Demonstration in Ludwigsburg

Rassistischer Angriff mit Stahlkugel: Donald-Trump-Fan beschießt 15-Jährigen in Baden-Württemberg

Ein Mann trägt eine Mütze mit der Aufschrift „Make America great again“
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Nach Angriff in Ludwigsburg: Auch in Deutschland tragen Unterstützer des US-Präsidenten Donald-Trump-T-Shirts und Mützen (Symbolbild)

Am Donnerstag kam es zu einer Demonstration in Ludwigsburg. Sie demonstrierten gemeinsam gegen Rassismus, Fremdenhass und Polizeigewalt. Auslöser war ein rassistischer Angriff auf einen Äthiopier.

  • Am Donnerstag kam es zu einer Demonstration in Ludwigsburg (mehr zum Landkreis bei BW24*). Ungefähr 200 Menschen demonstrierten gegen Rassismus und Fremdenhass.
  • Auslöser für die Protestaktion war ein brutaler Angriff auf einen 15-Jährigen Äthiopier am Montag.
  • Bei der Demonstration in Ludwigsburg hielten Bündnisse aus dem Kreis Ludwigsburg, dem Rems-Murr-Kreis und dem Kreis Stuttgart Reden gegen Rassismus.

Ludwigsburg - Am Donnerstag fand eine „Black lives matter“-Demonstration in Ludwigsburg statt. Seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA versammeln sich in ganz Baden-Württemberg Menschen zu Protestzwecken. George Floyd starb, weil ein Polizist mehrere Minuten auf seinem Hals gekniet und ihm die Atemluft abgedrückt hatte. Eine Demonstration unter dem Motto „Gegen Rassismus“ stellte in Stuttgart sogar die aktuellen Corona-Demonstrationen in den Schatten (BW24* berichtete).

Die Verordnungen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg werden bei den Demonstrationen nicht immer eingehalten. Die „Black lives matter“-Demonstrationen sind im Hinblick auf die Infektionsgefahr ein Grund zur Sorge*.

In einer ohnehin schon angespannten Lage geschah nun in Ludwigsburg ein rassistischer Angriff. Die brutale Attacke auf einen 15-Jährigen aus Äthiopien war der Auslöser für die schnell organisierte Demonstration. Unter dem Motto „Schluss mit Rassismus“ brachten die Demonstranten in Ludwigsburg ihre Solidarität gegenüber dem 15-Jährigen zum Ausdruck.

Demonstration in Ludwigsburg: Rassistischer Angriff auf 15-jährigen Äthiopier war Auslöser

Der brutale Angriff auf den 15-Jährigen aus Äthiopien geschah am Montag. Laut einer Pressemitteilung der Polizei Ludwigsburg* wartete der Jugendliche gegen 18.00 Uhr vor einem Supermarkt in der Hirschbergstraße in Ludwigsburg-Eglosheim auf einen Freund. Zwei vermutlich alkoholisierte Erwachsene näherten sich ihm. Sie sprachen den Jugendlichen an, einer der Männer beschoss den 15-Jährigen mit einer Stahlkugel aus einer Schleuder. Das Geschoss traf den Jugendlichen an der Brust.

Nach dem Angriff lief der 15-Jährige davon und suchte Hilfe bei einer Angehörigen. Die Angehörige des Jugendlichen verständigte die Polizei. Laut Polizei steckten wahrscheinlich rassistische Motive hinter dem Angriff in Ludwigsburg.

Der Mann mit der Schleuder trug nach Angaben der Polizei Ludwigsburg ein „Donald Trump“- Shirt, war um die 40 Jahre alt und etwa 1,90 Meter groß. Die Polizei beschreibt seinen Begleiter als „dicklich“. Das Mitführen einer Schleuder mit Stahlkugeln ist ungewöhnlich. „Normalerweise trägt man eine Schleuder und Metallgeschosse nicht mit sich herum. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass die Täter bewusst auf die Straße gingen, um Menschen schwer zu verletzen“, schreibt das Bündnis „Ludwigsburg gegen Rechts“ auf seiner Facebook-Seite. Das Bündnis war der Veranstalter für die Demonstration in Ludwigsburg vom Donnerstag.

Demonstration in Ludwigsburg: Protestaktion hatte nur einen Tag Vorlauf

Als Reaktion auf den Angriff kündigte das Bündnis „Ludwigsburg gegen Rechts“ mit nur einem Tag Planungszeit eine Demonstration in Ludwigsburg an. „Wir müssen uns zusammenschließen und gemeinsam gegen das Problem vorgehen: Die offensichtlichen Neonazis, die auf die Straße gehen und Menschen verletzen und töten, müssen gestoppt werden! Doch damit ist das Problem leider noch nicht gelöst; auch anderes tief im Alltag verankertes, diskriminierendes Verhalten darf nicht unwidersprochen bleiben!“, schrieb das Bündnis in der Ankündigung.

Ursprünglich meldeten die Veranstalter 150 Teilnehmer für ihre Demonstration in Ludwigsburg an. Tatsächlich kamen mehr Menschen zu dem Protest. Das Bündnis „Ludwigsburg gegen Rechts“ zeigte sich begeistert über die Teilnahme: „Mit nur einem Tag Mobilisierungszeit sind wir sehr erfreut, dass sich kurzfristig so viele LudwigsburgerInnen und Ludwigsburger, selbst von Rassismus Betroffene, AntifaschistInnen und KollegInnen eingefunden haben, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen und aktiv gegen Rassismus einzutreten“.

Auch bei der „Black lives matter“-Demonstration in Stuttgart kamen Tausende Menschen mehr, als angekündigt.

„Black lives matter“ in Ludwigsburg: Zusammenschluss von mehreren Bündnissen

Bei der Demonstration in Ludwigsburg am Donnerstag wurden nach Angaben der Veranstalter insgesamt fünf Reden gehalten. Unter den Sprechern war auch einer der Organisatoren der „Silent Demo“ in Stuttgart*. Daneben sprachen Mitglieder des Bündnisses „Ludwigsburg gegen Rechts“, des „Offenes Antirassistisches Treffen Rems-Murr“ und des „Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart und Region“.

Nach der Kundgebung in der Nähe des Bahnhofs in Ludwigsburg zogen die Demonstranten durch die Stadt. „[...] Heute [wurde] ein Zeichen gesetzt, dass solche Vorfälle in Ludwigsburg niemals als Normalität anerkannt werden, sondern wir alles daran setzen werden, dass rechte Hetze und Rassismus bald der Vergangenheit angehören“, schreiben die Veranstalter auf ihrer Facebook-Seite.

Laut den Stuttgarter Nachrichten hielten die Demonstranten die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz* vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg* größtenteils ein.

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital Redaktionsnetzwerks.

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