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Tübinger Modell gestoppt: „Ab Montag alles dicht“ - Frust bei OB Palmer

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Von: Valentin Betz

Die Bundesnotbremse gegen das Coronavirus kommt - und bedeutet für das Modellprojekt in Tübingen das Ende. Die Verantwortlichen um Oberbürgermeister Boris Palmer sind gefrustet.

Update vom 22. April, 10:45 Uhr: Trotz steigender Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und Verwirrung bei den Regelungen konnte sich das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ in Tübingen lange halten. Doch kommende Woche wird die besondere Teststrategie wegen der dann greifenden Bundes-Notbremse beendet. Oberbürgermeister Boris Palmer verkündete das Aus für das Tübinger Modellprojekt auf Facebook.

„Ab Montag ist also auch bei uns alles dicht. Theater, Handel, Schulen und Kitas“, so Oberbürgermeister Boris Palmer. Diese Entscheidung habe die CDU-Wahlkreisabgeordnete Annette Widmann-Mauz der Presse mitgeteilt. Boris Palmer gab sich darüber frustriert. Zwar sei die Inzidenz im Landkreis Tübingen mit 180 viel zu hoch, schrieb Palmer. Gleichzeitig fügte er aber hinzu: „Der Anstieg findet nur außerhalb Tübingens statt und hat jetzt den Wert von 240 erreicht, während wir bei 91 stehen.“

Auch die für das Modellprojekt mitverantwortliche Tübinger Notärztin Lisa Federle zeigte sich gefrustet über das Ende durch die Bundesnotbremse. „Es wäre besser gewesen, wenn man als Grundlage für die Entscheidung die Inzidenz in der Stadt genommen hätte anstatt die im Landkreis Tübingen“, so Federle zur Deutschen Presseagentur. Durch das Aus des Modellprojekts fehle den Menschen nun der Anreiz, sich testen zu lassen. „Somit können wir auch die Tests nicht mehr in der Form durchführen, wie wir das schon seit Monaten machen“, erklärte die Tübinger Notärztin.

Update vom 7. April, 17:05 Uhr: Gemeinsam mit Mit-Initiatorin und Ärztin Lisa Federle hat sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in einem offenen Brief an die Bewohner der Universitätsstadt gewandt. „Wir waren wirklich gut, aber leider nicht gut genug“, heißt es in dem Schreiben auf der Homepage der Stadt. In dem Brief zeigen Lisa Federle und Boris Palmer Verständnis für diejenigen, die angesichts der Schließung der Außengastronomie frustriert sind. Beide betonen aber auch, dass eine Ausweitung der täglich durchgeführten Corona-Tests zwingend notwendig ist. „Allen Bedürfnissen entsprechen kann man in dieser Lage nicht“, heißt es.

Dank der Testpflicht im Rahmen des Modellversuchs in Tübingen blieben viele Möglichkeiten offen, die andernorts wieder verschlossen sind. „Die Alternative ist aber immer die Schließung: Der Brücken-Lockdown, von dem jetzt die Rede ist, würde auch bedeuten, dass Einzelhandel und Kultur wieder schließen müssen und in Schulen und Kitas nur noch Notbetreuung angeboten wird“, schreiben Lisa Federle und Boris Palmer in ihrem Brief. Beide Verantwortlichen zeigen sich nach wie vor überzeugt vom Modellprojekt: „Wir glauben, dass wir mit dem, was wir bereits über das verpflichtende Testen gelernt haben, die dritte Welle ohne Lockdown brechen können.“

Update vom 7. April, 10:45 Uhr: Weil sich das Coronavirus in Baden-Württemberg weiter ausbreitet, ist das Tübinger Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ bedroht. Inzwischen hat sich das baden-württembergische Gesundheitsministerium mit dem Landesgesundheitsamt, der Stadt Tübingen und dem örtlichen Gesundheitsamt abgesprochen: Trotz steigender Infektionzahlen geht es vorerst weiter.

Allerdings muss die Stadt Tübingen Anpassungen vornehmen. Oberbürgermeister Boris Palmer betonte, man werde mehr testen und mehr kontrollieren, damit der Einzelhandel und die Kultur in Tübingen weiterhin geöffnet bleiben könne. Trotzdem wiegt eine Anpassung besonders schwer: Die Außengastronomie muss wieder schließen, zudem gibt es keine Tagestickets mehr für Auswärtige.

Steigende Corona-Fallzahlen: Tübingen bessert auch bei Kitas und Betrieben nach

Darüber hinaus wird im Rahmen des Modellprojekts in Tübingen ein verpflichtender wöchentlicher Schnelltest für Kinder in Kitas und der Notbetreuung an Schulen eingeführt. Auch in Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern gilt ab kommenden Montag eine Testpflicht - zweimal wöchentlich steht ein Schnelltest an. Außerdem weitet die Universitätsstadt die Zone für das Alkoholverbot aus.

Wenn sich der Anstieg der Fallzahlen in Tübingen trotz der nun vorgesehenen Maßnahmen wieder fortsetze und das Infektionsgeschehen zunehmen statt abnehmen sollte, müsse weiter gegengesteuert oder im Zweifel doch eine Unterbrechung des Projekts erfolgen, erklärte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha laut Deutscher Presseagentur. Man werde das Projekt weiter eng begleiten und die Stadt unterstützen. „Klar ist aber auch weiterhin, dass das Modellprojekt derzeit gefährdet ist“, so Lucha.

Erstmeldung vom 6. April: Tübingen - Das Coronavirus in Baden-Württemberg* macht auch vor Tübingen nicht halt. In der Universitätsstadt läuft derzeit noch das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“, das durch umfangreiche Corona-Tests einen möglichst normalen Alltag gewährleisten soll. Seitdem steht die Corona-Teststrategie aber auch in der Kritik, Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bekam Morddrohungen (BW24* berichtete). Über das lange Osterwochenende wurde das Modellprojekt modifiziert. Handel, Kultur und Gastronomie blieben mit Testpflicht geöffnet.

Unter diesen Bedingungen soll die Corona-Teststrategie in Tübingen zunächst weiterlaufen, obwohl im Landkreis Tübingen bereits die Notbremse greift. Doch ob das Modellprojekt wirklich abgeschlossen werden kann, soll die Landesregierung Baden-Württembergs heute entscheiden.

Modellprojekt in Tübingen: Steigende Corona-Neuinfektionen bringen Strategie in Gefahr

Bereits kurz vor Ostern sah es nicht gut aus für die Corona-Teststrategie von Oberbürgermeister Boris Palmer. Dem Modellprojekt in Tübingen drohte der Abbruch*, SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete „Testen statt Lockdown“ als „Wunschdenken“.

Nachtschwärmer halten sich in der Altstadt Tübingens trotz Corona in der „Lange Gasse“ auf.

Modellprojekt in Tübingen: Auch abends konnten die Menschen dank Schnelltests trotz Coronavirus unterwegs sein. Doch wie lange noch? © Andreas Arnold/dpa

Tatsächlich scheint sich der anfänglich positive Ausblick langsam umzukehren. Die 7-Tage-Inzidenz in Tübingen liegt nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) inzwischen bei 89, im Landkreis Tübingen laut Landesgesundheitsamt sogar bei 108,9. In der Universitätsstadt lagt der Wert der Corona-Neuinfektionen je. 100.000 Einwohner binnen einer Woche am 18. März noch bei 19,7, so die dpa.

Corona-Infektionen in Tübingen: Modellprojekt läuft weiter, wird aber zusehends angepasst

Das Modellprojekt musste bereits mehrfach angepasst werden. So gibt es inzwischen in Tübingen keine Coronatests mehr für Shopping-Touristen*. An den neun Teststationen gibt es auch weiterhin nach einem negativen Ergebnis nur Tagestickets für Menschen aus dem Landkreis Tübingen und der Universitätsstadt.

„Die erweiterte Maskenpflicht und das Alkoholverbot gelten ebenfalls weiter“, erklärte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer der Deutschen Presseagentur. Doch ob das Modellprojekt angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg wirklich zu Ende gebracht werden kann, hat der Grünen-Politiker nicht selbst in der Hand. Das letzte Wort wird diesbezüglich heute von der Landesregierung gesprochen.*BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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