„Klaurenner Nr. 1“ gekürt

Bei diesen Rossmann-Produkten greifen Langfinger zu

Hannover - Bestimmte Produkte im Rossmann-Sortiment sind für Diebe enorm attraktiv. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Der Einzelhandel investiert enorme Summen für einen besseren Schutz.

Bei der Firma Scholl hält sich die Begeisterung über den neuen Titel in Grenzen. Einer ihrer Hornhauthobel wurde gerade in der Rossmann-Mitarbeiterzeitung zum neuen „Klaurenner Nr. 1“ in den bundesweit gut 2000 Filialen der Drogeriemarktkette gekürt. „Solche Publicity wünscht man sich eigentlich nicht“, sagt eine überraschte Scholl-Sprecherin am Donnerstag. Ob sie eine Erklärung für die hohe Attraktivität des Hightech-Hobels bei den Langfinger hat? „Ich tippe sehr auf den Wiederverkauf“, erklärt sie.

Klein und handlich sind sie - und mit rund 40 Euro Ladenverkaufspreis offenbar eine ideale Beute für Ladendiebe. Die im März auf den Markt gekommene Deluxe-Variante „wet & dry“ bringt es sogar auf rund 50 Euro. „Geklaut wird alles, was klein und teuer ist“, bestätigt Ute Holtmann vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. Im Elektronikhandel sind das Smartphones und Speicherkarten, bei den Baumärkten Akku-Schrauber, beim Bekleidungshandel Gürtel, Tücher oder teure Funktionsbekleidung - etwa für Sportler oder Wanderer.

„Sehr begehrt ist zur Zeit auch Babynahrung“, sagt Holtmann. Palettenweise werde sie immer öfter aus den Läden entwendet. Als Hintergrund gilt das brummende Geschäft damit in Asien, das die Preise hoch treibt. Chinesische Eltern schrecken nach einer Reihe von örtlichen Lebensmittelskandalen vor heimischen Produkten zurück und greifen verstärkt zu Babynahrung aus Europa. Als Reaktion auf die sprunghaft gestiegene Nachfrage hat etwa der Babynahrungshersteller Milupa im April ein neues Werk für Säuglings- und medizinische Spezialnahrung in Fulda eröffnet. Der Schweizer Rivale Nestlé hat Ende 2015 in Bern eine ähnliche Produktionsanlage in Betrieb genommen.

„Kleine, aber teure Waren, die beim Wiederverkauf viel Geld bringen, sind Dauerbrenner beim Ladendiebstahl“, bestätigt auch Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Er spricht von einer hohen Frustration vieler Händler: „Es gibt so einige, die Ladendiebstahl gar nicht mehr anzeigen, weil viele Verfahren wegen Geringfügigkeit schnell wieder eingestellt werden“. Die Dunkelziffer sei daher hoch.

Nach einer EHI-Studie betrug der Verkaufswert der 2015 von Kunden gestohlenen Waren rund 2,24 Milliarden Euro. Dazu kommen Diebstähle durch eigene Mitarbeiter in Höhe von 810 Millionen Euro. Rechnet man noch die 340 Millionen Euro an Verlusten durch Lieferanten und Servicekräfte mit ein, beträgt der Gesamtschaden durch Diebstahl knapp 3,4 Milliarden Euro. Weitere Kosten entstehen unter anderem durch Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal zum Diebstahlschutz.

Insgesamt gehen dem Einzelhandel 1,3 Prozent des Umsatzes verloren, fand das Institut in der im Juni veröffentlichten Studie heraus. Der Handel setzt daher auch auf Wandel, so HDE-Sprecher Hertel. Nachdem die Digitalisierung dem klassischen Tante-Emma-Laden längst den Garaus gemacht hat, entdecken viele Händler den Online-Handel als zweites Standbein. Sie verkaufen ihre Waren parallel zur Ladentheke im Internet - und da ist auch der handliche Hightech-Hornhauthobel mit seinem hochwertigen Design und Akku-Ladegerät vor Ladendieben sicher.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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