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Seltenes Naturphänomen: See in Baden-Württemberg taucht aus dem Nichts auf

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Von: Franziska Vystrcil

Der Eichener See bei Schopfheim.
Zeigt sich nur selten: Der Eichener See im Landkreis Lörrach. © Patrick Seeger/dpa

Mal ist er da, mal ist er fort: Der Eichener See in Schopfheim zeigt sich nicht immer. Nun ist er wieder aufgetaucht - zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, wie Forscher sagen.

Schopfheim - Wie von Zauberhand taucht der Eichener See in Schopfheim im Landkreis Lörrach plötzlich auf. Wo zuvor nur Wiese war, ist nun Wasser. Ein Naturphänomen, das es zu dieser Jahreszeit nur selten gibt. Denn wie BW24* berichtete, sollte das Wetter in Deutschland* nun eigentlich heiß und trocken sein - nicht so jedoch diesen Sommer. Gruselprognosen sprachen sogar von Temperaturen, die sich dem Bodenfrost nähern*.

Eine gute Sache hatten die hohen Niederschlagsmengen jedoch: Sie fördern ein seltenes Naturphänomen. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr taucht der Eichener See auf. Normalerweise kann der sogenannte Karstsee nur in den Wintermonaten bestaunt werden, wenn durch Schnee und Regen der Grundwasserspiegel hoch ist. In heißen Sommermonaten wie im August ist das eher ungewöhnlich, berichtet die Badische Zeitung.

Seltenes Naturphänomen: Eichener See zeigt sich sonst nur im Herbst und Winter

Doch wie ist das möglich? Bei dem Eichener See handelt es sich um einen sogenannten zeitweisen Karstsee. Heißt: nur bei hohem Grundwasserstand füllt sich der See. Er hat keinen oberirdischen Zufluss, der Abfluss erfolgt sowohl unterirdisch als auch über Verdunstung. Grund für das relativ seltene Ereignis ist, dass sich der Eichener See ausschließlich aus Hang-, Regen- und Schmelzwasser speist. In den Sommermonaten gibt es davon normalerweise wenig.

Doch dieses Jahr ist das verregnete Sommerwetter dafür ideal. Vielerorts führte heftiger Regen zu gefährlichen Sturzfluten*. In Schopfheim sorgten die Regenmassen für einen höheren Grundwasserspiegel, als es für diese Zeit üblich ist. Ab einem Grundwasserspiegel von 39,4 Metern ist der See zu sehen. Momentan ist der Spiegel sogar 40,29 Meter hoch. Durch die anhaltenden Niederschläge stieg der Grundwasserspiegel schnell und die Karstwanne unterhalb des Sees füllte sich - und der See erschien an der Oberfläche.

Eichener See ist ein seltenes Naturphänomen: Gewässer ist nur ein paar mal im Jahr zu sehen

Das letzte Mal in diesem Jahr war der See im Februar zu sehen. Da war er um einiges größer, als er jetzt ist. Mit einer Tiefe von drei Metern und einer Größe von 270 auf 150 Meter erreichte der See im Februar eine beachtliche Größe. Momentan sieht das Gewässer eher nach einer Pfütze, als nach einem See aus. Nichtsdestotrotz ist das Erscheinen des Eichener Sees eine Besonderheit. Der letzte Sommer, in dem er zu sehen war, war im Juni 2016.

Den Eichener See macht noch eine Besonderheit aus: In dem temporären Gewässer wurden Anfang des Jahres kleine Tierchen aus der Urzeit entdeckt: Die Feenkrebse im Eichener See sind 400 Millionen Jahre alt*. Den Krebsen kommt der gefüllte Karstsee zugute: Füllt sich der Eichener See, schlüpfen innerhalb weniger Tage Feenkrebs-Larven. Dass das Wasser irgendwann wieder verschwindet, macht den seltenen Tierchen nichts aus, wie Naturschutzwart Hartmut Heise der Badischen Zeitung erzählt. Eine Trockenlegung von bis zu 15 Jahren sei für die Krebse kein Problem, solang sie sich noch in ihren Eiern befinden. Diese sind trockenheitsresistent und warten einfach darauf, dass der See wieder erscheint. 

Wie lange der See nun zu sehen sein wird, lässt sich nicht sagen. Das hängt ganz von den äußeren Einflüssen und dem Wetter der kommenden Tage in Baden-Württemberg* ab.
BW24* ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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