Die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehren?

Es ist ein Dilemma: Einerseits gehören Feuerwehrleute einer der Berufsgruppen in Deutschland, der von Seiten der Bevölkerung am meisten Vertrauen entgegengebracht wird.

Auf der anderen Seite haben insbesondere die ehrenamtlichen Feuerwehrmänner und -frauen mit Vorurteilen und Nachwuchssorgen zu kämpfen. Keine leichte Situation also für die freiwilligen Mitglieder des Brandschutzes, die beispielsweise den Mannheimer Stadtfeuerwehrverband mit insgesamt acht Abteilungen verstärkt. 

Struktur- und demografischer Wandel, die Notwendigkeit Job und Feuerwehr unter einen Hut zu bringen und technische Neuerungen stellen stetige Herausforderungen beim Freiwilligendienst an der Gemeinschaft dar – als wären Brandbekämpfung und Katastrophenschutz für sich genommen nicht schon Herausforderung genug.

Mit Vorurteilen zu kämpfen

Trotz des Vertrauensvorschusses werden Beruf, Engagement, Leistungsbereitschaft und Fachkenntnis der freiwilligen Feuerwehrleute oftmals unterschätzt. Schlimmer noch sehen sich die Feuerwehren allzu häufig mit gängigen Vorurteilen konfrontiert. Bei Brandfällen mit unglücklichem Ausgang sind die Brandbekämpfer gerne die Sündenböcke, weil die Einsatzfahrzeuge mutmaßlich wiederholt zu spät am Einsatzort eingetroffen sind. Umgekehrt sorgen Rettungsfahrzeuge im Einsatz, mit Martinshorn und Blaulicht, für Unmut, weil sie von manchem Verkehrsteilnehmer als rücksichtslos empfunden werden oder die Verwendung der Warnsignale als Willkür für schnelleres Vorankommen in dichtem Verkehr angenommen wird. 

Als Rücksichtslosigkeit erscheinen manchem auch die, bisweilen brachialen, aber immer notwendigen Maßnahmen, mit denen sich Feuerwehrleute Zutritt zu gefährdeten Räumen, Wohnungen und Stockwerken zu verschaffen. Ist die Brandgefahr erst einmal gebannt, ist der Vorwurf der unnötigen Sachbeschädigung schnell bei der Hand.

Überhaupt ist der Stand der Freiwilligen Feuerwehr weithin als Truppe von Freizeittrinkern, die an Feuerwehrabenden mal so richtig einen über den Durst trinken, statt sich ernst- und gewissenhaft auf den nächsten Einsatz vorzubereiten.

Mehr denn je gebraucht

So macht die weit verbreitete Skepsis gegenüber einem ausgeprägten Vereinsleben und einer geringen Frauenquote von unter zehn Prozent der Gilde traditionell zu schaffen. Hinzu kommen Personalengpässe, weil häufig der Nachwuchs fehlt – so wird die Hilfe im Notfall zwar gerne in Anspruch genommen, die eigene Freizeit für die Sache zu opfern, dafür fehlt wiederum bei vielen Menschen die Bereitschaft.

Dabei wäre angesichts der Zahlen jede Hilfe willkommen:

  • 200.000 Brände,
  • 400 Brandtote, darunter ca. 170 Kinder,
  • 5.000 Brandverletzte und
  • Brandschäden in Höhe von 6 Milliarden Euro

werden jährlich in Deutschland registriert. Solche Zahlen machen die Nachwuchsfrage und die Personalproblematik in den Feuerwehren noch eklatanter. Gleichzeitig muss aber auch an anderer Stelle für Entlastung der Feuerwehrmänner und –frauen gesorgt werden. Brandschutz fängt im Prinzip schon in den eigenen vier Wänden an: Rauch- und Wärmemeldesysteme können nachweislich Leben retten, bevor die Vertreter der Brandbekämpfung überhaupt vor Ort sein können. Was einer der Gründe dafür ist, dass solche Systeme für Neubauten und Bestandsgebäude inzwischen als Verpflichtung in den Landesbauordnungen der meisten Bundesländer Aufnahme gefunden haben. An der Notwendigkeit einer effizienten Brandbekämpfung ändern freilich auch die besten vorbeugenden Maßnahmen nichts.

Im Interessenkonflikt

Diese Notwendigkeit kann aber trotzdem nicht über den schwierigen Spagat zwischen Beruf und ehrenamtlicher Tätigkeit hinweghelfen. Dabei spricht es auch nicht gerade für letztere, dass neben dem unentgeltlichen Einsatz sogar noch finanzielle Eigenleistungen für Vereinsbeiträge, Schutzkleidung, Ausbildungen und entstandene Verdienstausfälle fällig werden können. Daneben besteht ohnehin ein gewisses Konfliktpotenzial zwischen der rechtlichen Verpflichtung, die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bezüglich der Teilnahme an Einsätzen, Ausbildungs- und Übungsveranstaltungen und gegenüber ihrem Arbeitgeber haben. 

Zwar gibt es die gesetzliche Regelung, dass ein Arbeitnehmer von der Arbeit entbunden werden darf, da Verpflichtungen hinsichtlich Gesetzen und Verordnungen über den Brand-und Katastrophenschutz als höhergewichtig einzustufen sind als die, welche sich aus einem regulären Arbeitsvertrag ergeben – jedoch: nur unter der Voraussetzung, dass dem Arbeitgeber durch den Ausfall kein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entsteht.

Der Feuerwehrmann genießt grundsätzlich Anspruch auf Lohnfortzahlung während der Abwesenheit sowie auf Schutz seines Arbeitsverhältnisses. Der Arbeitgeber wiederum kann beantragen, dass die betreffende Gemeinde verpflichtet wird, die Lohnfortzahlungskosten zu übernehmen. Dabei ist es jedoch Auslegungssache und einzelfallabhängig, ab wann ein Ausfall einen erheblich wirtschaftlichen Schaden darstellt und ab wann höherrangige Pflichten durch Fernbleiben verletzt werden

Zum Feuerwehrdienst zwangsverpflichtet?

Die Aufklärungs- und Rekrutierungsarbeit der Freiwilligen Feuerwehren hat dabei einen immer größeren Stellenwert, da ohne die ehrenamtliche Hilfe vielerorts die Schutzziele der Städte gar nicht eingehalten werden können – auch in diesem Bereich wird wirtschaftlich gedacht und Personaleinsparungen bei den Berufsfeuerwehren sind keine Seltenheit.

Eine vollbesetzte Feuerwache – längst kein selbstverständliches Bild mehr in deutschen Städten und Gemeinden.

Als Alternative wird daher vermehrt über die Einführung einer Bürgerpflicht zum Feuerwehrdienst nachgedacht, um die Rückgänge im Ehrenamt zu kompensieren. Auf Sylt wurde dies bereits 2005 praktiziert, Männer und Frauen zwischen dem 18. und dem vollendeten 50. Lebensjahr erhielten dort förmliche Einberufungsbescheide zum sechsjährigen Feuerwehrdienstich zugestellt. Grundlage hierfür war der Paragraph 16, Absatz 1 des Brandschutzgesetzes, der die Zwangsverpflichtung zum Dienst bei der Feuerwehr vorsieht und angesichts der Notlage reaktiviert wurde.

Ebenfalls im hohen Norden versuchte es Friedrichstadt im Kreis Nordfriesland mit der Einführung einer Pflichtfeuerwehr, deren Gründung 2016 für einige Aufregungen sorgte: 50 Bürger wurden nach der Auflösung der freiwilligen Feuerwehr zum Feuerwehrdienst zwangsverpflichtet, nachdem eine Austrittswelle aufgrund interner Konflikte vorausgegangen war und der Kreis der Freiwilligen Feuerwehr wegen Personalmangels die Anerkennung entzogen hatte.

Wandel in der Struktur der deutschen Feuerwehren

Trotz aller (Zwangs-)Rekrutierungsbemühungen und personalsparende bzw. -schonende Technik in der Brandschutztechnik gehen viele Experten von einer notwendig gewordenen, weitgehenden Privatisierung der Feuerwehren nach dänischem Vorbild aus. Dort werden Brandschutz und die Allgemeine Hilfe öffentlich ausgeschrieben und dann von einer Fachfirma übernommen. Dabei arbeiten die privaten Unternehmen von Stützpunkten mit einem fest definierten Einsatzradius von bis zu 30 Kilometern aus, und werden in extremen Katastrophenfällen noch zusätzlich von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten unterstützt. 

Ob das Modell der Privatfeuerwehr auch in Deutschland Fuß fassen wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Das Fachmagazin feuerwehrleben.de geht allerdings davon aus, dass Veränderungen der Brandschutzwelt in den kommenden Jahren unumgänglich werden. Auch in diesem Fall geht es um die üblichen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen – Schulden, eine alternde Bevölkerung etc. –, die ein Umdenken zwingend erforderlich machen.

Rubriklistenbild: © Michael Stifter (#87557442) fotolia

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