Katzenminze für Katzen

Das Recht auf Rausch – auch für Stubentiger?

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Eine Firma in den USA hat medienwirksam auf sich aufmerksam gemacht, indem sie einen speziellen Wein für Katzen entwickelt hat, der Katzenminze enthält und dem Tier einen Rauschzustand verschaffen soll – das Ganze natürlich ohne Alkohol, versteht sich.

Wie ungefährlich oder gefährlich ist diese überzogene Katzenliebe, die meint, auch dem Tier ein Recht auf gelegentliche rauschähnliche Zustände einräumen zu wollen. Die Meinungen über Sinn und Unsinn oder gar Gefährlichkeit von Katzenminze enthaltenden Artikeln gehen weit auseinander – eine kompakte Gegenüberstellung zweier konträrer Ansichten.

Katzenminze - eine unbedenkliche, traditionelle Heilpflanze

Nepeta, die Staude des Jahres 2010 aus der botanischen Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) umfasst mehr als 200 Arten und blickt auf eine lange Tradition zurück: Ihrer vielseitigen Verwendung als Heilpflanze aus der grünen Apotheke der Natur. Für den Menschen gilt besonders die Art Nepeta cataria seit jeher als gesunde Form der Entspannung. Das Alkaloid Actinidin ist für die beruhigende Wirkung des Krautes verantwortlich, die seit Menschen Gedenken in Form von Tee- und Rauchmischungen nutzbar gemacht wird.

Nicht nur bedenkenlos, sondern gesund

Von daher blickt die Pflanze auf eine lange Tradition ihrer Verwendung, deren Konsum zu einer Grundentspanntheit im Körper führt und eine positive Veränderung der Gemütslage bewirkt. Das Wirkspektrum umfasst jedoch auch die Verwendung

  • bei Magen- und Darmbeschwerden
  • als Fieber- sowie Wundwickel bei Verletzungen
  • zur Entgiftung
  • als Stimulans für die Verdauung
  • als Ein- und Durchschlafhilfe.

Ein Kauen der frischen Blätter kann darüber hinaus sogar bei Zahnschmerzen spürbare Linderung bewirken.

Von dem Kraut geht für Mensch und Tier keine gesundheitliche Gefahr aus, weil die Pflanze aus medizinischer Sicht gar keine psychoaktive Substanz enthält. Wer Katzenminze in jedweder Form konsumieren möchte, kann das unbesorgt tun, denn es ist weder illegal noch gesundheitsgefährdend.

Nicht nur beruhigend für den Menschen…

Katzenminze wird auch zum Stressabbau bei Katzen verwendet. So empfehlen selbst einige Kleintierpraxen die Verwendung von Sprays mit dem Minze-Extrakt, um dem Tier den Transportstress in der Box zu nehmen, wenn ein Gang zum Tierarzt ansteht. Gerade für reine Wohnungskatzen, welche die Vorteile des Freigangs wie das Schärfen der Sinne durch Jagen, Anschleichen, Lauern und den Umgang mit anderen Tieren nicht genießen können, wird Katzenminze besonders empfohlen. Bei ihnen kann der Mangel an natürlichem Grünfutter zu Verdauungs- und Darmproblemen führen. Da neben dem beliebten Katzengras auch gerade die Minze gerne gefressen wird, bieten beide Optionen für reine Stubentiger eine wichtige Grünfutter-Quelle, um ihren Darm auf natürliche Weise zu reinigen und bei der Verdauung durch das Putzen verschluckter Haare zu helfen.

Die beruhigende Wirkung bestätigt auch Klaus Kutschmann von der Bundestierärztekammer in Berlin: „Ist eine Katze oft sehr nervös, kann sie beim Geruch von Katzenminze entspannter werden. Aber auch bei Tieren, die den ganzen Tag nur auf dem Sofa liegen, verfehlt sie nicht ihre Wirkung."

Katzenminze wirkt anregend und weckt den Spieltrieb

So könne für lange Zeit unbeachtet gebliebenes Spielzeug plötzlich wieder besonders interessant werden, wenn es mit Katzenminze-Öl bestrichen wird. Die Tierartikel-Industrie hat sich den Umstand längst zu Nutze gemacht und Katzenspielzeug auf den Markt gebracht, das mit Ölen der Katzenminze behandelt ist oder getrocknete Pflanzenteile – in Stoffsäckchen oder -taschen vernäht enthält. Besonders hilfreich können die Spielzeuge als Therapiemaßnahme für übergewichtige Katzen sein, die sie dazu bringen (sollen), sich mehr zu bewegen.

Katzenminze riecht ein wenig nach Zitrone und zieht Katzen magisch an. Warum das so ist, ist bis heute nicht restlos geklärt. Unbestritten ist eine euphorisierende Wirkung auf die Vierbeiner, die – geschickt eingesetzt – nicht nur aus nervösen Stubentigern entspannte Zeitgenossen macht, sondern auch ihren Antrieb steigert und den Spieltrieb weckt.

Auch ein erzieherisches Instrument

Letztlich kann die Pflanze auch eine wertvolle erzieherische Hilfe darstellen, etwa um die Vierbeiner leichter und schneller an einen neuen, mit Katzenminze eingeriebenen Kratzbaum zu gewöhnen – zum Segen der dann schadlos bleibenden Zimmereinrichtung.

Katzenminze – Eine nicht zu unterschätzende (Sucht-)Gefahr für die Vierbeiner

Die ätherischen Öle bewirken rauschähnliche Zustände mit signifikanten Verhaltensauffälligkeiten.

Schon lange weiß die Menschheit um die erstaunliche Wirkung von Katzenminze auf Katzen. Ihre ätherischen Öle können Katzen kilometerweit wittern und verfolgen. Kritiker führen nicht nur ethische Bedenken gegen den bewusstseinsverändernden Zustand ins Feld, in den ein Katzenhalter sein Tier versetzt, wenn er es mit Katzenminze konfrontiert. Vielmehr weisen Experten auch auf eine latente Suchtgefahr für Katzen hin.

Die Auswirkungen scheinen zahlreichen Beobachtungen zu Folge halluzinogener Natur zu sein, die Pflanze verursacht bei rund der Hälfte der Katzen-Population tranceähnliche Zustände hervor, die mit Erlebnissen verglichen werden können, die Menschen nach dem Konsum von LSD durchleben. Solange die tatsächlichen Auswirkungen nicht hundertprozentig erforscht und erwiesen sind, ist eine Restgefahr für dauerhafte Schädigungen des zentralen Nervensystems mit Negativauswirkung auf die Psyche des Tieres nicht auszuschließen.

Eine dauerhafte, drastische Veränderung des Verhaltens

Eine Vielzahl an Katzenliebhabern kann die Erfahrung bestätigen, die ein Katzenfreund nach der Konfrontation seines Stubentigers mit der Pflanze schildert. Danach beginnt die Katze oftmals

  • ständig an der Pflanze zu schnüffeln, sie zu lecken, an ihr zu kauen und sich unentwegt an ihr zu reiben
  • ihre Konzentration und Aufmerksamkeit wie in Trance ausschließlich auf die Minze zu lenken, ohne sich dabei durch Menschen oder Artgenossen ablenken zu lassen
  • einen offenkundigen Realitätsverlust zu durchleben, signalisiert durch teilnahmsloses Starren ins Leere, Ausführen atypischer Bewegungsmuster wie etwa Luftsprünge sowie durch Jagen nach nicht vorhandenen Beutetieren

Kritiker warnen bei regelmäßigem Konsum der bewusstseinsverändernden Droge vor einer dauerhaften Charakterveränderung des Tieres, ähnlich den negativen Auswirkungen bei Dauerkonsum von Haschisch etwa beim Menschen. 

Es empfiehlt sich, die Katzenminze – wie Baldrian im Übrigen auch – nur gelegentlich und nicht regelmäßig als Stimulans oder auch Lockstoff zur verwenden – entweder um die Katze zu einem bestimmten, gewünschten Verhalten zu bewegen, oder sie einfach auch mal mit dem Hochgenuss zu belohnen. Sogenanntes „CatNip“-Spielzeug sei nicht geeignet für das permanente Spielen. Den Konsum auf einmal die Woche zu beschränken reiche völlig aus. So bleibe die Wirkung auch interessant, ein Gewöhnungseffekt und eventuelle psychische Abhängigkeit des Tieres trete nicht ein.

Vorsicht vor Verwechslung

Um durch Eigenkultivierung aus im Fachhandel erhältlichen Sämereien für laufenden Nachschub zu sorgen, kann auch das Risiko einer Verwechslung bergen. Einige Arten der Pflanzengattung sind sich nämlich nicht nur zum Verwechseln ähnlich. Wer beabsichtigt, Katzenminze aus Sämereien selbst zu züchten und das Ergebnis seinen liebsten Vierbeinern zukommen zu lassen, sollte besonders darauf achten, zu welchen Samen er greift. Es gibt nämlich Arten aus der Pflanzengattung, die giftig sind, besonders die vielen Zierminzen sollten Anlass zu Vorsicht geben.

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