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Arbeit, hohe Ansprüche an sich selbst, zu viele Termine: Fast jeder vierte Deutsche ist laut einer Stress-Studie häufig gestresst.

Stress-Studie

Fast jeder vierte Deutsche fühlt sich häufig gestresst

Berlin - Deutschland unter Strom: Sechs von zehn erwachsenen Deutschen fühlen sich zumindest gelegentlich gestresst. Fast jeder Vierte ist sogar häufig gestresst.

Dies ging aus der am Mittwoch in Berlin vorgestellten aktuellen Stressstudie der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Arbeit (46 Prozent), hohe Ansprüche an sich selbst (43 Prozent), Termindichte in der Freizeit (33 Prozent), Straßenverkehr (30 Prozent) und ständige digitale Erreichbarkeit (28 Prozent) sind die von Teilnehmern der repräsentativen Befragung am häufigsten genannten Gründe für Stress.

Die Krankenkasse kritisierte vor allem die hohe Belastung jener Berufstätigen, die auch nach Feierabend und im Urlaub erreichbar sein müssten. Den Angaben aus der Befragung zufolge trifft dies auf drei von zehn Beschäftigten zu. In dieser Gruppe sei Stress besonders verbreitet. 73 Prozent der Betroffenen stünden unter Strom, vier von zehn beruflich ständig Erreichbaren sogar unter Dauerstress, berichtete die TK.

TK-Vorstandschef Jens Baas warf Unternehmen Fehler vor. Digitalisierung, Globalisierung und veränderte Kundenansprüche verlangten Beschäftigten heutzutage zwar mehr Flexibilität ab, erklärte Baas. "Wenn aber fast 30 Prozent der Erwerbstätigen sagen, dass sie auch nach Feierabend und im Urlaub erreichbar sein müssen, dann läuft in der Betriebsorganisation etwas falsch." Nötig sei vielmehr eine Unternehmenskultur, die Regeneration ermögliche.

Für die Stressstudie erstellte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Juni und Juli dieses Jahres einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung. Dabei wurden auch die Mechanismen zur Stressbewältigung abgefragt. Am beliebtesten waren demnach Faulenzen, Zusammenkünfte mit Familie und Freunden und Hobbys (jeweils sieben von zehn Befragten).

Sechs von zehn Teilnehmern verwiesen jeweils auf Spazierengehen und Musik, fünf von zehn nannten Sport, etwa jeder Dritten greift demnach zur Flasche und entspannt beim Alkohol. Spezielle Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training nutzen demnach nur 13 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, Frauen dabei wesentlich häufiger als Männer.

Insgesamt macht sich der Untersuchung zufolge jeder fünfte Berufstätige Sorgen darüber, beim Arbeitstempo nicht mehr mithalten zu können. 43 Prozent der Beschäftigten fühlen sich demnach zudem "abgearbeitet und verbraucht". Besonders verbreitet ist dieses Gefühl unter älteren Erwerbstätigen, aber auch 37 Prozent der Arbeitenden unter 40 Jahren kennen dies.

Im der Gesamtbetrachtung ist der Stresspegel laut TK bei Erwachsenen unter 40 Jahren am höchsten, hier stehen drei von vier Befragten unter Dampf. "In dieser Lebensphase kommt viel zusammen", erklärte Baas. Familien würden gegründet und Karriereweichen gestellt.

Die Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemmeke forderte Unternehmen und Bundesregierung zum Handeln auf. "Wir können es nur gebetsmühlenartig wiederholen: Beschäftigte müssen besser vor Stress am Arbeitsplatz geschützt werden", teilte die Sprecherin für Arbeitnehmerrechte der Grünen-Bundestagsfraktion mit. Die Bundesregierung müsse dies "gesetzlich flankieren".

AFP

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