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Unter dem Strich zog der Gewinn bei Continental nach Zinsen und Steuern um 12 Prozent an auf fast 1,7 Milliarden Euro. Foto: Ole Spata

Reifen bleiben Contis Gewinngarant

Mit seinen Reifen macht Continental jeden vierten Euro vom gesamten Konzernumsatz - aber rund jeden zweiten Euro vom Gewinn. Entsprechend groß ist der Einfluss der Pneus für das Wohl und Wehe des gesamten Unternehmens.

Hannover (dpa) - Trotz aller Bemühungen für mehr Unabhängigkeit vom Reifengeschäft haben bei Continental die Pneus abermals die Bilanz bestimmt. Die Reifensparte des Autozulieferers sorgte im ersten Halbjahr für mehr als jeden zweiten Euro vom Betriebsgewinn, wie aus Zwischenbilanz hervorgeht.

Im zweiten Quartal legten dabei sowohl die Gewinnkraft der Reifen als auch deren Anteil am gesamten Betriebsgewinn des Konzerns noch einmal leicht zu. Und: Steigende Pkw-Neuzulassungen und konstant geringe Rohstoffpreise etwa für Kautschuk sorgen weiter für Tempo; Conti hebt die Prognose.

Der Dax-Konzern aus Hannover müht sich seit Jahren, die Abhängigkeit vom Geschäft mit den Autobauern zu mildern; etwa über den Ausbau der Industriesparte. Dennoch: Das Gummi bestimmt das Wohl und Wehe.

Das zeigen die Halbjahreszahlen anschaulich: Die Sparte Interior, die etwa Multimediaeinheiten für Fahrzeuge liefert, hat Probleme: Im Halbjahresvergleich brach der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 22 Prozent ein. Mit 26 Prozent Rückgang lief das zweite Quartal noch schlechter.

Automodelle mit Interior-Technik liefen aus und Entwicklungskosten stiegen an. Contis Finanzchef Wolfgang Schäfer sagte, die Wende sei in Sicht: Schon zum Jahresende solle Interior wieder wie gewohnt wachsen und verdienen. Angesichts der Reifen-Dominanz fallen die Probleme insgesamt aber kaum auf.

Die Pneus legten im Ebit im zweiten Quartal um 7 Prozent zu auf 645,4 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr ergab sich bei der Kennziffer gar ein zweistelliges Plus über 11 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. NordLB-Branchenanalyst Frank Schwope nannte das "nahezu Traummargen".

Auch die nach wie vor schleppend laufende Elektromobilität lastet auf den Conti-Zahlen: Das Geschäft mit Technik für Hybridantriebe lief schlechter als ein Jahr zuvor, die Verkäufe schrumpften. Aber Schäfer beobachtet seit dem Abgas-Skandal mehr Aufmerksamkeit für alternative Antriebe. Das Herstellerinteresse an Hybriden habe seitdem "deutlich zugenommen". Der Weg aber ist lang: In fünf Jahren erwartet er einen Anteil reiner E-Autos an den Neuzulassungen von 2 bis 3 Prozent weltweit. Für Hybridfahrzeuge könnten es dann 12 Prozent Anteil sein.

Die VW-Abgas-Affäre stellt auch den Diesel vor neue Herausforderungen. Absehbar striktere Umweltvorgaben machen vor allem in Kleinwagen Probleme: Größere Abgassysteme wie Katalysatoren benötigen mehr Platz und lasten auf der bei Kleinwagen engen Marge. Schäfer sagte: "Ich würde nicht ausschließen, dass wir mittelfristig gerade in den kleineren und dem unteren mittleren Segment eine gewisse Verschiebung weg vom Diesel und hin zum Benziner sehen."

Contis Konzernumsatz wuchs in den ersten sechs Monaten um 2 Prozent auf gut 20 Milliarden Euro. Unterm Strich zog der Gewinn nach Zinsen und Steuern um 12 Prozent an auf fast 1,7 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr soll die um Sondereffekte wie Zukäufe bereinigte Ebit-Marge statt zuletzt "rund 11 Prozent" nun auf "größer 11 Prozent" steigen. Conti will also von 100 Euro Umsatz vor Zinsen, Steuern und Einmaleffekten mehr als 11 Euro behalten. Es ist die zweite Prognoseerhöhung in Folge.

Ohne seine Auszubildenden zählt Conti inzwischen 215 000 Mitarbeiter weltweit; das sind ungefähr 10 000 mehr als noch vor einem Jahr.

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