Migrationshintergrund von Verdächtigen überprüft

Nach Krawall-Nacht von Stuttgart: Heftige Kritik an Ermittlern – Vorwurf der „Stammbaum-Forschung“

Stuttgart - Nach Ausschreitungen und Krawallen in der Innenstadt hat die Polizei die Ermittlungsgruppe Eckensee eingerichtet. Der aktuelle Stand der Ermittlungen:

  • In der Nacht auf Sonntag (21. Juni) ereignen sich in Stuttgart Szenen der Gewalt.
  • Die Täter gehen auf Polizisten los, zerstören Läden und beschädigen Streifenwagen.
  • Über 12 Polizisten werden bei den Vorfällen in der Innenstadt verletzt.
  • Polizei richtet Ermittlungsgruppe Eckensee ein – bereits 39 Tatverdächtige identifiziert.

Update vom 14. Juli: Die Polizei Stuttgart hat am Sonntag zwei weitere Verdächtige festgenommen, die sich an den Plünderungen in der Stuttgarter Krawall-Nacht beteiligt haben sollen. Ein 18-jähriger Marokkaner und ein 27-Jähriger, dessen Staatsangehörigkeit ungeklärt ist, sind am Montag auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Stuttgart einem Haftrichter vorgeführt worden. Gegen beide junge Männer ist ein Haftbefehl erlassen und in Vollzug gesetzt worden. Das Polizeipräsidium Stuttgart teilt mit, dass intensive Ermittlungen auf die Spur der beiden Tatverdächtigen geführt hatten.

Bislang haben die Ermittler 44 Tatverdächtige identifiziert. Wie die Polizei weiter mitteilt, sei gegen 23 Verdächtige ein Haftbefehl erlassen worden, davon seien 16 in Vollzug.

Update vom 13. Juli: Im Streit um den Migrationshintergrund der Täter der Stuttgarter Krawall-Nacht hat sich der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) hinter das Vorgehen der Polizei gestellt. „Die Feststellung der Lebens- und Familienverhältnisse kann ein Teil der polizeilichen Ermittlungen sein, das ist wichtig etwa für die strafrechtliche Aufarbeitung und für geplante Präventionsmaßnahmen“, teilte Strobl am Montag mit. Es finde aber keine „Stammbaumforschung“ statt.

„Es kann freilich die Nationalität der Eltern, und nur der Eltern - ich betone: nicht der Großeltern und schon gar nicht die der Urgroßeltern - von Tatverdächtigen erhoben werden.“ Er rief zum „verbalen Abrüsten“ und zur Rückkehr zu einer sachlichen Debatte auf. Die Stuttgarter Polizei steht in der Kritik, weil sie nach eigenen Angaben bei 11 von 39 ermittelten Tatverdächtigen über die Standesämter die Nationalität der Eltern erfragt hat, nachdem in der Vernehmung Angaben zur Herkunft verweigert wurden.

Krawall-Nacht von Stuttgart: Ermittler überprüfen Migrationshintergrund von 39 Tatverdächtigen

Update vom 12. Juli: Nach den Ausschreitungen in der Innenstadt von Stuttgart hat die Ermittlungsgruppe Eckensee mittlerweile 39 Tatverdächtige identifiziert. Wie die Ermittler am Sonntag mitteilen, sei gegen 20 Personen ein Haftbefehl erwirkt worden, 14 davon seien in Vollzug. Die Ermittlungen nach der Krawall-Nacht in Stuttgart laufen weiter auf Hochtouren.

Die Beamten der Kripo arbeiten daran, weitere Täter der Chaos-Nacht von Stuttgart zu identifizieren und mehr über die Lebens- und Familienverhältnisse der bereits bekannten Verdächtigen zu erfahren. „Deshalb wird in einzelnen Fällen die Nationalität der Eltern, und nur der Eltern, von Tatverdächtigen durch Anfragen beim Standesamt erhoben, um zu klären, ob ein Migrationshintergrund gegeben ist“, teilt die Stuttgarter Polizei mit. Die Nachforschungen begründen die Ermittler damit, dass bei den überwiegend jugendlichen Tätern vor allem Präventionsmaßnahmen im Vordergrund stünden. „Um eine erfolgreiche Präventionsarbeit auch längerfristig gewährleisten zu können, bedarf es maßgeschneiderter Konzepte, welche die persönlichen Lebensumstände, wie auch einen potenziellen Migrationshintergrund, miteinbeziehen.“

Krawall-Nacht in Stuttgart: Polizei ermittelt gegen 20 Tatverdächtige – viele schon in Haft

Update vom 9. Juli: Wie Staatsanwaltschaft und Polizei Stuttgart bekannt geben, gibt es Fortschritte in den Ermittlungen zu den Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt am 21. Juni. Am Mittwoch und Donnerstag (8 und 9. Juli) sind zwei Verdächtige verhaftet worden. Es handelt sich dabei um einen 18-Jährigen und einen 23-Jährigen. Der Ältere soll in der Horror-Nacht geplündert, der Jüngere einen Streifenwagen beschädigt haben. Beide Randalierer sind mittlerweile dem Haftrichter vorgeführt worden und sitzen nun im Vollzug.

Zudem wird bekannt gegeben, dass die Ermittlungen zu weiteren 20 Tatverdächtigen geführt hat, von denen 14 mittlerweile schon im Gefängnis sitzen. Gegen sechs weitere ist der Haftbefehl unter Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Ein Haftbefehl ist aufgehoben worden, nachdem der Tatverdacht sich nicht bestätigt hat. Unterdessen muss die Polizei am Wochenende erneut einschreiten, als mehrere Schlägereien in der Innenstadt von Stuttgart eskalieren*.

Krawall-Nacht in Stuttgart: Video hält Schreckensmomente fest – so krass wüteten die Randalierer

Update vom 21. Juni, 17:12 Uhr: Hunderte Gewalttäter haben in der Nacht auf Sonntag Stuttgart verwüstet und totales Chaos hinterlassen. Laut Polizei haben sich bis zu 500 Personen an den Krawallen beteiligt. 24 davon sind vorläufig festgenommen. Bei den Ausschreitungen haben sich 19 Polizisten verletzt – einer davon ist dienstunfähig. Zu allen Entwicklungen nach den Ausschreitungen in Stuttgart berichtet HEIDELBERG24* im News-Ticker.

Die Polizei sieht keine politischen Motive hinter der Gewalt, sie macht Partygänger und Krawalltouristen für die Eskalation verantwortlich. Angefangen hat die Eskalation in Stuttgart bei der Drogenkontrolle eines Jugendlichen im Schlossgarten. Gegen 23:30 Uhr sollte der 17-jährige Deutsche kontrolliert werden, berichtet Polizeivizepräsident Thomas Berger am Sonntag bei einer Pressekonferenz im Stuttgarter Rathaus. Sofort hätten sich 200 bis 300 Personen aus der örtlichen „Partyszene“ mit dem Jugendlichen solidarisiert und die Beamten vor Ort mit Steinen und Flaschenwürfen angegriffen. Auf dem Schlossplatz sei die Gruppe dann auf 400 bis 500 Personen angewachsen.

Stuttgart: Handyvideos filmen Ausschreitungen – „Die Situation ist völlig außer Kontrolle“

Mehrere Handy-Videos im Internet dokumentieren das Ausmaß der Gewalt in Stuttgart. Junge Männer, viele von ihnen vermummt, ziehen randalierend durch die Einkaufsstraßen in Stuttgart. Polizeihubschrauber fliegen über die Stadt. Bei den Ausschreitungen sind laut Polizei 40 Geschäfte beschädigt und neun Läden geplündert. Darüber hinaus beschädigen die Täter auch Werbetafeln und bringen Graffitis an. Bislang sind acht Geschäfte festgestellt, in die die Randalierer eindrangen und Waren gestohlen haben. Bei dem Einsatz werden, nach derzeitigem Stand, zwölf Streifenwagen massiv beschädigt.

Die Situation ist völlig außer Kontrolle“, kommentiert ein Polizeisprecher die Lage. Auf einem Videoclip ist zu sehen, wie ein vermummter Mann einem knienden Polizisten mit Anlauf und mit beiden Beinen von hinten in den Rücken springt. Der Beamte stürzt, die Zuschauer johlen.

Stuttgart: Nach Karwallnacht mit 500 Tätern – 24 Personen festgenommen

Insgesamt sind in der Nacht 280 Polizisten in Stuttgart im Einsatz. Etwa 100 Beamte sind aus der Region hinzugezogen, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Polizeivizepräsident Berger, der seit 30 Jahren Polizist ist, sagt: „Solche Szenen hat es noch nie gegeben.“
Der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz spricht von einer „nie dagewesenen Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte“ - und kündigt an, in den kommenden Wochen mit verstärkten Kräften in der Innenstadt unterwegs sein zu wollen. Die Ausschreitungen sind seinen Angaben nach aber nicht politisch motiviert. „Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen.

Erst gegen 04.30 Uhr war die Situation beruhigt. Von den 24 Festgenommenen sind laut Polizei 12 Deutsche und 12 Nicht-Deutsche. Sieben werden dem Haftrichter vorgeführt.
Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) kündigt an, mit der vollen Härte des Rechtsstaats gegen die Randalierer vorgehen zu wollen. Am Polizeipräsidium Stuttgart sei eine 40-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet worden, das Landeskriminalamt werde die Ermittlungen unterstützen. Strobl will den Landtag am Mittwoch in einer Sondersitzung des Innenausschusses unterrichten.

Stuttgart: Polizeieinheiten sammeln sich, um gegen Randalierer vorzugehen. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei haben dutzende gewalttätige Kleingruppen die Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt.

Der Stuttgarter City-Manager Sven Hahn zeigt sich schockiert über die nächtliche Zerstörungswut in der Innenstadt. „Die Randale und die Schäden der vergangenen Nacht treffen die Stuttgarter Innenstadt in ihrer ohnehin schon schwierigsten und härtesten Zeit seit Jahrzehnten“, sagt Hahn, der Geschäftsführer der City-Initiative Stuttgart ist, einem Verbund aus Händlern, Gastronomen, Hoteliers und Kulturbetrieben.

Eskalation in Stuttgart: Polizisten verletzt, Streifenwagen beschädigt – Randalierer rasten komplett aus

Meldung vom 21. Juni, 11 Uhr: Diese Nacht werden wohl Polizisten und Einwohner in Stuttgart nicht so schnell vergessen. Denn zwischen Samstag (20. Juni) und Sonntag (21. Juni) spielen sich in der Innenstadt unfassbare Szenen ab. Alles beginnt scheinbar mit einer Drogenkontrolle der Polizei. „Viele Feiernde aus dem Bereich des sich vornehmlich in den Abendstunden und Nächten unter anderem am Eckensee sammelnden Klientels solidarisierten sich in Zusammenhang mit einer Polizeikontrolle anlässlich eines Rauschgiftdelikts gegen die Beamten“, heißt es am Sonntag in einer Mitteilung vom Polizeipräsidium Stuttgart. Kurz nach der Kontrolle eskaliert die Situation!

Die Menschen ziehen daraufhin in Richtung Schlossplatz und verteilen sich offenbar auch in Gruppen in der Innenstadt von Stuttgart. Dort zeigt sich ihre extreme Zerstörungswut: Sie beschädigen Streifenwagen mit Stangen und Pfosten, schlagen sogar die Scheiben der Autos ein. Auch vor vorbeifahrenden Streifenwagen machen die Randalierer keinen Halt. Sie werfen mit Steinen auf die Wagen – ohne Rücksicht auf die Beamten! Teilweise reißen die Täter sogar Pflastersteine aus dem Boden oder klauen sie von Baustellen, um sie danach auf die Autos zu werfen. Medienberichten zufolge, sollen über 100 Personen für die Verwüstung verwantwortlich sein.

Stuttgart: Menschen stehen vor einem geplünderten Geschäft in der Marienstraße. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei haben dutzende gewalttätige Kleingruppen die Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt.

Doch die Angreifer machen nicht nur vor Gegenständen halt. Sie gehen äußerst aggressiv auf die Beamten zu, greifen an und verletzen sie. „Mehr als ein Dutzend Polizeibeamte erlitten Verletzungen“, so das Polizeipräsidium Stuttgart. Die Polizisten müssen Verstärkung rufen, sodass mehr als 200 Beamte aus dem Umland Stuttgart in dieser Nacht im Einsatz sind.

Stuttgart im Ausnahmezustand: Täter zerstören, was ihnen in die Finger kommt – Läden in Innenstadt verwüstet

Der Gewaltausbruch der Täter scheint keine Grenzen zu kennen und auch kein Ende zu nehmen. Als die Personen an Geschäften in der Stuttgarter Innenstadt vorbeikommen, werden auch diese massiv beschädigt. Scheinbar wahllos werden die Läden zerstört, Schaufensterscheiben eingeworfen oder eingeschlagen. „In Filmszenen ist auch zu sehen, wie massiv versucht wird, selbst schwere große Scheiben zu zertrümmern", heißt es im Bericht des Polizeipräsidiums Stuttgart weiter. Aus einer noch unbestimmten Zahl von Geschäften werden auch Auslagen gestohlen.

Stuttgart: Täter mit Sturmhaben vermummt – Polizei nimmt mehr als 20 Personen fest

Damit die Täter bei ihrer Zerstörungswut unbekannt bleiben, ziehen sie sich Sturmhauben oder andere Materialien über das Gesicht. Während der eskalierenden Lage in Stuttgart fliegt auch ein Hubschrauber der Polizei über die Stadt. Wie HEIDELBERG24* berichtet, beruhigt sich erst nach Stunden die Situation.

Am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr sichert die Kripo Stuttgart Spuren, die Feuerwehr und das THW kümmern sich um die zerstören Schaufenster. Laut Polizei Stuttgart sind bereits über 20 Personen festgenommen. Die Beamten sind „derzeit noch dabei, aus den bereits vorhandenen und weiter hinzukommenden Erkenntnissen eine Gesamtübersicht zu erstellen.“

Nach Gewaltausbruch in Stuttgart – Polizei richtet Seite für Hinweise ein

Am Sonntagnachmittag will die Polizei weitere Infos zu den Vorfällen in Stuttgart veröffentlichen. Hinweise nimmt die Kripo unter der Telefonnummer 071189905778 entgegen. Es gibt außerdem ein Hinweisportal, in dem Zeugen das Geschehen schildern können. Die Vorfälle in Stuttgart werden scharf von Politikern kritisert.

Auch in Mannheim ereignet sich am Samstagnachmittag ein Polizeieinsatz: Ein Streit zwischen mehreren Personen eskaliert, kurz darauf fällt ein Schuss. Es gibt mindestens einen Verletzten.

*HEIDELBERG24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

pol/jol

Rubriklistenbild: © Simon Adomat/picture-alliance/dpa

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