Studie

Ärzte verordnen weniger Antibiotika

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Antibiotika hilft nur gegen Bakterien. Trotzdem wird das Mittel auch bei Virusinfektionen verordnet.

Haus - und Kinderärzte verschreiben ihren Patienten weniger Antibiotika als vor fünf Jahren. Doch schon zu lange wurden zu viel Antibiotika in Deutschland eingesetzt, warnen Experten.

Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland verordnen ihren Patienten insgesamt weniger Antibiotika als noch vor einigen Jahren. Einen besonders deutlichen Rückgang gibt es bei den Kinderärzten, die Antibiotika seltener und in geringerer Dosierung verschreiben, wie aus einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) hervorgeht. Sorge bereitet den Experten demnach aber der relativ hohe Einsatz sogenannter Reserveantibiotika, die schweren Infektionen vorbehalten sein sollten.

Immer mehr Bakterien werden resistent

Bakterien, die gegen Antibiotika weitgehend unempfindlich sind, sind ein wachsendes Problem in Krankenhäusern, Arztpraxen und auch Altenheimen. Bei resistenten Erregern sind die Therapiemöglichkeiten deutlich beschränkt. Bei Infektionen mit multiresistenten Keimen helfen oft nur noch Reserveantibiotika als letztes Mittel, aber auch nicht in allen Fällen. Als Gründe für die zunehmenden Resistenzen gelten unter anderem die übermäßige Verschreibung von Antibiotika und deren Einsatz in der Tiermast.

Experten des Zentralinstituts werteten für ihre Studie Arzneiverordnungen aus Arztpraxen zwischen 2008 und 2012 ausgewertet. Dabei hätten sich "signifikante rückläufige Trends bei der Verordnung von Antibiotika" gezeigt, wobei es regionale und altersabhängige Unterschiede gebe. Der Anteil der Kinder, denen von den Kinderärzten Antibiotika verordnet wurde, sank demnach "deutlich". Lag der Anteil 2008 noch bei 39,9 Prozent und 2009 sogar bei 41,2 Prozent, sank er bis 2011 auf 37,6 Prozent.

West-Ost-Gefälle

Eine ähnlich positive Entwicklung gibt es bei älteren Menschen über 70 Jahren. Dies kann den Experten zufolge auch damit zu tun haben, dass diese Patienten bei Infektionen verstärkt in Kliniken eingewiesen und dort antibiotisch behandelt werden. Für die Studie wurden nur die ambulanten Verordnungen untersucht. In der Altersklasse zwischen 15 und 69 Jahren blieb die Menge der verordneten Antibiotika hingegen trotz der Debatte um Resistenzen konstant.

Laut Studie existiert außerdem ein West-Ost-Gefälle. Spitzenreiter bei den Verordnungen durch niedergelassene Ärzte sind demnach Rheinland-Pfalz und das Saarland. In den neuen Bundesländern verordnen die Ärzte hingegen weniger Antibiotika. Aber auch in Schleswig-Holstein und Bayern sind die Verordnungszahlen vergleichsweise niedrig.

Neben der Menge haben die Experten auch untersucht, welche Antibiotika verordnet wurden. Bedenklich ist demnach vor allem der Zuwachs der sogenannten Cephalosporine. Wegen ihres breiten Wirkungsspektrums zählen sie zur Reservegruppe, die bei schweren Infektionen und bei Keimen eingesetzt werden, die bereits gegen andere Mittel resistent sind.

Auch bei Kindern unter 14 Jahren würden Cephalosporine verstärkt eingesetzt. Zwar scheint der Anstieg bei der Verordnung dieser Breitband-Antibiotika laut Studie inzwischen gestoppt. Gleichwohl sehen die Experten Handlungsbedarf, weil diese Medikamente als eine Ursache für Multiresistenzen gelten.

Das Zi-Forschungsinstitut wird von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) getragen.

AFP

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