Fahrbericht

Mercedes EQC: Tolles Fahrgefühl im E-SUV - mit einem Haken

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In Europa soll der Mercedes EQC groß durchstarten.

Das E-SUV EQC von Mercedes ist nun seit ein paar Monaten erhältlich - allerdings verlief der Marktstart nicht ohne Tücken. Wir haben uns selbst ein Bild gemacht.

  • Der Mercedes EQC hat einen wackligen Marktstart hinter sich.
  • Das E-SUV bietet viel - hat aber auch einen Nachteil.
  • Wir sind den EQC bereits gefahren.

Mercedes EQC: Wann ist der Marktstart?

Er kam spät. Damit bei der Premiere alles reibungslos verläuft und er richtig durchstarten kann. Doch aller Anfang ist schwer. Auch für einen vermeintlichen Stern am Elektro-Himmel. Wenige Wochen nach dem Marktstart läuft der Verkauf des ersten E-SUVs von Mercedes noch nicht auf Hochtouren. Im Gegenteil. Mercedes* betont zwar auf Anfrage, es gebe eine "erfreulich hohe Nachfrage nach dem EQC". Das Unternehmen könne diese jedoch "aktuell nicht bedienen". Der Grund: Im Herbst 2019 seien Mängel am Bolzen des Vorderachs-Differentialgetriebes entdeckt worden, daher sei ein Rückruf veranlasst worden. Zudem sei der EQC zuerst "nur an ausgewählte Kunden übergeben worden".

Den EQC ziert ein durchgängiges Leuchtband vorne und hinten.

Inzwischen wurden zwar die ersten Kinderkrankheiten behoben. Doch um sicher zu gehen, wurde die geplante Markteinführung in den USA um ein Jahr auf 2021 verschoben. Eine Entscheidung, "die nicht auf die neuen CO2-Grenzwerte zurückzuführen ist", hieß es.

Dennoch hält Mercedes an seiner Produktionsplanung für 2020 im Werk Bremen unverändert fest. "Wir planen nach wie vor mit rund 50.000 Einheiten EQC für dieses Jahr und haben dafür bei verschiedenen Lieferanten entsprechend Zellen eingekauft", teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Das kostet der Mercedes EQC

Ein ganz wichtiger Markt ist zunächst Europa. Daher legt sich Mercedes auch in seiner deutschen Heimat mächtig ins Zeug. Der EQC wird breitflächig auf vielen Kanälen beworben. Gut möglich, dass der wunderschöne Stromer bald tatsächlich besser in Fahrt kommt. Schließlich hat Mercedes auch beim Preis mit spitzer Feder gerechnet.

Zwar kostet der EQC immer noch Minimum stolze 71.281 Euro. Doch damit lautet der Netto-Listenpreis 59.900 Euro, und das ist knapp unter der Fördergrenze von 60.000 Euro. Mit einigen Extras aus der reichhaltigen Sonderausstattungsliste geht es freilich schnell über die 80.000er-Marke. Das Sonder-Modell mit dem Namen "1886" und umfangreicher Ausstattung beginnt bei 84.930 Euro.

Reichweite des EQC lässt im Praxistest zu wünschen übrig

Noch etwas Luft nach oben hat der EQC in puncto Reichweite. Die 80 kWh Akkukapazität soll nach NEFZ-Norm für 445 bis 471 Kilometer reichen, sagt Mercedes. Nach WLTP-Norm immerhin noch für 390 Kilometer. In der Praxis kamen wir im Test nicht annähernd an diese Distanz heran.

Unsere Batterieladung ging nach 240 Kilometern zur Neige– nach einem ausgewogenen Testbetrieb mit Stadt und Autobahn. Sicher, die kühlen Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und eine dadurch wärmer eingestellte Heizung im Innenraum kosten eine Menge Strom. Im Sommer dürfte es somit deutlich weiter gehen. Und 240 Kilometer reichen für den Alltag allemal locker aus. Dennoch hatten wir mit einer größeren Reichweite gerechnet. Auch im Winter. Unser Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer lag bei stolzen 33 kWh.

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E-SUV: So fährt sich der Mercedes EQC

Ansonsten kann der Luxus-Allrader ausnahmslos erstklassige Noten sammeln. Das Fahrgefühl ist herausragend. Gewohnt komfortabel und gediegen. Dazu erstaunlich handlich dank seiner direkten Lenkung. Auch in Kurven bleibt der 2,5-Tonner stabil, wenngleich das Gewicht freilich etwas nach außen schiebt, was auch an dem 650 Kilogramm schwere Akku liegt, der den Schwerpunkt des Fahrzeugs tief nach unten drückt.

Bemerkenswert ist vor allem die Ruhe während des Fahrens. Der EQC* ist noch einmal ein Stückchen leiser als mancher E-Konkurrent. Mercedes hat die Geräuschreduzierung weiter ausgebaut, so finden sich in mehreren Hohl- und Zwischenräumen zusätzliche Dämmmaterialien, dazu Verstärkungen an Blechen und Konstruktionsteilen, die Vibrationen auf ein Minimum reduzieren. Schaltet man das Radio aus, ist lediglich das leise Abrollen der Reifen zu hören.

Der Kofferraum des EQC hat ein Volumen zwischen 500 und 1.460 Liter.

Die Stille wird auch dann nicht durchbrochen, wenn man aufs Gaspedal tritt und das Schwergewicht vehement nach vorne schießt. In 5,1 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100. Ein kleiner Rausch. Die Systemleistung von 408 PS stellt ein Drehmoment von maximal 760 Nm bereit. Bei 180 km/h wird der Vortrieb automatisch abgeriegelt. Sehr angenehm ist auch der Ein- und Ausstieg durch die höher gelegte Karosserie. Natürlich gibt es bei einem Radstand von 2,87 Metern auch reichlich Platz für die Insassen auf allen fünf Plätzen.

Mercedes EQC: Das leistet die Batterie

Stromsparen helfen soll auf längeren Strecken auch eine intelligente Routennavigation, wie sie von Tesla und dem Netz von Superchargern bekannt ist. Heißt hier: Der Mercedes berechnet die Route mit Zwischenstopps an DC-Schnelladesäulen, wo mit 110 kW geladen werden kann. Dort ist die Lithium-Ionen-Batterie in etwa 40 Minuten von zehn auf 80 Prozent aufgeladen. An einer Wechselstrom-Ladesäule (AC) oder an einer Wallbox für zu Hause lässt sich der EQC mit bis zu 7,4 kW aufladen. Dann dauert es bereits rund elf Stunden, bis der komplett entleerte Akku wieder in voller Pracht erstrahlt. An einer üblichen Haushaltssteckdose nimmt er lediglich 2,3 kW auf. Dann dauert es knapp 40 Stunden bis zur Vollladung. Serienmäßig hat der Mercedes-Stromer einen 7,4 kW AC-Bordlader und einen 110 kW DC-Bordlader mit an Bord.

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Die Features des Mercedes EQC

Äußerlich ist der E-SUV gut als Stromer zu erkennen. Sein Schriftzug EQC strahlt blau, es gibt blaue Akzente im Scheinwerfer und an den Felgenrändern der Reifen. Schick sieht auch das durchgängige Leuchtband vorne und hinten aus. Innen blickt der Fahrer auf zwei in Blau gehaltene flache und breite Bildschirme, die als miteinander verwobene Einheit erscheinen: Hinter dem Lenkrad mit individuell konfigurierbarer klassischen Anzeige für Geschwindigkeit und Reichweite, rechts über der Mittelkonsole mit dem Infotainment, Navigation und was es sonst noch an moderneren Features gibt. Die technische Plattform erhält der EQC von seinem Bruder GLC. Beide Modelle laufen in Bremen parallel vom Band. Erstaunlicherweise ist die Karosserie des EQC zehn Zentimeter länger.

Die technische Plattform erhält der EQC vom GLC.

Datenblatt Mercedes EQC 400 4Matic

Motor und Getriebe:

2 Asynchron-Elektromotoren, Leistung 408 PS, maximales Drehmoment 760 Nm, Allradantrieb

Fahrleistungen:

0-100 km/h in 5,1 Sek., Spitze 180 km/h (abgeregelt)

Stromverbrauch:

19,7 kwh/100 km (kombiniert) bei Aufladung mit 4,6 kW-Bordlader

33,3 kwh/100 km (Test)

471 km Reichweite (NEFZ)

240 km Reichweite (Test)

Batterietyp:

Lithium Ionen

Batterie-Kapazität:

80,0 kWh

Batteriegewicht:

652 kg

Ladeleistung:

110 kw (DC), 7,4 kw (AC)

CO2-Emission:

0 g/km

Maße und Gewichte:

Länge/Breite/Höhe 4762/1884/1624 mm, Leergewicht 2495 kg, Kofferraumvolumen 500 bis 1460 Liter.

Zul. Anhängelast:

1800 kg

Preis:

ab 71.281 Euro

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joi

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