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In Baden-Württemberg heimisch: Dieses skurrile Insekt lebte schon mit den Dinos

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Von: Julia Cuprakowa

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Schwarzhalsige Kamelhalsfliege ist ein skurriles und lebendes Fossil. Diese in Baden-Württemberg heimische Insektenart wurde „Insekt des Jahres 2022“.

Sie hat einen auffallend langen Hals, glasklare Flügel und ist im Übrigen zum Insekt des Jahres 2022 gekürt worden – die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege (Venustoraphidia nigricollis). Das Insekt des Jahres wird seit 1999 jährlich bekannt gegeben. Mit der Aktion soll Aufmerksamkeit auf Nutzen und Gefährdung der Arten gelenkt werden. In Jahr 2021 war die dänische Eintagsfliege (Ephemera danica) das Insekt des Jahres, wie echo24.de* berichtet.

Soweit so gut – doch was ist so besonders an der Schwarzhalsigen Kamelhalsfliege? Nun zum einen gab es diese Insektenart schon in der Kreidezeit, somit lebten die Kamelhalsfliegen sozusagen mit den Dinosauriern zusammen. Zum anderen sind dieses lebende Fossil – mit etwas Glück – im baden-württembergischen Bretten und Umgebung zu finden. Neben Schwarzhalsigen Kamelhalsfliege sind die Maikäfer im Südwesten weit verbreitet. Sie haben sich sogar zu einer regelrechten Plage* entwickelt.

Baden-Württemberg: Schwarzhalsige Kamelhalsfliege – Dieses skurrile Insekt lebte schon mit Dinosauriern

„Lange Zeit galt diese Art als eine der seltensten Kamelhalsfliegen – bis man erkannte, dass sich die erwachsenen Tiere mit dem charakteristischen schwarzen Halsschild überwiegend in der Kronenschicht von Bäumen aufhalten“, erklärte Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg.

Ohnehin gelten die sechs bis 15 Millimeter großen Kamelhalsfliegen (Raphidioptera) als artenärmste Ordnung der Insekten. Interessanterweise gehören die Insekten nicht zu den Fliegen – auch wenn der Name es vermuten lässt – sondern bilden eine eigene Insektengruppe. Denn: Obwohl sie gut entwickelte Flügel besitzen, können sie schlecht fliegen. Nur unbeholfen legen sie flatternd kurze Strecken zurück, wie auch kraichgau.news berichtet.

Demnach seien weltweit nur etwa 250 Kamelhalsfliegen-Arten bekannt, erklärt Schmitt. „In Mitteleuropa sind es bislang 16 beschriebene Arten – eine davon ist unser Insekt des Jahres.“ Ganz anders war es demnach noch zur Zeit der Dinosaurier: Aus fossilen Funden lasse sich ableiten, dass die Insekten damals in deutlich größerer Vielfalt vorkamen.

Kamelhalsfliege: Lebende Fossile fühlen sich in Österreich besonders wohl

Ein besonderes Beispiel für das Vorkommen von Kamelhalsfliegen liegt den Angaben zufolge im Zentrum von Wien: Umgeben von brausendem Verkehr haben sich auf dem Maria-Theresien-Platz in der österreichischen Hauptstadt in den dort stehenden Kiefern zwei Kamelhalsfliegen-Arten angesiedelt. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) scheinen sich die Insekten wohl vor allem in Österreich sehr wohl zu fühlen.

Aus ihrer Perspektive hat sie einen erhöhten Blick in die Welt: die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege.
Aus ihrer Perspektive hat sie einen erhöhten Blick in die Welt: die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege. © Harald Bruckner

Denn: Weltweit einzigartig sei das jährliche Massenauftreten der schlanken Insekten rund um einen mehrere Jahrhunderte alten Bauernhof in Oberösterreich, berichtete der Wissenschaftler weiter. Auf 800 Metern Höhe habe sich hier eine aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Art niedergelassen, deren geschlechtsreife Tiere jedes Jahr während der Paarungszeit von Mai bis Juli in großer Anzahl zu beobachten seien.

Nun sehen die Schwarzhalsige Kamelhalsfliegen nicht sonderlich hübsch aus. Stellen die etwa eine Bedrohung für Menschen oder Tiere dar? Die Antwort: Nein! Ganz im Gegensatz zu anderen eingeschleppten Arten*. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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