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An Franz Josef Strauß schieden sich die Geister.

CSU-Übervater starb vor 27 Jahren

Verehrt und gehasst: Franz Josef Strauß wäre 100 geworden

München - Die einen verehrten ihn, andere hassten ihn. Der CSU-Übervater Franz Josef Strauß wäre am 6. September 100 Jahre alt geworden. Der Hobby-Pilot gilt als Architekt des modernen Bayern.

Beim Politischen Aschermittwoch in Passau trinken CSU-Anhänger noch heute ihr Bier aus Maßkrügen mit dem Konterfei von Franz Josef Strauß. Und im Büro von Ministerpräsident Horst Seehofer steht eine Büste des 1988 gestorbenen CSU-Patriarchen. „FJS“ blicke ihm bei der Arbeit immer über die Schulter, erzählt Seehofer gerne.

Der Mythos Strauß lebt auch 27 Jahre nach dem Tod des politischen Schwergewichts. Am Sonntag (6. September) wäre Strauß 100 Jahre alt geworden. Mit drei Feiern erinnert die CSU an ihren Übervater, die erste davon an diesem Freitag. Dann werden Loblieder auf den Metzgerssohn angestimmt werden, der im Nachkriegsdeutschland zu einem heldenhaft verehrten, aber auch gehassten Spitzenpolitiker aufstieg und mehrere Affären überstand.

Strauß hatte es im Zweiten Weltkrieg zum Oberleutnant gebracht, war aber nicht Mitglied der NSDAP. Als politisch unbelastet wurde er nach Kriegsende 1945 von der US-Militärregierung zum „Assistent Landrat“ im bayerischen Schongau ernannt. 1949 wurde Strauß, damals schon CSU-Generalsekretär, in den ersten Deutschen Bundestag gewählt und fiel im Parlament rasch wegen seiner rhetorischen Begabung auf.

Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) machte ihn 1953 zum Bundesminister für Sonderaufgaben; zwei Jahre später wurde der Befürworter der Kernenergie Atomminister. 1956 wechselte er ins Verteidigungsressort und trieb den Aufbau der ein Jahr zuvor gegründeten Bundeswehr energisch voran. Strauß verantwortete die Anschaffung des technisch unausgereiften Starfighters, der als „fliegender Sarg“ traurige Berühmtheit erlangte. Zudem geriet er in Verdacht, vom Hersteller Lockheed bestochen worden zu sein. Bewiesen wurde nichts.

Über die Titelstory „Bedingt abwehrbereit“ des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ im Herbst 1962 dürfte Strauß sich sein Leben lang geärgert haben. Nach dem Bericht über geheime Pläne der Bundeswehr betrieb er die Festnahme des Autors Conrad Ahlers, nachdem die Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen Landesverrats eingeleitet hatte. Auch „Spiegel“-Chef Rudolf Augstein saß zeitweise im Gefängnis. Strauß musste zugeben, den Bundestag im Bezug auf seine Beteiligung an der Festnahme von Ahlers belogen zu haben. Er trat als Minister zurück, blieb aber CSU-Chef.

Wortführer des konservativen Flügels

In der Großen Koalition von Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) wurde er 1966 Finanzminister. Die enge Zusammenarbeit von Strauß mit Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) brachte dem Duo den Spitznamen „Plisch und Plum“ ein.

Während der 1969 gebildeten sozialliberalen Koalition von Kanzler Willy Brandt (SPD) und Außenminister Walter Scheel (FDP) bekämpfte Strauß als Oppositionspolitiker deren Ostpolitik. Er wuchs mehr und mehr in die Rolle des Wortführers des konservativen Flügels in der Union hinein. Im Bundestagswahlkampf 1976 attackierte er die SPD mit der Parole „Freiheit statt Sozialismus“ und mit Sätzen wie: „Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher.“ Kanzler blieb dennoch Helmut Schmidt (SPD).

Im Herbst 1976 stieß Strauß die Unionsschwester vor den Kopf. Völlig überraschend kündigte die CSU-Landesgruppe im seitdem legendären oberbayerischen Wildbad Kreuth die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU auf. Erst als Parteichef Helmut Kohl mit der Gründung eines eigenen CDU-Landesverbandes in Bayern drohte, gab Strauß sein Vorhaben auf.

1978 wurde Strauß - verheiratet und Vater von drei Kindern - Ministerpräsident. Er forcierte er den Wandel Bayerns vom Agrar- zum Industrieland. Immer mehr Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Rüstungsbranche siedelten sich im Freistaat an. Der begeisterte Hobbypilot setzte den Bau des neuen Münchner Flughafens durch.

Strauß pflegte einen fast monarchischen Regierungsstil und hatte überhaupt nichts dagegen, wenn Karikaturisten ihm Zepter und Krone verpassten. Im Norden der Republik kam seine robuste Art freilich weniger gut an. 1980 verlor er als Kanzlerkandidat der Union die Wahl gegen Amtsinhaber Schmidt. Er blieb Regierungschef in Bayern, mischte sich aber von München aus weiterhin fleißig in die Bundespolitik ein. Doch konnte er nicht verhindern, dass der von ihm wenig geachtete Kohl („Der ist total unfähig“) 1982 Kanzler wurde.

1983 handelte Strauß zusammen mit dem erst kürzlich gestorbenen DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski einen Milliardenkredit für die vor der Staatspleite stehende DDR aus. Innerparteilich geriet er damit massiv unter Druck.

In seinen letzten Jahren brachte Strauß die Anti-Atom-Bewegung noch einmal massiv gegen sich auf. Im oberpfälzischen Wackersdorf wollte er eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage errichten. Vor dem Bauzaun kam es wiederholt zu gewalttätigen Ausschreitungen von Demonstranten und Polizei, Strauß ließ Hubschrauber über den Köpfen der Protestierer kreisen. Sein Nachfolger Max Streibl beerdigte das Projekt.

Bei einer Hirschjagd brach Strauß am 1. Oktober 1988 nahe Regensburg bewusstlos zusammen. Nach einer Notoperation erlangte der 73-Jährige das Bewusstsein nicht wieder. Am 3. Oktober starb er.

Münchner Merkur und tz haben zum 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß eine Sonderbeilage herausgegeben. Diese können Sie hier für 1,99 Euro als E-Book herunterladen.

dpa

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