+
Papst Franziskus hat auf seiner Kaukasus-Reise die Gender-Theorie massiv kritisiert.

"Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören"

Papst Franziskus verurteilt Gender-Theorie: "Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören"

München - Papst Franziskus hat auf seiner Kaukasus-Reise die Gender-Theorie massiv kritisiert. Der Papst nannte sie "einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören."

Mit drastischen Worten hat Papst Franziskus am Samstag bei seinem Besuch in Georgien den Schutz der Ehe vor der sogenannten "Gender-Theorie", die die klassischen Geschlechterrollen in Frage stellt, gefordert. Eigentlich steht die Kaukasus-Reise des Papstes im Zeichen des Friedens in der Kaukasus-Region. Bei seiner Ansprache in der Hauptstadt Tiflis vor Priestern, Ordensleuten und Seminaristen knöpfte der Papst sich die Gender-Thematik vor. Man darf vermuten, dass Franziskus bei dieser Gelegenheit seinem massiven Ärger Luft machte. Denn der Papst hielt diese ohne einen vorbereiteten Redetext.

"Radio Vatikan" zitiert den Papst mit diesen Worten: "Der große Feind der Ehe ist die Gendertheorie. Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe vor diesen Kolonisierungen zu verteidigen!"

Die Gender-Theorie - oder auch Gender-Mainstreaming - behauptet unter anderem, dass das Geschlecht eine soziale Konstruktion sei, frei wählbar und unabhängig von biologischen Gegebenheiten. Für den Papst ist eine „Abkopplung des sozialen vom biologischen Geschlecht eine völlig irre Idee. 

Papst Franziskus: So verurteilte er die Gender-Theorie in der Vergangenheit

Es ist nicht das erste Mal, dass Papst Franziskus die Gender-Theorie unmissverständlich verurteilt. Während des Weltjugendtages in Krakau, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche Ende Juli 2016 bei einer Begegnung mit den polnischen Bischöfen folgendes: "In Europa, in Amerika, in Lateinamerika, in Afrika, in einigen Ländern Asiens gibt es einen wahren ideologischen Kolonialismus. Und einer von diesen – ich nenne ihn unverhohlen beim Namen – ist die Gender-Theorie! Heute wird den Kindern – den Kindern! – in der Schule beigebracht, dass jeder sein Geschlecht selber wählen kann. Und warum wird das gelehrt? Weil die Lehrbücher von den Personen und den Institutionen kommen, die dir das Geld geben. Das sind die Formen von ideologischem Kolonialismus, die auch von sehr einflussreichen Ländern unterstützt werden. Und das ist schrecklich."

Als gefährliche Ideologie brandmarkte Papst Franziskus die Gender-Theorie auch in "Amoris Laetitia", dem Papstdokument zu Ehe und Familie, das im März 2016 veröffentlicht wurde. "Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus verschiedenen Formen einer Ideologie, die gemeinhin Gender genannt wird und die 'den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet. Sie stellt eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht und höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus. Diese Ideologie fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann.' Es ist beunruhigend, dass einige Ideologien dieser Art, die behaupten, gewissen und manchmal verständlichen Wünschen zu entsprechen, versuchen, sich als einzige Denkweise durchzusetzen und sogar die Erziehung der Kinder zu bestimmen. Man darf nicht ignorieren, dass 'das biologische Geschlecht (sex) und die soziokulturelle Rolle des Geschlechts (gender) unterschieden, aber nicht getrennt werden [können]'."

Eine weitere öffentliche Abrechnung mit der Gender-Theorie lieferte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz am 15. April 2015:  "Ich frage mich zum Beispiel, ob die sogenannte Gender-Theorie nicht auch Ausdruck von Frustration und Resignation ist, die darauf abzielt, den Unterschied zwischen den Geschlechtern auszulöschen, weil sie sich nicht mehr damit auseinanderzusetzen versteht. Ja, wir laufen Gefahr, einen Rückschritt zu machen. Denn die Beseitigung des Unterschieds ist das Problem, nicht die Lösung. Um ihre Beziehungsprobleme zu lösen, müssen Mann und Frau vielmehr miteinander sprechen, einander besser zuhören, einander besser kennenlernen, einander mehr lieben." 

Papst Franziskus dringt auf Frieden im Kaukasuskonflikt

Seine Auseinandersetzung mit der Gender-Theorie bildete aber nur einen Randaspekt auf der Kaukasusreise von Papst Franziskus. Sein Hauptthema bildete der Frieden im Kaukasus.

„Ich bin zuversichtlich, dass der Kaukasus mit Gottes Hilfe und dem guten Willen der Parteien der Ort sein kann, wo die Streitfragen und die Unstimmigkeiten durch Dialog und Verhandlungen beigelegt und überwunden werden“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag zum Abschluss seines Besuchs in Aserbaidschan, ohne die Parteien direkt beim Namen zu nennen.

Seit rund einem Vierteljahrhundert gibt es zwischen dem muslimischen Aserbaidschan und dem christlichen Armenien einen Konflikt um die Region Berg-Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört. Karabach und weite Gebiete darüber hinaus werden aber von Armenien kontrolliert. Die Nachbarrepublik hatte Franziskus Ende Juni besucht.

Vor aserbaidschanischen Würdenträgern am „Heydar-Alijev“-Zentrum in Baku erinnerte Franziskus an die aserbaidschanischen Vertriebenen des Konfliktes. Zuvor war er auch mit Staatspräsident Ilham Aliyev zusammengetroffen. Dieser würdigte die Papst-Visite als Zeichen eines funktionierenden Dialoges der Kulturen. Er sagte laut russischen Agenturberichten, der Karabach-Konflikt solle nach internationalem Recht gelöst werden.

Franziskus war am Morgen aus Georgien kommend in Baku eingetroffen. Am Vormittag erinnerte er in der früheren sowjetischen Teilrepublik auch an die Verfolgung von Christen in der 1991 aufgelösten Sowjetunion. „Hier hat der Glaube nach den Jahren der Verfolgung Wunder gewirkt. Ich möchte an so viele mutige Christen erinnern, die auf den Herrn vertraut haben und in den Widrigkeiten treu geblieben sind“, sagte er beim traditionellen Angelus-Gebet in einer kleinen Kirche in Baku.

Der aserbaidschanische Regierungskritiker Rasul Jafarov rief Papst Franziskus auf, auch die Menschenrechtsverletzungen in der Südkaukasusrepublik anzusprechen. „Ich hoffe, der Papst erhört die Appelle internationaler Bürgerrechtsorganisationen und setzt sich für eine Freilassung politischer Gefangener ein“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Am Freitag und Samstag hatte der Papst Georgien besucht, wo er mit deutlichen Vorbehalten der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche gegenüber Rom konfrontiert war. So sagte die Kirchenführung am Samstag ihre Teilnahme an der Papstmesse im Micheil-Meschi-Stadion in Tiflis ab. Im Stadion waren nur rund 3000 von 27 000 Plätzen besetzt. Bei einem anschließenden Treffen mit georgischen Katholiken sprach sich der Papst gegen jeden Versuch aus, Orthodoxe zu bekehren. Am Abend flog er nach Rom zurück.

fro/dpa

Mehr zum Thema

Dramatischer Appell aus Paris: Gnade für Aleppo

Dramatischer Appell aus Paris: Gnade für Aleppo

OSZE-Ministertreffen in Hamburg geht zu Ende

OSZE-Ministertreffen in Hamburg geht zu Ende

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Kommentare