1. Mannheim24
  2. Baden-Württemberg

„Risiko in Kauf nehmen“: Boris Palmer fordert, Impfstoff aus Tübingen vorzeitig zuzulassen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sina Alonso Garcia

Um das Coronavirus in Baden-Württemberg in den Griff zu bekommen, ist laut dem Tübinger OB Boris Palmer eine rasche Genehmigung des Impfstoffs von Curevac nötig.

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg* (*BW24 berichtete) ist der Impfstoff ein entscheidender Schlüssel. Leider ist er derzeit noch nicht in dem Maße verfügbar, wie es sich viele wünschen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) setzt sich deshalb dafür ein, dass der Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac per Notfallzulassung auf den Markt kommt.

Immer wieder polarisierte der Tübinger OB in den vergangenen Monaten mit seinen Aussagen zur Corona-Politik. Erst kürzlich forderte Boris Palmer ein rasches Lockdown-Ende*. Dabei ist er alles andere als ein Lockdown-Leugner. Im Rahmen eines Tests hat sich Palmer sogar gegen das Coronavirus impfen lassen* - und dafür viel Respekt bekommen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Palmer will Zulassung von Curevac-Impfstoff früher

Wegen der Impfstoffknappheit fordert Boris Palmer nun eine schnellere Zulassung des Impfstoffes des Tübinger Unternehmens Curevac. „Wenn man politisch eingreifen will, sollte man sich die Frage der Zulassung noch mal anschauen. Ich würde dafür plädieren, dass der Curevac-Impfstoff eine Notzulassung bekommt, dann haben wir ihn vier oder sechs Wochen früher zur Verfügung“, sagte Boris Palmer dem Fernsehsender phoenix am Dienstag. Der Impfstoff sei genauso sicher und durchgetestet wie andere Impfstoffe.

„Wer sich so viel traut bei der Einschränkung von Grundrechten, könnte auch Abstriche bei bürokratischen Vorschriften machen“, sagte Palmer dem SWR. Noch wird bei Curevac an dem Impfstoff geforscht, fertig ist er bisher nicht. Erst im Sommer soll es dem Unternehmen zufolge so weit sein. Trotzdem betont Palmer, er würde „das Risiko eingehen und den Impfstoff zulassen“. Der Tübinger Oberbürgermeister verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Notstandsgesetzgebung. Mit Bezug auf diese könne man sich auch eine Notzulassung für einen Impfstoff leisten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Palmer sieht frühere Curevac-Zulassung unproblematisch

Wie Boris Palmer in einem Facebook-Post erklärt, basiert der Tübinger Impfstoff auf der sogenannten „messenger RNA“ Technologie, kurz mRNA. Palmer sieht diesen im Kampf gegen die hochansteckenden Corona-Mutationen* im Vorteil, da ein neuer Impfstoff innerhalb weniger Tage hergestellt werden könne. Der Knackpunkt in der Entwicklung sei lediglich das Zulassungsverfahren.

Curevac selbst rechnete ursprünglich damit, seinen Impfstoff in diesem Sommer auf den Markt zu bringen, zeigte sich aber offen für Gespräche über eine Notfallzulassung. Die letztendliche Entscheidung liegt dann beim Paul-Ehrlich-Institut. „Wir würden uns Gesprächen darüber natürlich nicht verschließen“, sagte Curevac-Sprecher Thorsten Schüller der Schwäbischen Zeitung.

Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland: Impftempo in der Kritik

Deutschland und die EU geraten zunehmend in der Kritik, weil sie im internationalen Vergleich bei der Zahl der Impfungen eher hinten liegen. Wegen der andauernden Kritik an der Impfstrategie platzte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann kürzlich der Kragen: Nach dem Impfgipfel rastete er aus und sprach von „Schlaumeier-Debatten“*.

Einige Länder gehen bei der Corona-Impfung völlig anders vor als Deutschland*. Dass es in Deutschland und Europa im weltweiten Vergleich eher länger mit dem Impfen dauert, liegt zum Teil daran, dass die Mittel in der EU eine Marktzulassung statt nur eine Notfallzulassung bekommen sollen - und das dauert länger. In der EU zugelassen sind bislang Impfstoffe von Biontec-Pfizer, Moderna und Astrazeneca. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Auch interessant