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„Panama Papers“: Die Bundesdruckerei sieht sich „potenziell geschädigt“.

„Panama Papers“

Bundesdruckerei sieht sich „potenziell geschädigt“

Berlin - Auch die staatseigene Bundesdruckerei droht in den Sog der „Panama Papers“ zu geraten. Das Unternehmen sieht sich potenziell geschädigt und will die Staatsanwaltschaft unterstützen, den Fall auszuleuchten.

Die dem Finanzministerium unterstehende Bundesdruckerei will neue Vorwürfe aus den sogenannten Panama Papers von der Berliner Staatsanwaltschaft klären lassen. Das Unternehmen sehe sich als potenziell Geschädigten und werde, „sollten sich die Vorwürfe und die Echtheit der Dokumente bestätigen - alle ihm möglichen zivil- und strafrechtlichen Schritte einleiten“, teilte die Bundesdruckerei am Montag in Berlin mit.

Nach Angaben einer Sprecherin legen Veröffentlichungen zu möglicherweise rechtswidrigem Verhalten eines Ex-Mitarbeiters „den Verdacht nahe, dass das Unternehmen und seine Beauftragten mit hoher Energie getäuscht wurden“. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, erklärte auf Anfrage, noch seien keine neuen Ermittlungen angelaufen.

Ministerium wehrt sich

Das Bundesfinanzministerium hatte sich bereits am Samstag gegen Vorwürfe mit Bezug auf angeblich dubiose Bundesdruckerei-Geschäfte in Venezuela verwahrt. Nach „Spiegel“-Informationen soll das Unternehmen für diese Geschäfte eine Briefkastenfirma in Panama benutzt haben, deren Name neben dem der Bundesdruckerei in den „Panama Papers“ auftauche. „Ein Fehlverhalten des Bundesfinanzministeriums ist im Zusammenhang der alten wie der neuen Vorwürfe nicht erkennbar“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Bundesdruckerei erklärte am Montag, man habe den derzeitigen Arbeitgeber des betroffenen ehemaligen Mitarbeiters - eine Minderheitsbeteiligung der Bundesdruckerei - „gebeten, diesen mit sofortiger Wirkung und bis zur Klärung der Vorwürfe zunächst freizustellen“. Der Ex-Beschäftigte der Bundesdruckerei bestreite „unverändert“ die Vorwürfe. Das Unternehmen unterstütze die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen, hieß es weiter.

Laut Bundesdruckerei haben Prüfungen des Venezuela-Geschäfts keine Beweise für strafrechtliches Fehlverhalten ergeben. Zu diesem Ergebnis sei auch die Staatsanwaltschaft Berlin gekommen, die 2010 Ermittlungen mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt habe. „Die Bundesdruckerei GmbH liefert seit rund zehn Jahren Komponenten für das venezolanische ePass-System, wie etwa Passdatenseiten und Personalisierungssysteme. Das gesamte Venezuela-Projekt ist von Beginn an umfangreich rechtlich überprüft worden“, hieß es am Montag.

„Auch ein von der Generalstaatsanwaltschaft angeordnetes Überprüfungsverfahren im Jahr 2015 hat zu keinem anderen Ergebnis geführt.“ Die Bundesdruckerei habe „die über Zugang zu den „Panama Papers“ befindlichen Medien gebeten, sie bei der Aufklärung zu unterstützen und ihr für die Aufklärung relevante Unterlagen zur Verfügung zu stellen“.

Laut „Spiegel“ soll sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) jahrelang geweigert haben, in Kontakt mit einem Informanten zu treten, der über angeblich dubiose Geschäfte der Bundesdruckerei auspacken wollte. Der Mann habe Schäuble und seinen Staatssekretär Werner Gatzer, der im Aufsichtsrat der Bundesdruckerei sitzt, angeschrieben. Beide hätten nicht auf das Angebot reagiert.

Die „Süddeutsche Zeitung“ und ein Konsortium internationaler Medien hatten vor rund einer Woche über die Existenz Zehntausender Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler aus aller Welt ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Enthüllungen waren durch ein Datenleck möglich geworden.

dpa

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