht, Fehler der Schiedsrichter zu vermeiden, hat sich an dessen Einführung Kritik in erheblichem Ausmaß entzündet. Aber auch die Torlinientechnik in ihren verschiedenen Entwicklungsstufen wird nicht von jedem Beteiligten mit Wohlwollen betrachtet.

Verliert der Fußball sein Feuer?

Warum wird gegenüber der Technik beim Fußball auf Konfrontationskurs gegangen? Ein Grund sind die teils häufigen Spielunterbrechungen und die Tatsache, dass Entscheidungen durch die Unparteiischen mitunter noch nach Minuten revidiert werden. Dies führt auf der einen Seite zu sehr emotionalen Reaktionen von:

  • Trainern 
  • Spielern auf dem Platz 
  • Fans

Auf der anderen Seite wird die Befürchtung laut, dass der Fußball durch die Technisierung immer steriler und durchschaubarer wird. Die menschliche Komponente in den Entscheidungen des Schiedsrichters geht – so die Befürchtung – auf Dauer verloren.

Druck und Überlastung für die Mannschaften

Im Fußball geht es ums große Geld. Angesichts des Werts, den die Fernsehrechte haben und den Sponsorenverträge annehmen können, ist diese Aussage durchaus gerechtfertigt. Gerade auf dem Niveau der Verbände scheint Geld eine durchaus nicht unerhebliche Rolle bei verschiedenen Entscheidungen zu spielen. 

Inzwischen wird sehr laut über Reformen der europäischen Vereinswettbewerbe nachgedacht. Die Planungen sehen so aus, dass die Europa League etwas kleiner wird, dafür ein zusätzlicher Wettbewerb entsteht. Als Begründung führen Beteiligte ins Feld, dass sich kleinere Vereine so international präsentieren können – und am Ende an den Ausschüttungen der Fernsehgelder beteiligt werden. 

Ob Fans einen zusätzlichen Wettbewerb wollen, steht auf einem anderen Blatt. Und auch die Frage bleibt unbeantwortet, welchem Druck die Spieler und Vereine ausgesetzt sind. Nicht nur national, sondern auch international mitzuspielen heißt, einen größeren Kader aufzubauen. Hintergrund: Der einzelne Spieler muss – bei mehr Spielen – mehr körperlichen Einsatz zeigen. Und es erhöht sich am Ende auch das Risiko für Verletzungen.

Der zunehmende finanzielle und auch der Überlastungsdruck der Mannschaften in den Ligen sorgt dafür, dass gerade Vereine mit wenig Geld immer geringere Chancen haben.

Fazit: Profi-Fußball hat ein Problem

Die WM 2014 in Brasilien war ein rauschendes Fußballfest. Beim 7:0 gegen Brasilien und dem Finale hat die ganze Bundesrepublik mitgefiebert. In den Jahren seit dem denkwürdigen Spiel hat sich der Fußball verändert – sehr zum Leidwesen vieler Fans. Inzwischen wird die starke Kommerzialisierung kritisiert. Spiele zu Zeitpunkten, die zwar perfekt für Fernsehübertragungen, nicht aber für die Fans im Stadion sind, haben zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Und die Debatte ist noch lange nicht zu Ende. Kritiker fürchten, dass der Ausverkauf noch massiver ausfallen kann. Als Ergebnis würde eine Abwanderung der Fans drohen. Damit könnte der Fußball – besonders der Ligabetrieb – in Zukunft stärker unter Druck geraten. Der sichtbare Kommerz im Stadion ist aber nicht der einzige Störfaktor. Viele Fans (und auch einige Fußballbosse) stoßen sich inzwischen an Ideen der Verbände, neue Wettbewerbe zu schaffen bzw. bestehende noch weiter aufzublähen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Bundesliga und der moderne Fußball im gesamten in der Zukunft noch entwickeln wird.

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