Nach Randale-Nacht in Stuttgart

Wieder Prügelei im Schlossgarten: Festgenommener schlägt Polizeibeamten ins Gesicht

Nach der Gewalt-Nacht in Stuttgart kommt das Areal rund um die Schlossgartenanlage nicht zur Ruhe. Wieder kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen jungen Männern und Gewalt gegen Polizeibeamte.

  • Chaos und Randale am Wochenende in Stuttgart.
  • Auf Polizei-Kontrolle in Innenstadt folgen Ausschreitungen mit 400 bis 500 Personen.
  • Polizei nimmt am 23. Juni weiteren Jugendlichen fest.
  • Am 25. Juni kommt es wieder zu Handgreiflichkeiten gegen Polizeibeamte.

Update vom 26. Juni: Polizeibeamte haben am Donnerstagabend (25. Juni) einen 23 Jahre alten Mann festgenommen, der sich zuvor mit mehreren Männern geprügelt und im Anschluss einen Polizeibeamten geschlagen haben soll. Der 23-Jährige hat sich gegen 21:40 Uhr an den Oberen Schlossgartenanlagen aufgehalten, als er aus unbekannten Gründen mit einer Gruppe von offenbar vier Männern in Streit geriet. Es entwickelte sich zwischen den beiden Parteien eine Schlägerei. Die eintreffenden Polizeibeamten nehmen daraufhin den 23-Jährigen sowie zwei Männer im Alter von 20 und 23 Jahren fest. Ersterer wehrte sich gegen die Festnahme und beleidigte die eingesetzten Beamten. Nach Angaben der Polizei soll er später auf dem Revier sogar einen Beamten ins Gesicht geschlagen haben. Unterdessen muss die Polizei am Wochenende erneut einschreiten, als mehrere Schlägereien in der Innenstadt von Stuttgart eskalieren*.

Der 23 Jahre alte somalische Tatverdächtige ist am Freitag (26. Juni) auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart einem Haftrichter vorgeführt worden, der anschließend die Untersuchungshaft angeordnet hat. Auch gegen die anderen an der Schlägerei beteiligten Männer haben die Beamten ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen sind sie auf freien Fuß gesetzt worden. Die Identität der beiden weiteren Männer ist derzeit noch unklar. Außerdem soll der 22-jährige Tatverdächtige einen weiteren, derzeit noch unbekannten Mann, im Schlossgarten angegriffen haben.

Randale-Nacht in Stuttgart: Polizei nimmt weiteren Verdächtigen fest – er ist erst 15

Update vom 24. Juni: Polizeibeamte haben am Dienstag (23. Juni) einen 15-Jährigen festgenommen, der im Verdacht steht, sich an den Plünderungen am vergangenen Wochenende in Stuttgart beteiligt zu haben. Intensive Ermittlungen führten auf die Spur des 15-Jährigen. Der deutsche Jugendliche wird im Laufe des Mittwochs auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart einem Haftrichter vorgeführt.

Nach Krawall-Nacht in Stuttgart: Kommt jetzt das Alkoholverbot für öffentliche Plätze?

Update vom 23. Juni, 11:30 Uhr: Stadt, Land und Polizei suchen auch am Dienstag weiter nach Antworten auf die Frage, warum die Gewalt in Stuttgart mitten in der Nacht so plötzlich ausbrechen konnte. Während nach wie vor von einer enthemmten Partyszene die Rede ist, verweisen andere auf die Folgen der Corona-Auflagen, den fehlenden Respekt vor Ordnungshütern und auf den Wunsch, in den sozialen Medien mit Videos und Fotos angeben zu können. Die grün-schwarze Landesregierung befasst sich am Dienstag mit den Hintergründen der Krawalle. Innenminister Thomas Strobl (CDU) informiert seine Kabinettskollegen über die Geschehnisse. Nach der Sitzung will Strobl gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Justizminister Guido Wolf (CDU) die Öffentlichkeit informieren.

Nach Stuttgart-Krawalle: Alkoholverbot gilt als wahrscheinlich

Als wahrscheinlich gilt, dass ein Alkoholverbot auf öffentlichen Stuttgarter Plätzen erlassen wird. Auf die Frage, ob ein derartiges Verbot kommen werde, sagte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer am Montagabend in der Fernsehsendung SWR Aktuell: „Leider ja, wir waren bisher stolz darauf, dass wir das nicht mussten, weil wir ja eine der sichersten Großstädte in der Bundesrepublik sind.“ Man müsse schauen, dass man diese Sicherheit wieder herstelle.

Krawall-Nacht in Stuttgart: Jugendlicher wegen versuchten Totschlags in Haft

Update vom 22. Juni, 20 Uhr: Kriminologe Christian Pfeiffer sieht in den Coronavirus-Beschränkungen eine Ursache für die Krawalle in Stuttgart. „Da ist viel aufgestauter Ärger vorhanden“, sagt er der „Augsburger Allgemeinen“. „Wir haben viele Verlierer durch Corona.“ Hinzu komme, dass die Leute mehrere Wochen wie eingesperrt gewesen seien, wenn man es mit dem sonst vertrauten Leben vergleiche. „Menschen, die eingesperrt waren, sind aggressiver.“

Randale-Nacht in Stuttgart: Ermittler nennen neue Details zu Tätern

Update vom 22. Juni, 15:20 Uhr: Am Tag nach dem Chaos-Wochenende in Stuttgart nennen die Ermittler neue Details zu den Ausschreitungen und Plünderungen in der Innenstadt. Von den 25 vorläufig festgenommenen Personen seien im Laufe des Tages sieben Beschuldigte im Alter zwischen 16 und 33 Jahren dem Haftrichter vorgeführt worden, teilt die Polizei in Stuttgart mit. Bereits am Sonntagabend sei gegen zwei weitere Tatverdächtige (18 und 30 Jahre) ein Haftbefehl erlassen worden, wobei der des 18-Jährigen gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden sei.

Laut Polizei Stuttgart besäßen die Beschuldigten deutsche, kroatische, irakische, portugiesische und lettische Staatsangehörigkeiten. Nach den Ausschreitungen in der Innenstadt wird ihnen unter anderem schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte sowie Diebstahl in besonders schwerem Fall vorgeworfen. Ein 16-jähriger Tatverdächtiger soll außerdem einen bereits am Boden liegenden Studenten, der die Ausschreitungen kritisiert hatte, gezielt gegen den Kopf getreten haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft ihm versuchten Totschlag vor.

Ausschreitungen in Stuttgart: Wie konnte es so weit kommen? Politik und Polizei fordern Konsequenzen

Erstmeldung vom 22. Juni, 14 Uhr: Nach dem Gewalt-Wochenende in Stuttgart ist am Montag kaum noch etwas zu sehen von den Schäden, die in der Chaos-Nacht voller Randale und Plünderei entstanden sind – doch die Ausschreitungen haben trotzdem gewaltige Spuren hinterlassen. Die Politik fordert Konsequenzen, im Stuttgarter Rathaus wird über Folgen für den Handel beraten und die Polizei bringt sogar ein Alkoholverbot für Teile der Innenstadt ins Spiel.

Randale-Nacht in Stuttgart: So nahm das Chaos seinen Lauf

In der Nacht zum Sonntag spielen sich in der Innenstadt von Stuttgart unfassbare Szenen ab. Die Randale-Nacht beginnt, als Polizisten einen 17-jährigen Deutschen einer Kontrolle unterziehen wollen. Mehrere Hundert Personen solidarisieren sich mit ihm und greifen die Polizei mit Flaschen und Steinen an. Wie HEIDELBERG24 berichtet, wächst die Gruppe der Randalierer in Stuttgart schnell auf 400 bis 500 Personen an*, die plündernd durch die Stadt ziehen.

40 Geschäfte werden während der Ausschreitungen in Stuttgart beschädigt, 12 Polizeiautos demoliert und 19 Polizisten verletzt. Die Schadenshöhe nach den Randalen in Stuttgart beläuft sich auf einen sechs- bis siebenstelligen Betrag. Mittlerweile hat die Polizei in Stuttgart 25 Menschen vorläufig festgenommen*.

Ausschreitungen in Stuttgart: Merkel und Steinmeier verurteilen Krawalle scharf

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilt die Krawalle am Wochenende in Stuttgart scharf. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, die Szenen seien „abscheulich“ gewesen und mit nichts zu rechtfertigen. Sie seien gegen die Stadt und ihre Bürger gerichtet gewesen. Seibert dankte zugleich der Polizei. Die Bundesregierung wisse sehr wohl, was die Polizisten tagtäglich leisteten. Unterdessen zeigen sich auch internationale Medien wie die BBC schockiert über die Ausschreitungen in Stuttgart, wie BW24.de* berichtet.

Stuttgart: Polizeieinheiten sammeln sich, um gegen Randalierer vorzugehen. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei haben dutzende gewalttätige Kleingruppen die Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilt die gewaltsamen Ausschreitungen scharf und stellt sich demonstrativ hinter Polizeibeamte: „Gewalt, Vandalismus, schiere Brutalität - wie am Wochenende in Stuttgart gesehen - müssen mit aller Härte des Rechtsstaats verfolgt und bestraft werden“, sagte Steinmeier in Berlin. „Wer Polizistinnen und Polizisten angreift, wer sie verächtlich macht oder den Eindruck erweckt, sie gehörten „entsorgt“, dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen.“ 

Stuttgart: Polizei sieht keine politische Motivation für Ausschreitungen

Nach wie vor ist unklar, wie sich die Gewalt in Stuttgart so sehr entladen konnte. Festzustehen scheint für die Polizei, dass
die Randale nicht politisch motiviert war. Es seien vielmehr Menschen aus der sogenannten Party- und Event-Szene gewesen, die sich in den vergangenen Wochen immer wieder draußen getroffen und sich in den sozialen Medien mit ihrem Handeln inszeniert hätten. Auch nach Einschätzung von Polizeivize Berger wollten sich die Täter in sozialen Medien in Pose setzen und skandierten unter anderem „Endlich ist in Stuttgart was los“.

Randale-Wochenende in Stuttgart: Wer sind die Tatverdächtigen?

Was eher weniger dazu passt sind die Ausrufe der Randalierer. In einem Video ist zu sehen, wie mehrere Personen laut „Allahu Akbar“ schreien – wie Terrorristen kurz vor einem Attentat. Auch die Aussagen „Fuck the police“ und „Fuck the system„ fallen mehrfach in einem anderen Video, bei dem die Vandalen mit allen möglichen Gegenständen einen Polizeiwagen völlig zerstören.

Laut Stuttgarts Polizei-Vizepräsident Thomas Berger seien zwölf der Verdächtigen Deutsche, drei von ihnen mit Migrationshintergrund. Die andere Hälfte stammt unter anderem aus Portugal, Bosnien, Iran, Somalia, Irak Kroatien und Afghanistan. Es sei ein „bunter Mix über den Globus“ der sich am Samstag in Stuttgart versammelt hat, so Berger. Sieben der Verdächtigen sind minderjährig, weitere sieben seien zwischen 18 und 21 Jahre alt. Sieben der Verdächtigen wurden bereits dem Haftrichter vorgeführt.

Nach Auschreitungen in Stuttgart: Polizei fordert Alkoholverbot in Innenstadt

Nach Ansicht der Polizeigewerkschaft kann sich die Stadt Stuttgart nach der Randale nicht mehr gegen ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen sperren. „Jugendliche haben auch außerhalb der derzeit gesperrten Clubs ausreichend Gelegenheit, sich Alkohol zu kaufen“, sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer. Auch eine Sperrstunde zum Beispiel zwischen 3 und 7 Uhr morgens müsse diskutiert werden, forderte er.  Gelegenheit zur Aufarbeitung in der Politik soll eine Sondersitzung des Innenausschusses am Mittwoch im Landtag geben. Dort will die Opposition Innenminister Strobl ausführlich zur kriminellen Gewalt und zu Maßnahmen zum Schutz von Gesellschaft und Polizei befragen. Die Polizei hat angekündigt, in den kommenden Wochen mit verstärkten Kräften in Stuttgart unterwegs zu sein.

*HEIDELBERG24 und BW24 sind Teil des Ippen-Redaktionsnetzwerks.

dpa/kab

Rubriklistenbild: © picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

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