Wichtiger Handelspartner verlässt die EU

Diese deutschen Branchen trifft der Brexit besonders schwer

Frankfurt - Großbritannien ist einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Der Brexit wird daher nicht ohne Folgen bleiben - und trifft einige Branchen besonders schwer.

Die Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien sind eng. Der Brexit trifft nicht nur die Exportwirtschaft, sondern auch Unternehmen mit Niederlassungen auf der Insel. Ein Blick auf einzelne Branchen:

- Autoindustrie: „Nach einem EU-Austritt sollte niemand Interesse daran haben, mit Zollschranken zwischen Großbritannien und dem Festland den internationalen Warenverkehr zu verteuern“, warnt Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbandes VDA. Jedes fünfte in Deutschland produzierte Auto geht nach VDA-Angaben ins Vereinigte Königreich. Autos deutscher Konzernmarken haben danach auf der Insel einen Marktanteil von gut 50 Prozent.BMW verkaufte in Großbritannien im vergangenen Jahr 236.000 Autos - das waren mehr als 10 Prozent des weltweiten Absatzes. Bei Audi waren es 9, bei Mercedes 8, beim VW-Konzern insgesamt 6 Prozent.

- Maschinenbau: Die deutsche Schlüsselindustrie sorgt sich um einen ihrer wichtigsten Exportmärkte. „Die Entscheidung für den Austritt Großbritanniens aus der EU ist ein Alarmsignal für die Unternehmen“, sagt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA. Bereits im ersten Quartal seien die Ausfuhren in den viertwichtigsten Auslandsmarkt der deutschen Maschinenbauer um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Im vergangenen Jahr gingen Maschinen „Made in Germany“ im Volumen von 7,2 Milliarden Euro nach Großbritannien.

- Elektroindustrie: Nach einer Umfrage des Ifo-Instituts sehen sich besonders viele Firmen betroffen (52 Prozent). Das Vereinigte Königreich ist der viertwichtigste Abnehmer für Elektroprodukte „Made in Germany“ weltweit und der drittgrößte Investitionsstandort für die Unternehmen im Ausland. Dem Branchenverband ZVEI zufolge lieferten deutsche Hersteller im vergangenen Jahr Elektroprodukte im Wert von 9,9 Milliarden Euro nach Großbritannien. Dies entspreche einem Anteil von 5,7 Prozent an den deutschen Elektroausfuhren.

- Chemieindustrie: Die Unternehmen befürchten einen Rückgang grenzüberschreitender Investitionen und weniger Handel. Im vergangenen Jahr exportierte die Branche nach Angaben ihres Verbandes VCI Produkte im Wert von 12,9 Milliarden Euro nach Großbritannien, vor allem Spezialchemikalien und Pharmazeutika. Das entspricht 7,3 Prozent ihrer Exporte. Weniger Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten und ein schwächeres Exportgeschäft würden die Konsequenzen der britischen Entscheidung sein, sagt der Präsident des Branchenverbands VCI, Marijn Dekkers.

- Finanzbranche: Banken brauchen für Dienstleistungen innerhalb der EU rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Derzeit können sie grenzüberschreitend frei agieren. Durch den Brexit werden Handelsbarrieren befürchtet. Viel steht für die Deutsche Börse auf dem Spiel. Sie will sich mit dem Londoner Konkurrenten LSE zusammenschließen - die Unternehmen wollen an ihren Fusionsplänen festhalten. Das Anteilsverhältnis ist schon festgezurrt. Der Deal könnte für den Frankfurter Marktbetreiber nun teuer werden, falls die Londoner Börse wegen des Brexits massiv an Wert verlieren sollte.

- Unternehmen in Großbritannien: Mehr als 2500 deutsche Firmen haben Niederlassungen in dem Land. Sie beschäftigen etwa 420 000 Menschen, die meisten davon Briten. Zu den größten deutschen Arbeitgebern auf der Insel gehört die Deutsche Post (DHL) mit 48 000 Mitarbeitern, die Deutsche Bahn (Arriva) hat dort 25 000 Beschäftigte, der Pharmakonzern Celesio 20 000. Ein Ende der Arbeitnehmerfreizügigkeit würde alle Branchen betreffen, denn viele Firmen würden kurzfristig Mitarbeiter aus anderen Ländern für spezielle Projekte am Standort London zusammenziehen, argumentiert Ulrich Hoppe, Geschäftsführer der deutsch-britischen Industrie- und Handelskammer.

dpa

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