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Thomas de Maizière wurde mit der Aussage zitiert, derzeit würden "täglich zwischen hundert und 200 Personen von der Bundespolizei an der Grenze zurückgewiesen".

Kontroverse um Flüchtlingszahlen

Polizei widerspricht Ministerium: "Hanebüchener Quatsch"

Berlin - Die Gewerkschaft der Polizei (DPolG) hat den Angaben des Bundesinnenministeriums zur Zahl der Registrierung neu ankommender Flüchtlinge an den deutschen Grenzen nachdrücklich widersprochen.

Es sei "hanebüchener Quatsch", wenn das Ministerium behaupte, dass derzeit täglich bis zu 3500 Flüchtlinge an den Grenzen registriert würden, kritisierte Gewerkschaftschef Rainer Wendt am Montag in Berlin.

Wendt bezog sich auf Statistiken der Bundespolizei - denen zufolge momentan täglich rund 2000 Flüchtlinge ankommen -, von denen aber nur 500 bis 700 erkennungsdienstlich behandelt werden könnten. Die vom Ministerium verlautbarten Zahlen hält Wendt für "maßlos überzogen".

Chef der Bundespolizeigewerkschaft verärgert

Der Chef der Bundespolizeigewerkschaft innerhalb der DPolG, Ernst Walter, zeigte sich verärgert über die Angaben des Innenministeriums. "Wer auch immer dem Bundesinnenminister diese falschen Zahlen aufgeschrieben hat, der gehört eigentlich sofort entlassen", forderte Walter. Er könne nicht nachvollziehen, wie Mitarbeiter den Minister offenkundig in eine "solche peinliche und prekäre Situation" bringen konnten.

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Die "Bild am Sonntag" hatte das Bundesinnenministerium am Wochenende mit der Angabe zitiert, dass inzwischen bis zu 3500 Flüchtlinge pro Tag an der Grenze erkennungsdienstlich behandelt werden könnten. Zudem wurde Ressortchef Thomas de Maizière (CDU) mit der Aussage zitiert, derzeit würden "täglich zwischen hundert und 200 Personen von der Bundespolizei an der Grenze zurückgewiesen".

Bei den Zahlen der Zurückgewiesenen handele es sich nur "um die halbe Wahrheit", erklärte Walters Stellvertreter Heiko Teggatz von der Bundespolizeigewerkschaft. Es sei davon auszugehen, dass die meisten Zurückgewiesenen "später erneut illegal über die grüne Grenze einreisen", zum Teil würden sie bereits Stunden nach der Zurückweisung wieder aufgegriffen.

afp

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