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Nadeschda Sawtschenko, hier bei der Urteilsverkündung, wird von Russland an ihr Heimatland überstellt. Foto: Maxim Shipenkov

Moskau überstellt verurteilte Pilotin Sawtschenko an Ukraine

Genau zwei Jahre nach seiner Wahl zum Präsidenten hat der ukrainische Staatschef Poroschenko ein wichtiges Ziel erreicht: Im Zuge eines spektakulären Gefangenenaustauschs kehrt die in Russland inhaftierte Soldatin Sawtschenko in ihre Heimat zurück.

Kiew (dpa) - Russland hat die verurteilte ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko begnadigt und an ihr Heimatland überstellt. Die 35-Jährige landete am Mittwoch in der Ukraine, wie Präsident Petro Poroschenko über Twitter mitteilte.

Kremlchef Wladimir Putin habe die Soldatin begnadigt, teilte dessen Sprecher mit. Am Kiewer Flughafen Borispol hatten Poroschenko sowie Sawtschenkos Mutter, ihre Schwester und zahlreiche Parlamentarier die 35-Jährige gewartet. Sawtschenko habe bereits mit ihrer Mutter telefoniert.

"Ich freue mich - gemeinsam mit dem ganzen Land", sagte der ukrainische Regierungschef Wladimir Groisman. Sawtschenko war in der früheren Sowjetrepublik zum Symbol und zum Gesicht des Krieges im Osten des Landes geworden. Ihre Freilassung fällt auf den zweiten Jahrestag der Wahl Poroschenkos zum Präsidenten am 25. Mai 2014.

Im Gegenzug entließ die Regierung in Kiew zwei mutmaßliche russische Soldaten, die in der Ukraine zu Haft verurteilt worden waren. Die Männer seien in Moskau gelandet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Den Begriff "Soldaten" benutzte er nicht. Ein Treffen mit Putin sei nicht geplant. Russland bestreitet den Einsatz aktiver Soldaten im Kriegsgebiet Ostukraine.

Sawtschenko war in Russland in einem umstrittenen Prozess zu 22 Jahren Haft verurteilt worden - trotz internationaler Proteste. Die russische Justiz macht die Soldatin für die Ermordung von zwei russischen Reportern im Konfliktgebiet Ostukraine verantwortlich.

Die Angehörigen der Journalisten hätten Putin um Sawtschenkos Begnadigung gebeten. "Ich hoffe, dass ähnliche Schritte, die vor allem von den Motiven des Humanismus diktiert sind, zur Senkung der Gewalt in der Konfliktzone beitragen und helfen werden, schreckliche und unnötige Verluste zu vermeiden", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge bei einem Treffen mit Hinterbliebenen der Getöteten.

Sawtschenkos Anwalt Nikolai Polosow sagte, die Soldatin sei als "absolut freier Mensch" in die Ukraine gereist. Der Jurist wollte nichts dazu sagen, ob er oder die Pilotin Putin um die Begnadigung gebeten habe.

Das Schicksal der 35-Jährigen war immer wieder Thema von Krisengesprächen westlicher Politiker mit Putin. Poroschenko hatte Sawtschenkos Heimkehr als Priorität bezeichnet. Die junge Frau, die in russischer Haft immer wieder mit Hungerstreiks auf sich aufmerksam gemacht hatte, war in ihrer Heimat 2014 in Abwesenheit ins Parlament gewählt worden.

Auch die EU hatte ihre Freilassung gefordert. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz begrüßte die Überstellung als "gutes Signal". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich "froh und erleichtert".

Der Vorsitzende beim russischen Menschenrechtsrat im Kreml, Michail Fedotow, nannte den Austausch einen ernsthaften Schritt hin zur Erfüllung des Minsker Friedensabkommens für die Ostukraine. Die Beziehungen zwischen Russland und der benachbarten Ex-Sowjetrepublik Ukraine werden von dem blutigen Konflikt schwer belastet.

Ein Gericht in Kiew hatte im April gegen Protest aus Moskau die angeblichen Soldaten aus Russland zu je 14 Jahren Haft verurteilt. Sie sollen im Kriegsgebiet Donbass für prorussische Aufständische gekämpft haben.

Tweet von Poroschenko

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