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Polizeiabsperrband vor dem Haus in Ravensburg, in dem der Dreifachmord geschah.

53-Jähriger tötet Frau und Stieftöchter mit Beil

Familientragödie in Ravensburg: Neue Details

Ravensburg - In Ravensburg hat ein 53-Jähriger gestanden, seine Frau (37) sowie seine beiden Stieftöchter getötet zu haben. Jetzt gibt es Hinweise auf das Motiv für die schreckliche Bluttat.

Nach jahrelangen Beziehungskonflikten soll ein 53-Jähriger in Ravensburg am Bodensee seine Frau und seine beiden Stieftöchter mit einem Beil und einem Messer umgebracht haben. Er hatte die Bluttaten nach Erkenntnissen der Polizei vorbereitet. Womöglich habe er aus Verzweiflung gehandelt, weil seine Frau einen neuen Freund gehabt habe, sagte der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Konstanz, Uwe Stürmer, am Freitag in Ravensburg. Der Mann überraschte seine 37 Jahre alte Ehefrau und die beiden Stieftöchter im Alter von 14 und 18 Jahren in der Nacht zum Freitag im Schlaf und tötete sie.

Leichen lagen auf drei Geschosse verteilt

Eines der Opfer habe kurz vor seinem Tod in der Nacht zum Freitag noch einen Notruf absetzen können, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft weiter mit. Wer den Notruf abgesetzt hatte, konnte die Polizei noch nicht sagen. Auch die Nachbarschaft habe die Polizei verständigt, hieß es.

Die Polizei drang über die Terrassentür in die Doppelhaushälfte ein. Den Beamten bot sich den Angaben zufolge ein grausames Bild. In drei Geschossen fanden sie die drei Leichen. In welchem Zustand sie waren und ob eines der Opfer noch zu flüchten versuchte, war zunächst unklar. Teilweise seien die Opfer in ihren Schlafzimmern überrascht worden, sagte der Polizeisprecher. 

Mann fürchtete wohl die Trennung

Die Ermittler fanden Briefe, die auf eine Beziehungskrise hinwiesen. Der 53-Jährige habe wohl die Trennung von seiner Frau befürchtet, sagte Vizepolizeipräsident Uwe Stürmer am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die aus Thailand stammende Frau könnte demnach einen neuen Freund gehabt haben.

Bereits Monate vor dem Dreifachmord hat es nach Angaben der Polizei schwere Auseinandersetzungen in der Familie gegeben. Die Polizei sei am 20. März vor Ort gewesen, da es Streit in der Beziehung gegeben habe, sagte der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Konstanz, Uwe Stürmer, am Freitag in Ravensburg. Die Ehefrau habe der Polizei dann aber versichert, sie habe keine Angst vor ihrem Mann. Einen Platzverweis für ihn habe sie abgelehnt.

Die Nachbarn sind fassungslos

„Ich kann das gar nicht glauben“, sagt eine junge Frau, die mit ihrem Freund vor dem Haus der Familie steht. Sie sei mit der 18 Jahre alten Stieftochter des Mannes schon seit Jahren befreundet gewesen und gemeinsam mit ihr zur Schule gegangen. Nach einem Bericht der „Schwäbischen Zeitung“ war die Polizei bereits drei Tage vor der Tat nachts mit drei Einsatzfahrzeugen bei der Familie. Ob es Streitereien gegeben hat, wisse sie nicht, sagt die ebenfalls 18-Jährige, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Meine Freundin hat aber nie schlecht über ihren Stiefvater gesprochen. Ich verstehe so was nicht.“

Eine Anwohnerin erzählt, dass die Familie erst vor rund einem halben Jahr in die Straße gezogen sei, zuvor habe sie ein paar hundert Meter weiter in dem Ravensburger Ortsteil gewohnt. „Ich habe die Frau und die Töchter oft mit ihrem Hund Gassi gehen sehen“, sagt sie. Von einem Polizeieinsatz in der Nacht habe sie aber nichts mitbekommen. „Man rechnet ja auch nicht mit so etwas.“

Andere Nachbarn beschreiben die Familie als freundlich, aber zurückhaltend. Ein paar Kinder erzählen von dem 53-Jährigen, der erst kürzlich noch mit seiner fünf Jahre alten Tochter am Sportplatz Fußball gespielt habe. „Er ist sehr nett, ich kann nicht glauben, dass er sowas gemacht haben soll“, sagt ein Mädchen.

Wenn Väter ihre Familie auslöschen

Familiendramen wie jetzt in Ravensburg schockieren in Deutschland immer wieder. Andere Fälle, bei denen ein Vater Frau und Kinder tötete:

Oktober 2015: Ein 52-jähriger Familienvater tötet in Stuttgart seinen 16 Jahre alten Sohn und seine 43-jährige Ehefrau. Auch den Hund verschont er nicht. Nach einem Selbstmordversuch alarmiert er die Polizei.

Februar 2014: Die Feuerwehr findet nach Löscharbeiten in einer Wohnung in Salzgitter (Niedersachsen) drei Leichen. Die Ermittlungen ergeben, dass ein 32-Jähriger seine 27-jährige Freundin und die gemeinsame sechs Jahre alte Tochter erstochen hatte. Dann löste er eine Explosion aus. Auch sich selbst fügte er Stichwunden zu, an denen er starb.

November 2012: Ein 47-Jähriger tötet in Kruft (Rheinland-Pfalz) seine Söhne im Alter von 7 und 9 Jahren sowie seine 43-jährige Ehefrau.

August 2012: Ein 69-jähriger Berliner erstickt seine drei und sechs Jahre alten Söhne sowie seine 28-jährige Frau, bevor er sich selbst umbringt. Seine wenige Monate alte Tochter hatte er vor der Tat anonym bei einer Babyklappe abgegeben.

Januar 2012: Ein Vater tötet in Langenfeld (Nordrhein-Westfalen) seine Frau und die beiden Kinder. Der Sohn war fünf Jahre, die Tochter neun Monate alt. Dann legt er im Haus Feuer und stirbt.

Februar 2011: Nach einem Hausbrand in Rückeroth (Rheinland-Pfalz) werden vier Tote gefunden. Den Ermittlungen zufolge brachte der 53 Jahre alte Vater seine Frau, die 14-jährige Tochter und den 10-jährigen Sohn um, bevor er das Haus ansteckte und selbst starb.

dpa

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