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Fernsehturm auf dem Alexanderplatz in Berlin. Die Berliner wählen am 18. September das Abgeordnetenhaus neu. Foto: Maurizio Gambarini

Vor der Wahl in der Hauptstadt

Zeichen stehen auf Rot-Grün-Rot in Berlin

Rund 2,5 Millionen Berliner dürfen am Sonntag wählen. Die rot-schwarze Koalition muss wohl einpacken, die AfD könnte in ihr zehntes Landesparlament einziehen. Hochschulen und Verkehrsbetriebe riefen zum Gang an die Urne auf.

Berlin (dpa) - Berlin könnte nach der Wahl an diesem Sonntag von der bundesweit ersten rot-grün-roten Koalition unter SPD-Führung regiert werden. Kurz vor dem Urnengang deuten alle Umfragen auf einen Koalitionswechsel hin.

Regierungschef Michael Müller (SPD), der bisher ein rot-schwarzes Bündnis führt, hat gute Chancen, Chef im Roten Rathaus zu bleiben. Zugleich könnte die AfD mit einem zweistelligen Ergebnis ins Abgeordnetenhaus einziehen. Die bundesweit erste Piratenfraktion wird dafür wohl rausfliegen.

Zum Wahlkampfabschluss warnten die großen Parteien in den vergangenen Tagen noch einmal vor Stimmen für die rechtspopulistische AfD. "Ich mache mir große Sorgen, dass da ein Ungeheuer wieder aufwacht in Deutschland und das ist das Ungeheuer des Nationalismus", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei der SPD-Kundgebung. "Wir brauchen keine AfD im Abgeordnetenhaus."

Auch die Berliner Hochschulen warnten in einem deutlichen Appell: "Fremden- und flüchtlingsfeindliche Strömungen und Gruppierungen bedrohen nicht nur den Zusammenhalt demokratischer Gesellschaften, sondern auch die Grundpfeiler der Demokratie". Selbst die Berliner Verkehrsbetriebe riefen zum Gang an die Urne auf und posteten auf Twitter: "Wählen gehen ist wie mit BVG fahren: nur wer es macht, darf sich anschließend auch beschweren." 

Normalerweise wird in der Hauptstadt eher linksorientiert gewählt, in kaum einem anderen Bundesland sind Linke und Grüne neben der SPD so stark. Neue AfD-Wählerrekorde wie zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern mit mehr als 20 Prozent werden nicht erwartet. Doch die Rechtspopulisten könnten bei den zeitgleichen Wahlen der Bezirksparlamente Stadtratsposten erringen. Damit übernähme die AfD erstmals in Deutschland in größerem Umfang politische Verantwortung.

Klar ist schon, dass bei dieser Wahl so viele Menschen einen Antrag auf Briefwahl stellten wie noch nie zuvor - 21,1 Prozent aller Wahlberechtigten. Landeswahlleiterin Petra Michaelis-Merzbach sieht darin ein Anzeichen für eine hohe Wahlbeteiligung. "Ich glaube, die Berliner wissen auch, dass es morgen um viel geht", sagte sie dem RBB-Inforadio.

Den Umfragen zufolge bleibt die SPD mit kräftigen Verlusten stärkste Kraft und könnte 21 bis 24 Prozent erreichen. Um Platz zwei kämpfen CDU und Grüne, die auf 15 bis 19 Prozent kommen. Die Linke dürfte nach dem Debakel von 2011 wieder etwas zulegen - die Umfragen sehen sie aber mit 14 bis 15 Prozent auch fast gleichauf mit der AfD (13 bis 15 Prozent). Die FDP, die 2011 den Wiedereinzug ins Parlament verpasst hatte, kann mit einer Rückkehr rechnen.

Es ist Müllers erste Wahl als SPD-Spitzenkandidat, nachdem er 2014 Klaus Wowereit als Regierungschef abgelöst hatte. Seit Wochen arbeitet der bundesweit kaum bekannte Müller auf eine Koalition von SPD, Grünen und Linken hin. Eigentlich wäre ihm eine rot-grüne Landesregierung lieber, das sagte der 51-Jährige offen. Doch rechnerisch wird es wohl nicht für ein Zweierbündnis reichen. Auch die Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition wird kaum möglich sein.

Landeswahlleiterin

dpa-Twitterliste zur Berliner Abgeordnetenhauswahl

Ergebnisse bisheriger Berliner Abgeordnetenhauswahlen

Wahlprogramm SPD

Wahlprogramm Grüne

Wahlprogramm Linke

Wahlprogramm FDP

Wahlprogramm AfD

Aufruf BVG

Aufruf der Hochschulen

Wahlprogramm CDU (als Film via youtube)

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