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Die Aktie der Deutschen Bank stürzte ab auf ein Rekordtief.

Geldhaus unter Druck

Panik unter Anlegern: Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab

Frankfurt/Main - Aktionäre der Deutschen Bank sind in Panik, der Kurs brach am Freitagmorgen auf ein Rekordtief von unter zehn Euro ein. Auslöser sind Gerüchte aus den USA.

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag wurde bekannt, dass sich mehrere Hedgefonds aus den Aktien des Instituts zurückzogen. Der Börsenkurs ging auf Talfahrt, die Aktie stürzte am Vormittag zwischenzeitlich unter zehn Euro. . Danach erholte sich die Aktie leicht; gegen 11.30 Uhr notierte sie knapp fünf Prozent im Minus bei bei 10,36 Euro.

Vorstandschef John Cryan rief die Mitarbeiter in einer E-Mail auf, Vertrauen in die Deutsche Bank zu bewahren. Am Markt seien "Kräfte" unterwegs, die dieses Vertrauen schwächen wollten. Cryan schrieb, "einige wenige Hedgefonds-Kunden" hätten die Bank verlassen. Das sorge aber "zu Unrecht" für Unruhe, denn die Deutsche Bank habe mehr als 20 Millionen Kunden. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus informierten Kreisen erfuhr, reduzierten zehn Hedgefonds ihre Beteiligung an der größten deutschen Bank ganz oder teilweise. Zu ihnen gehören Millennium Partners, Capula Investment und Rokos Capital Management.

Cryan schrieb den Mitarbeitern, die Bank sei derzeit Gegenstand "heftiger Spekulationen". Immer neue Gerüchte führten dazu, dass der Aktienkurs "heftigen Ausschlägen" unterliege. Diese "verzerrte Außenwahrnehmung" dürfe das Tagesgeschäft nicht stärker beeinflussen. "Vertrauen steht am Anfang von allem", zitierte Cryan den Werbespruch der Bank.

Der Vorstandschef listete erneut auf, warum die Deutsche Bank über ein "starkes Fundament" verfüge: Sie erfülle die Eigenkapitalanforderungen und habe mit dem Verkauf des britischen Versicherers Abbey Life ihr Eigenkapital gestärkt. Sie habe im ersten Halbjahr einen Gewinn vor Steuern von einer Milliarde Euro erzielt. Sie habe Liquiditätsreserven von mehr als 215 Milliarden Euro verfüge sie über einen "überaus komfortablen Puffer".

Ungewissheit über Milliarden-Forderung aus USA

Auch die Ungewissheit über den Ausgang des Rechtsverfahrens in den USA sei kein Grund für "diesen Druck auf unseren Aktienkurs", erklärte Cryan. Das US-Justizministerium hat wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) gefordert - die Deutsche Bank hält dies für viel zu hoch und geht von einer deutlich niedrigeren Summe aus.

Weil die Rücklagen des Finanzunternehmens für Rechtsstreitigkeiten nur etwa 5,5 Milliarden Euro betragen, gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Gerüchte über Pläne für Staatshilfen. Cryan hatte dies am Mittwoch in der "Bild"-Zeitung zurück gewiesen. Die Situation der Deutschen Bank sei besser als sie derzeit von außen wahrgenommen werde, hatte er dem Blatt gesagt.

Auch Papiere anderer europäischer Banken stürzen ab 

Anleger in ganz Europa reagierten heftig: In Paris verloren die Anteile der Société Générale fast vier Prozent, in London gaben die Aktien von Barclays und RBS nach, in Madrid die der Santander und der BBVA. Auch in der Schweiz litten die Kurse von UBS und Credit Suisse, in Mailand stürzten die Papiere von Unicredit und Mediobanco ab.

Die Finanzbranche sei die "sensitivste und empfindlichste Branche überhaupt", erklärte Analyst Robert Halver von der Baader-Bank. Verunsicherungen auch verbal-politischer Art könnten schnell unerwünschte Nebenwirkungen haben und ein Eigenleben entfalten. "Der Schmetterlingsflügelschlag kann den Vulkan zum Ausbruch bringen."

afp

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