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Tübingen verhängt Testpflicht: Friseur, Shoppen und Restaurantbesuch nur mit Coronatest

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Von: Sina Alonso Garcia

Das ganze Land schaut jetzt auf Tübingen. Hier startet ein bundesweit einmaliges Projekt, nach dem Außengastronomie, Kultur und Co. wieder öffnen - jedoch nur für Menschen mit negativem Corona-Schnelltest.

Tübingen - Weil die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* (BW24* berichtete) aktuell wieder ansteigen, mussten einige Regionen im Land die Lockerungen wieder zurücknehmen*. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) will für seinen Stadtkreis ein solches Szenario unbedingt verhindern. Deshalb führte er erst kürzlich eine Regel ein, nach der Auswärtige in Tübingen nur mit negativem Coronatest shoppen* gehen dürfen. Ab Dienstag startet in Tübingen zudem das Projekt „Öffnen mit Sicherheit“, das als Modellprojekt für ganz Baden-Württemberg gilt und gemeinsam mit der Landesregierung in Stuttgart* ins Leben gerufen wurde.

Am 16. März öffnen in Tübingen neben Friseuren, Einzelhandel und Co. auch Außengastronomie, Kinos und Kultureinrichtungen. „Jedoch nur für Personen, die ein tagesaktuelles negatives Schnelltestergebnis vorweisen können sowie unter Einhaltung weiterer Hygieneauflagen“, heißt es vonseiten des baden-württembergischen Staatsministeriums. Ministerpräsident Winfried Kretschmann* (Grüne) beobachtet die Entwicklungen mit großem Interesse.

Tübingen wird zur Modellstadt - Kommt das System bald in ganz Baden-Württemberg?

„Das sind genau die innovativen Ideen, die wir in der Pandemie dringend brauchen“, sagte Winfried Kretschmann. „Wir erhoffen uns von dem Projekt, dass wir damit einen Weg finden, den Menschen etwas mehr Normalität zu ermöglichen.“ Den Branchen, die besonders vom Lockdown betroffen seien, sollten neue Perspektiven eröffnet werden - ohne Abstriche bei der Sicherheit.

Wer in Tübingen zum Friseur, zum Einkaufen oder ins Kino möchte, hat ab sofort die Möglichkeit, sich in der Innenstadt kostenlos an Schnellteststationen testen zu lassen. Als Nachweis für einen negativen Test erhält man ein Zertifikat. Die Universität Tübingen begleitet das Projekt wissenschaftlich, um konkrete Handlungsempfehlungen für andere Regionen und das Land abzuleiten. Wenn sich das Modellprojekt als Erfolg herausstellt, könnte künftig in ganz Baden-Württemberg der Zutritt zu Restaurants und Geschäften nur mit Corona-Schnelltest* erfolgen.

Pilotprojekt in Tübingen: „Menschen wieder mehr von ihrem alten Leben zurückgeben“

Schon früh hat Oberbürgermeister Boris Palmer mit seinem Tübinger Weg bundesweit Aufsehen erregt. Auf sein eigenes Schnelltest-System in Tübingen* schaut man in der Politik mit Interesse. „Im besten Fall senken wir die Infektionszahlen durch die massive Ausweitung des Testens“, sagte Palmer der Deutschen Presseagentur (dpa). Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) setzt große Hoffnungen in diese Strategie: „Testen ist eines der Instrumente, die aus der Krise führen, die den Menschen wieder mehr von ihrem alten Leben zurückgeben können.“ Das Modellprojekt gebe den Händlern und Gastronomen eine Perspektive, so Strobl.

Maßgeblich an der Entwicklung des Pilotprojekts „Öffnen mit Sicherheit“ beteiligt war auch die Tübinger Notärztin und Pandemie-Beauftragte Lisa Federle. Im vergangenen Jahr erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihren Einsatz in der Corona-Krise*. „Wir bedanken uns beim Land für die Chance, gemeinsam mit der engagierten Bürgerschaft auszutesten, wie eine Stadt sicher geöffnet werden kann“, so Boris Palmer. Sein besonderer Dank gilt jedoch der Tübinger Händlerschaft: „Der Handel in Tübingen hat die Testpflicht akzeptiert und ermöglicht damit, dass Kultur und Gastronomie öffnen können. Das ist gelebte Solidarität.“ Nun lautet das Motto in der Modellstadt „Corona-Tests statt Endlos-Lockdown“, wie Echo24.de* berichtet.

Aufgrund der umfangreichen Vorerfahrungen der Universitätsstadt, beispielsweise durch den Einsatz von präventiven Tests in Altenheimen und bei der Allgemeinbevölkerung, hat die Landesregierung entschieden, sie zur Modellstadt zu erklären. Dass Tübingen jetzt zur Corona-Modellstadt wird, macht vielen Menschen Hoffnung für eine Rückkehr zur Normalität, wie Heidelberg24* berichtet. Zunächst soll der Pilotversuch bis zum 4. April 2021 laufen. *BW24, Echo24 und Heidelberg24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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