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Unwetter in Baden-Württemberg: Üble Experten-Prognose für den Sommer

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Von: Christina Rosenberger

Baden-Württemberg ist gebeutelt von heftigen Unwettern - statt Hitzerekorden und Dürre gab es in den letzten Tagen Sturmböen und Überschwemmungen. Das hat auch einen Grund.

Es ist zu heiß in Baden-Württemberg. Was erstmal absurd klingt, ist laut Meteorologen bittere Wahrheit, denn obwohl momentan hauptsächlich Unwetter mit Starkregen, Hagel und Gewitter über den Südwesten* ziehen und Überschwemmungen, abgedeckte Dächer und umgeknickte Baumstämme mit sich bringen, war der Juni 3,7 Grad zu warm. Zu diesem Schluss kommt wetter.com-Meteorologe Georg Haas. Doch was hat das zu bedeuten?

Laut Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) nichts Gutes. Er hat am Mittwochabend (30. Juni) in Stuttgart gesagt, die Baden-Württemberger müssten sich darauf einstellen, dass künftig häufiger Unwetter große Schäden anrichten. Das berichtet echo24.de*. Anlass für diese Aussage war, dass Strobl sich nach den Gewittern der vergangenen Tage* im Schlossgarten ein Bild von der Lage machte. Unter anderem hatten heftige Böen Teile des Dachs auf dem Stuttgarter Opernhaus abgedeckt.

Extrem-Wetter in Baden-Württemberg: Ist der Klimawandel Schuld an Unwettern?

Strobl sagte, dass beim Herunterfallen des Dachs niemand verletzt worden ist, sei „verdammtes Glück“ gewesen. „Es sieht aus wie zusammengeknülltes Papier.“ Dennoch ist der Baden-Württembergische Innenminister beunruhigt. Die schlimmen Unwetter in den letzten Wochen hätten „etwas mit dem Klimawandel zu tun“. Auch bw24.de* berichtet über geballte Gewitter, die Folge des Klimawandels* seien - laut eines Wetter-Experten.

Denn die Erde hat sich bereits jetzt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um rund 1,2 Grad erhitzt - und das hat zwar einen Hitze-Sommer mit extremen Dürreperioden* zur Folge, aber es wird wohl auch immer mehr schlimme Unwetter geben. Wetter.com-Meteorologe Paul Heger erklärt, für solche Unwetter brauche es mehrere Zutaten: Hitze, eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine langsamere Verlagerung - heißt, die Unwetterzellen ziehen nur gemächlich weiter und können an einem Punkt größeren Schaden anrichten. Dass sich diese Szenarien häufen, hat laut Heger sehr viel mit dem Klimawandel zu tun.

Unwetter in Baden-Württemberg: Feuerwehr mit 550 Einsätzen in 24 Stunden

Auch der Meteorologe Uwe Schickedanz sieht die Unwetter als eine Folge des Klimawandels. Gegenüber dem „Südkurier“ sagte der Leiter des Deutschen Wetterdienstes, Gewitterlagen wie die der vergangenen Tage seien in der Intensität zwar immer noch ein relativ seltenes Ereignis, „aber auch ich habe den Eindruck, dass sie in dieser Heftigkeit häufiger geworden sind.“

Gewitter
Die schweren Unwetter der letzten Tage sind eine Folge des Klimawandels. Davon gehen mehrere Meteorologen aus. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa

In nur etwa 24 Stunden - von Montag- bis Dienstabend - war die Feuerwehr Stuttgart bei über 550 Einsätzen durchgehend im Einsatz. Keller, U-Bahn-Stationen und Unterführungen waren vollgelaufen und wurden leergepumpt, beziehungsweise mit Sandsäcken gesichert. Viele Landwirte in den Kreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb müssen laut Landesbauernverband bis zu 100 Prozent ihrer Mais-, Getreide- und Kartoffelernte abschreiben.

Extrem-Wetter in Baden-Württemberg: Das sind die Folgen der Mega-Unwetter

Auch die Schifffahrt auf dem Neckar steht noch immer still, weil der Wasserstand in den letzten Tagen so massiv gestiegen ist - und die Stuttgarter Staatsoper kann frühestens am Samstag ihren Bühnenbetrieb wieder aufnehmen. Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) rief die Kommunen auf, die extremen Wetterlagen im Blick zu haben und sich vorzubereiten.

Besonders gegen Hochwasser müsse man sich laut Walker wappnen. Die jüngsten Unwetter „erinnern uns daran, dass wir uns darauf vorbereiten müssen, dass es künftig verstärkt zu Starkregen- und Hochwasserereignissen kommen kann. Auch am eigenen Wohnort“, mahnte sie. Und auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Württemberg appelliert an die Bevölkerung, überflutete Straßen nicht zu unterschätzen.

Die DLRG

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. ist eine gemeinnützige und selbstständige Wasserrettungs- und Nothilfeorganisation. Sie arbeitet ehrenamtlich mit freiwilligen Helfern. Mit über 560.000 Mitgliedern in rund 2.000 örtlichen Gliederungen ist sie die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt.

Heftige Unwetter in Baden-Württemberg: Landesregierung investiert in Hochwasserschutz

Viele Menschen würden „in ihren Fahrzeugen eingeschlossen und können dann nur noch per Boot gerettet werden“, sagte Eberhard Metzger, der Einsatzleiter des DLRG-Landesverbandes. Besonders gefährlich seien Unterführungen und Tunnel, weil sich das Wasser hier bei Starkregen „wie in einer Badewanne“ sammle.

Um den sich häufenden Unwetterlagen im Südwesten etwas entgegenzusetzen, werden übrigens bereits Dämme gebaut, Gewässer umgeleitet und Risikoanalysen durchgeführt. Das Land Baden-Württemberg stellt für den Hochwasserschutz im Jahr 2021 83,5 Millionen Euro bereit. *echo24.de und bw24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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