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Bund will an Autobahnen Ladesäulen bauen, die für kaum jemanden attraktiv sein dürften

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Von: Valentin Betz

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Ladesäule für Elektroautos
Wer sein E-Auto auf der Autobahn aufladen will, tut das in Deutschland aktuell ziemlich sicher an Ladestationen der Raststätten von „Tank & Rast“. Das soll sich bald ändern, doch die Pläne sorgen für Diskussionen (Symbolbild). © Sina Schuldt/dpa

Das Ladenetz für E-Autos ist in Deutschland noch ausbaufähig - auch an gut befahrenen Autobahnen. Es gibt Pläne für den Ausbau, doch die sorgen für Diskussionen.

Stuttgart - Ganz Deutschland ist von einem Netz aus Autobahnen durchzogen. Durch Baden-Württemberg* führen gleich mehrere wichtige Strecken, beispielsweise die A8 und die A81. Die Ziffer 8 steht dabei für sämtliche Autobahnen, die sich dem Großraum Stuttgart* zuordnen lassen. Wer auf diesen Straßen mit seinem Auto entlang brettert, braucht sich normalerweise keine Sorgen zu machen, liegenzubleiben. Zumindest, wenn das Fahrzeug ein Verbrenner ist.

Denn das Ladenetz für E-Autos in Deutschland ist bislang ein Trauerspiel (BW24* berichtete). Die Situation auf den Autobahnen mag vielleicht besser sein, als auf dem Land - Luft nach oben gibt es aber noch. Ein Problem: Ladestationen gibt es praktisch nur an großen Raststätten. Die sind hierzulande zu 90 Prozent in der Hand des Unternehmens „Tank & Rast“. Wie das Handelsblatt berichtet, soll sich das bald ändern. Für die Betreiber der neu entstehenden Ladestationen ist das aber kaum eine gute Nachricht, denn die Standorte haben einen entscheidenden Nachteil bei der Attraktivität.

Ladesäulen für E-Autos: Rastanlagen an Autobahnen sollen aufgerüstet werden

Wer einmal längere Strecken auf der Autobahn gefahren ist, weiß, dass Haltemöglichkeiten nicht nur an großen Raststätten bestehen. Es gibt auch kleine, unbewirtschaftete Rastanlagen, die meist nur mit einem Toilettenhaus ausgerüstet sind. In ganz Deutschland gibt es davon aber erst eine mit Ladesäulen für E-Autos - von insgesamt 200.

Im Rahmen des „Deutschlandnetzes“ sollen 1.000 neue Schnellladestandorte entstehen, auch die Rastanlagen stehen dafür im Fokus. Aktuell läuft dafür die Ausschreibung, doch für Betreiber von Ladesäulen ergibt sich bei der Bewerbung um einen Standort ein entscheidendes Problem: Die Rastanlagen sind unattraktiv und oft sanierungsbedürftig. Ein volles Aufladen der Batterie, was gerne 40 Minuten dauert, will wohl kein Fahrer eines E-Autos Däumchen drehend dort verbringen. Nur dürfen die Bewerber an diesem Zustand nichts ändern.

Rastanlagen an Autobahnen: Betreiber dürfen Ladesäulen an Autobahnen nicht um Angebote erweitern

Der große Vorteil von den Raststätten des Unternehmens „Tank & Rast“ ist aber, dass Fahrer von E-Autos essen und trinken können, während die Batterie vollständig geladen wird. Ohnehin wird das Laden von E-Autos bald profitabler als Tanken*. Die für die Ausschreibung der Rastanlagen zuständige Autobahn GmbH will aber kein Zusatzangebot an den Rastanlagen. Shops, Gastronomie oder sonstiger Zeitvertreib sind nicht vorgesehen - selbst wenn der Ladesäulenbetreiber dafür eigens Geld investieren würde.

Das Absurde daran: Abseits der Autobahnen ist die Standortgestaltung für Ladestationen sogar ein Vergabevorteil und Auswahlkriterium. Betreiber sollen explizit Konzepte vorlegen, wie Anlagen abseits der Ladesäulen aussehen könnten. Ulf Schulte vom Ladesäulenbetreiber Allego fürchtet gegenüber dem Handelsblatt deshalb, dass an den Autobahn-Rastanlagen „Ladeplätze zweiter Klasse“ entstünden.

Ladesäulen an Autobahnen: Rastanlagen auch ohne Anpassung an E-Autos sanierungsbedürftig

Fest steht, dass die Modernisierung der 200 unbewirtschafteten Rastanlagen Geld kostet. Das Handelsblatt schreibt von Kosten im mehrstelligen Millionenbereich. Geht es nach dem ADAC, sind solche Investitionen aber auch ohne Ladesäulen längst notwendig. In einem Test des Automobilclubs schnitt jede fünfte Anlage mit „mangelhaft“ oder sogar „sehr mangelhaft“ ab.

Derzeit ist unklar, ob mögliche Ladesäulenbetreiber doch noch die Chance bekommen, unbewirtschaftete Rastanlagen im Rahmen des Ausbaus der Ladestationen aufzuwerten. Die Stimmung unter den Parteien scheint jedenfalls angespannt. „Dass die Ausschreibung gar keine Minimalversorgung mehr vorsieht, wurde vermutlich gemacht, um sich gegenüber Tank & Rast nicht angreifbar zu machen“, sagt etwa Allego-Chef Schulte. Der Betreiber von Raststätten sieht sich hingegen auf der sicheren Seite. Die Bewirtschaftung an den Rastanlagen hält „Tank & Rast“ für rechtswidrig. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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