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In einer Wohnung in Leipzig ist der Terrorverdächtige gefasst worden.

Festnahme nach Terror-Alarm in Leipzig

Deutschland entkommt verheerendem Anschlag nur knapp

Dresden - 1,5 Kilogramm höchstgefährlicher Sprengstoff in den Händen eines Mannes mit IS-Kontakten: Deutschland drohte offenbar ein verheerender Anschlag. Eine veränderte Bedrohungslage sehen die Behörden nach dem Bombenfund trotzdem nicht.

Deutschland ist offenbar nur knapp einem Terroranschlag von der Dimension der verheerenden Attentate von Paris und Brüssel entgangen. Der nach dem Bombenfund von Chemnitz festgenommene Terrorverdächtige Dschaber A. steht nach ersten Ermittlungen in Verbindung zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die sichergestellten 1,5 Kilogramm Sprengstoff sind identisch mit der Art, die IS-Terroristen in Frankreich und Belgien verwendet haben.

„Die Vorbereitungen in Chemnitz ähneln nach allem, was wir heute wissen, den Vorbereitungen zu den Anschlägen in Paris und Brüssel“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. 

Die Ermittlungen ergaben, dass er es auf Züge und auf Flughäfen in Berlin abgesehen haben könnte.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig sprach von einem „großartigen Erfolg“ der Sicherheitsbehörden. „Damit ist es wieder einmal gelungen, einen Sprengstoffanschlag in Deutschland zu verhindern.“

Im März waren in Brüssel bei einem Doppelanschlag am Flughafen und in der U-Bahn 32 Menschen ermordet und mehr als 320 verletzt worden. Bei einem Angriff der Terrormiliz IS auf die Konzerthalle „Bataclan“ und andere Ziele in Paris im November vergangenen Jahres starben 130 Menschen. Bei den beiden Terroranschlägen in Deutschland in diesem Jahr - in Ansbach und Würzburg - gab es außer den Tätern keine Toten.

Keine erhöhte Terrorgefahr

Die Terrorgefahr für Deutschland hat sich nach Einschätzung de Maizières mit dem Bombenfund nicht erhöht. Der CDU-Politiker sprach von einer „unverändert hohen Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus“. Die Ermittlungen zeigten aber, „dass solche Taten, wie wir sie in Frankreich und Belgien gesehen haben, auch in Deutschland nicht auszuschließen sind“, sagte der Minister.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss gesetzliche Konsequenzen nicht aus. „Wir müssen alles Menschenmögliche tun, notfalls dann auch die Gesetze verändern, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten“, sagte sie während ihrer Afrika-Reise in Niamey, der Hauptstadt des Niger. Die CSU forderte eine Totalrevision der Flüchtlingskontrollen.

Zwei Syrer hatten den 22-Jährigen nach eigenen Angaben in einer Wohnung im Nordosten der Stadt überwältigt, gefesselt und der Polizei übergeben. „Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen“, sagte einer von ihnen dem Sender RTL. „Wir haben ihm gesagt, du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei.“ Sein Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben. Daraufhin sei er mit einem Foto von Al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren. „Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht - gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat“, sagte Mohammed A.

Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) lobte ihn als „mutigen und verantwortungsbewussten“ Mitbürger.

Sprengstoff wie in Brüssel und Paris

Zwei Tage nach dem brisanten Bombenfund in Chemnitz hatte die Polizei den bundesweit gesuchten Terrorverdächtigen A. in der Nacht zum Montag in Leipzig festgenommen. Die Polizei fasste den Syrer in einer Wohnung, wo drei Landsleute ihn bereits gefesselt hatten. Er hatte am Leipziger Hauptbahnhof einen Landsmann angesprochen und gefragt, ob er bei ihm schlafen könne. Der Syrer nahm ihn demnach mit, überwältigte ihn mit zwei Helfern und informierte die Polizei.

Ein möglicher Komplize des Hauptverdächtigen, der 33-jährige Wohnungsmieter, kam in Untersuchungshaft. Er ist ebenfalls Flüchtling und war Mitte Juli aus Nordrhein-Westfalen nach Chemnitz gezogen, wie der Chef des sächsischen Landeskriminalamts, Jörg Michaelis, sagte. Die Polizei hatte bei einer Razzia in der Wohnung 1,5 Kilogramm Sprengstoff gefunden. Dabei handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen um das hochgefährliche TATP.

„Diese Art würde dem verwendeten Sprengstoff bei den Attentaten von Paris und Brüssel entsprechen“, sagte Michaelis. „Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprechen derzeit für einen IS-Kontext“, sagte er.

Dem ebenfalls inhaftierten 33-jährigen Syrer Khalil A. wirft die Bundesanwaltschaft vor, A. seine Wohnung zur Nutzung überlassen und für ihn in Kenntnis seiner Anschlagspläne die notwendigen Stoffe im Internet bestellt zu haben.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erstattet künftig bei jedem gefälschten Pass, den Asylbewerber vorlegen, Anzeige bei der Polizei, teilte die Behörde in Nürnberg mit. Bislang wurden nur die jeweils zuständigen Ausländerbehörden in den Ländern informiert.

Hier erfahren Sie, was wir über den Terroreinsatz wissen, und was nicht.

Verfolgen Sie alle Entwicklungen rund um die Festnahme des Terrorverdächtigen in unserem Live-Ticker.

dpa

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