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„Schlimmstes Schuljahr“ seit 50 Jahren – Lehrermangel in Baden-Württemberg

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Von: Tobias Becker

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Das Schuljahr läuft seit einigen Wochen, doch ein Thema wird in Baden-Württemberg immer noch groß diskutiert: Der Mangel an Lehrkräften.

Wer Kinder hat, kennt das Problem vielleicht: Es fehlen Lehrkräfte an allen Ecken und Enden. Was sich seit Jahren abgezeichnet hat, hat auch in den vergangenen Wochen wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Schulstart in Heilbronn und Baden-Württemberg im September war ein Anlass. Doch eine richtige Lösung scheint es nicht zu geben - im Gegenteil! Gewerkschaften und Verbände warnen weiterhin.

Schulen in Baden-Württemberg: Lehrkraftmangel als großes Problem

So sollen bundesweit rund 30.000 bis 40.000 Stellen unbesetzt sein, schätzt der Deutsche Lehrerverband, wie ZDFheute schreibt. Demnach hat Präsident Hans-Peter Meidinger drastische Worte gewählt und sagt: „Dieses Schuljahr ist das schlimmste Schuljahr seit 50 Jahren.“ Und das zum Schulbeginn. In Baden-Württemberg sieht die Lage nicht besser aus.

Zwar hat die Landesregierung laut SWR angekündigt, 500 zusätzliche Lehrstellen für Schulen zu schaffen, aber das wiederum würde nicht ausreichen, wie der Philologenverband erklärt. Ein Grund dafür: Die ukrainischen Kinder, die in baden-württembergischen Schulen untergebracht werden sollen. Dafür seien wohl weit über 1.000 zusätzliche Stellen nötig.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann
Bevölkerung11,07 Mio.

Schulen in Baden-Württemberg: Schulen auf dem Land sind ein Problem

Nach den Sommerferien ging es für rund 1,5 Millionen Schüler und Schülerinnen in Baden-Württemberg wieder in die Schule. Knapp über 100.000 davon gingen zum ersten Mal in die Grundschule. Zwar gibt es keine Masken- und Testpflicht, wobei sich die Coronaregeln im Oktober in Baden-Württemberg ja wieder wandeln, allerdings drohen einige Unterrichtsausfälle. Der Personalmangel der Lehrkräfte könnte schuld sein. Auch HEIDELBERG24 berichtet darüber, dass viele Schulen kurz zu Beginn des neuen Schuljahrs bereits dramatische Probleme haben, die planmäßigen Unterrichtsstunden abzudecken.

Ein weiterer Grund für den Lehrkraftmangel sind die unattraktiven Standorte auf dem Land. So erklärte Theresa Schopper, die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg, gegenüber SWR: „In Heidelberg oder in Freiburg kommen etwa 150 Bewerbungen auf eine einstellige Zahl von Stellen. In Waldshut haben wir auf etwa 50 Stellen knapp 20 Bewerbungen erhalten.“

Lehrkraftmangel in Baden-Württemberg: Lösungen sind kaum zu sehen

Ein weiteres Problem stellen die Deputate dar, weil nicht jede Lehrkraft ein volles Deputat antritt. Heißt: Weniger Schulstunden als eine volle Kraft. Gerade im Grundschulbereich könnte auch die ungleiche Besoldung (A12) im Vergleich zu Gymnasiallehramt (A13) beispielsweise die Stelle unattraktiv wirken lassen. Hinzu kommt die fehlende Aufstiegsmöglichkeit der Besoldungsstufe.

Immerhin hat sich die Politik nun wohl darauf geeinigt knapp 1.700 neue Stellen im Haushalt 2023/24 zu schaffen, davon werden 700 im Bereich Bildung geschaffen, 500 von diesen sollen Lehrkräfte sein. Ein Tropfen auf den heißen Stein oder ein Anfang? Man wird sehen, doch die Lehrkraft-Diskussion in Baden-Württemberg ist vermutlich noch lange nicht zu Ende.

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