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Stuttgart kommt mit Prüfung von Privatwohnungen für Flüchtlinge nicht nach - „Es ist unglaublich kompliziert“

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Von: Nadja Pohr

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Ein Containerdorf für Flüchtlinge aus der Ukraine in Bad Segeberg
In Stuttgart entsteht auf der Waldau bald ein weiteres Containerdorf für Flüchtlinge. Es regt sich jedoch Kritik, warum stattdessen nicht die angebotenen privaten Wohnungen geprüft werden. (Symbolfoto) © Marcus Brandt/dpa

Während in Stuttgart neue Container für Flüchtlinge aufgestellt werden, wird Kritik laut, warum nicht stattdessen angebotene private Wohnungen geprüft werden. Die Stadt räumt ein, dass sie mit Problemen kämpft.

Stuttgart - Zur Vorsorge eines „massiven Zuzugs“ von Ukraine-Flüchtlingen kündigte die Landeshauptstadt Stuttgart bereits im September an, dass auf dem Wasen und auf der Waldau zwei Containerdörfer entstehen werden. Zudem wurden zwei ehemalige Hotels und ein Boardinghaus von der Stadt angemietet, um genug Unterkunftsplätze zu schaffen.

Seit langem halten sich jedoch die Kritik und die Frage hartnäckig, warum Stuttgart die Flüchtlinge nicht in privaten Angeboten unterbringt. Immerhin haben einige Haus- und Wohnungseigentümer aus der schwäbischen Metropole ihre Hilfe angeboten. Die Stadt hat nun zugegeben, dass sie massive Probleme bei der Prüfung der privaten Unterkünfte hätte.

Nur 145 von 853 Wohnungen für Flüchtlinge wurden akzeptiert - Stuttgart kommt mit Prüfungen nicht nach

Die traurige Bilanz in Stuttgart bisher: von 853 privaten Wohnungen für Flüchtlinge wurden lediglich 266 geprüft. 145 Unterkünfte wurden akzeptiert und 121 abgelehnt. Es stehen also noch 587 Prüfungen aus, laufend würden außerdem neue Angebote hinzukommen, wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) berichten. Linken-Politiker Luigi Pantisano kritisiert deshalb, die Stadt hätte sich viele Container sparen können, wenn sie sich stärker engagiert hätte.

Bürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) entgegnet, dass der Prozess nicht so einfach vonstattengeht, wie angenommen. „Es ist unglaublich kompliziert“, sagt er. Zunächst müssten Mitarbeiter des Liegenschaftsamts die Wohnungen anschauen und im Anschluss noch die vom Sozialamt. „Wir können die Angebote nicht so schnell abarbeiten, wie es notwendig wäre“, gibt Fuhrmann zu. Aber man sei bemüht, die Zusammenarbeit besser zu koordinieren.

Private Wohnungen für Flüchtlinge in Stuttgart entsprechen oft nicht dem gewünschten Standard

Nur mit einem Besuch sei es also bei den angebotenen Unterkünften nicht getan. Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) ergänzt zudem, dass die Wohnungen oft nicht dem gewünschten Standard entsprechen würden. Meist fehlen Brandmelder, elektrische Anlagen seien defekt oder es gebe kein Warmwasser, schreibt die StN. „Mit der Stadt wird es eben kompliziert“, sagt Sußmann. Es wäre einfacher, wenn die Vermieter direkt mit den Flüchtlingen ein Vertragsverhältnis eingehen würden.

Die Mehrheit des Gemeinderats sieht darüber hinaus kein Problem in der Unterbringung der Flüchtlinge in Containern. Dies sei besser, als ein Anbau an der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, wo es fast gar keine Privatsphäre gebe, heißt es. Zuletzt hatten dort mehrere Flüchtlinge gegen den miserablen Zustand der Stuttgarter Unterkunft protestiert. Die Fraktionen sehen aber auch, dass die Container mittel- und langfristig keine Lösung sind und in Stuttgart ein Konzept benötigt wird.

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