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Die Zentrale des Energiekonzerns RWE in Essen.

Handelssparte legt besonders zu

RWE überrascht mit operativem Gewinnanstieg

Essen - Ein starkes Handelsgeschäft hat beim Energiekonzern RWE zu Jahresbeginn überraschend für einen Gewinnanstieg gesorgt.

Das betriebliche Ergebnis legte verglichen mit dem Startquartal 2015 um 7,1 Prozent auf gut 1,7 Milliarden Euro zu, wie RWE am Donnerstag in Essen mitteilte. Trotz des unerwartet starken Jahresauftakts erwartet der Vorstand weiter einen kräftigen Gewinnrückgang im Gesamtjahr.

Fachleute hatten mit schlechteren Zahlen gerechnet. Nun schaffte aber die Handelssparte ein Plus von 7 Millionen auf 166 Millionen Euro. Damit konnte RWE auch den Gewinnrückgang der konventionellen Kraftwerke wettmachen. Der Verfall der Strompreise im Großhandel fraß sich dabei weiter in die Bilanz.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn schrumpfte allerdings um gut zwei Prozent auf 857 Millionen Euro. Das lag vor allem an einem schlechteren Finanzergebnis, das vor einem Jahr noch von Gewinnen aus dem Verkauf von Wertpapieren profitiert hatte. Inklusive aller Sondereffekte sackte der Überschuss sogar um fast 60 Prozent ab. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch von einem Einmalgewinn aus dem Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea profitiert.

Damit könnte RWE aber das stärkste Quartal schon hinter sich haben. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern mit sinkenden Einnahmen. Der bereinigte Überschuss soll von 1,13 Milliarden auf 500 bis 700 Millionen Euro zurückgehen. Das erste Quartal sei in der Energiebranche traditionell stark, so dass sich die Ergebnisse nicht eins zu eins aufs Gesamtjahr hochrechnen lassen. Zudem hatten einmalige Effekte aus der Bilanzierung von Tochtergesellschaften das Ergebnis in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gestützt.

Einen Rückschlag gab es bei den Schulden. Sie stiegen von Ende Dezember bis Ende März um 2,8 Milliarden auf 27,9 Milliarden Euro. Das lag zum einen an einem wegen des Rückgangs der Strompreise um 1,4 Milliarden Euro gesunkenen Mittelzufluss (Cashflow) aus dem operativen Geschäft. Zum anderen schlugen sich auch die historischen Niedrigzinsen nieder. Deshalb musste der Konzern seine Rückstellungen für Pensionszahlungen an seine Rentner unerwartet stark erhöhen.

RWE droht bereits eine deutliche Verschlechterung seiner Bonitätseinschätzung bei den Ratingagenturen. Neben den wegbrechenden Gewinnen macht dem Konzern dabei die geplante Milliardenzahlung für den Atomausstieg schwer zu schaffen. Analysten kalkulieren, dass allein RWE zusätzlich zu Rückstellungen gut 1,6 Milliarden Euro mehr überweisen müsste. RWE lehnt den Vorschlag der Kommission ab.

Zu Jahresbeginn hatte sich zudem der Verfall der Strompreise im Großhandel beschleunigt. Zuletzt ging es zwar wieder etwas nach oben. Dennoch liegen die Preise weit unter dem einstigen Niveau. Das liegt vor allem am Boom des Ökostroms. Bis sich der Verfall aber in den Bilanzen von RWE niederschlägt, dauert es etwas. Das liegt daran, dass der Konzern seine Stromproduktion Jahre im Voraus verkauft. So sind etwa derzeit mehr als 90 Prozent des Stroms für dieses Jahr zu Preisen von rund 35 Euro je Megawattstunde verkauft. Vor wenigen Jahren lagen die Preise noch doppelt so hoch.

Als Reaktion auf die Talfahrt gliedert RWE sein Zukunftsgeschäft mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb in eine neue Tochter aus, die bis Ende des Jahres an die Börse gehen soll. Im Mutterkonzern bleiben dann noch die Kohle-, Gas- und Atommeiler und der Energiehandel. Mit dem Schritt will sich RWE für Investoren wieder attraktiver machen und frisches Geld für Investitionen bekommen.

dpa

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