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Mit den Kinderfotos der deutschen Nationalspieler brachte Kinder Schokolade eine Sonderedition raus - die bei Pegida-Anhängern nicht gut ankam.

EM-Sonderedition von Kinder Schokolade

Auf Twitter und Co.: Netz reagiert genial auf die Pegida-Hetze

Berlin - Eine Sonderedition der Kinder Schokolade sorgt im Netz für Wirbel. User reagieren mit einem Twitter-Protest auf die abschätzigen Äußerungen mutmaßlicher Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung.

Helle Haut, blaue Augen und strahlend weiße Zähne: Seit Jahrzehnten wirbt Kinder Schokolade mit einem lächelnden Jungen auf der Packung. Für viele dürften die süßen Riegel mit dem Milchbubi auf der Verpackung zu den Erinnerungen zählen, die untrennbar mit der eigenen Kindheit verbunden sind. Die Kinder Schokolade - eine gefühlt typisch deutsche Süßigkeit.

Kurz vor der Fußball-Europameisterschaft sorgt nun eine Sonderedition des Herstellers Ferrero für Wirbel in den sozialen Netzwerken. Auslöser sind Jugendfotos deutscher Nationalspieler auf der Kinder Schokolade. Während die Grinse-Porträts von Mario Götze und Lukas Podolski durchaus in das klassische Schema passen, lassen die Aufnahmen von anderen Mitspielern stutzen. Da fällt der dunkelhäutige Jérôme Boateng mit ernstem Jungen-Blick ebenso aus dem Rahmen wie der kleine Ilkay Gündogan, Sohn türkischer Eltern aus Gelsenkirchen.

Gehässige Bemerkungen mutmaßlicher Pegida-Anhänger bei Facebook haben eine Welle ins Rollen gebracht. „Vor Nichts wird Halt gemacht“, beschwert sich eine Gruppe „Pegida BW - Bodensee“ dort. Ein Sympathisant bedauert in der Kommentarspalte das „arme Deutschland“ und ruft zum Boykott des Produkts auf. Die Facebook-Seite war allerdings am Mittwochnachmittag nicht mehr verfügbar.

DFB-Präsident: Kommentare sind geschmacklos

DFB-Präsident Reinhard Grindel nennt die empörten Kommentare „geschmacklos“, zumal die Fußball-Nationalmannschaft eines der besten Beispiele für gelungene Integration sei. „Millionen von Menschen in Deutschland sind stolz auf diese Mannschaft, weil sie so ist, wie sie ist“, sagt der Chef des Deutschen Fußball-Bundes im Trainingslager der Nationalmannschaft in Ascona. „Bei uns kommt es auf Leistung an und nicht auf die Herkunft eines Spielers oder an welche Religion er glaubt.“

Die rechten Pöbeleien im Netz bleiben insgesamt überschaubar. Zwei Jahre nach dem Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft - errungen mit zahlreichen Nachfahren von Migranten in den eigenen Reihen - lässt sich mit rassistischen Kommentaren offensichtlich kaum noch Stimmung machen.

Dafür sind die Gegenreaktionen im Netz umso kreativer. So kontert die Fußball-Zeitschrift „Elf Freunde“ bei Twitter mit einer „Sonderedition für Rassisten“. Die Montage zeigt einen lachenden Nationalspieler Stefan Effenberg mit gestrecktem Mittelfinger auf der Kinder Schokolade. Deutlich friedvoller kommt Papst Franziskus daher, der mit segnender Armbewegung auf einer Packung „Kirchenschokolade“ zu sehen ist. „Auch wir machen vor nichts Halt“, schreibt das Internetportal der katholischen Kirche unter seiner Fotomontage.

Die Pegida-Führung will mit dieser Art von Hetze gegen Migranten nichts zu tun haben. Die Äußerungen über die Kinder Schokolade-Sonderedition seien „derart unsinnig und mit Verlaub dumm“, zitiert „web.de“ Pegida-Chef Lutz Bachmann. Die Gruppe „Pegida BW-Bodensee“ sei seit Juni 2015 kein offizieller Ableger von Pegida, sondern nutze widerrechtlich den Namen.

Gruppe vom Bodensee schon länger im Visier der Polizei

Die Polizei in Konstanz hat die Gruppe vom Bodensee seit längerem im Blick. „Hin und wieder schlägt was bei Facebook auf“, sagt ein Polizeisprecher. „Aber wer dahinter steckt und wo die verortet sind, ist eigentlich nicht bekannt.“ Es sei gut möglich, dass die Gruppe nicht vom Bodensee, sondern von irgendwo anders gesteuert werde.

Auch die Vorsitzende der rechtspopulistischen AfD, Frauke Petry, bekommt im Netz auf einer Tafel „Panzerschokolade“ ihr Fett weg. Dabei geht die Spitze der AfD seit neuestem auf Distanz zu Pegida. Laut Vorstandsbeschluss von vergangener Woche dürfen AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen bei Pegida-Veranstaltungen auftreten.

Noch vor zehn Jahren hielt es die NPD für eine gute Idee, mit rassistischen Sprüchen gegen Migranten in der Nationalelf zu hetzen. Zur Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land 2006 hatte die rechtsextreme Partei einen Spielplan mit ausländerfeindlichen Sprüchen verteilt. Der DFB ließ den WM-Planer damals - auch im Namen des dunkelhäutigen Nationalspielers Patrick Owomoyela - per Gerichtsbeschluss verbieten.

dpa

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