Kurz vor Zwölf müsste eigentlich auf dem Big Ben stehen. Die Briten stimmen über einen Verbleib in der Europäischen Union ab.  
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Kurz vor Zwölf müsste eigentlich auf dem Big Ben stehen. Die Briten stimmen über einen Verbleib in der Europäischen Union ab.  
Während der Debatte in der Wembley-Arena kritisierte Londons Bürgermeister (r) seinen Vorgänger scharf.  
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Während der Debatte in der Wembley-Arena kritisierte Londons Bürgermeister (r) seinen Vorgänger scharf.  
Jüngste Umfragen ergeben kein klares Bild über den zu erwartenden Ausgang der Abstimmung.  
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Jüngste Umfragen ergeben kein klares Bild über den zu erwartenden Ausgang der Abstimmung.  
Im Laden "Broken English" in Berlin kommen England-Fans auf ihre Kosten.  
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Die Wahllokale öffnen am 23. Juni um 7 Uhr und schließen um 22 Uhr Ortszeit.  
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Die Wahllokale öffnen am 23. Juni um 7 Uhr und schließen um 22 Uhr Ortszeit.  
Warnungen vor den wirtschaftlichen Folgen eines Brexit weist Johnson zurück. 
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Warnungen vor den wirtschaftlichen Folgen eines Brexit weist Johnson zurück. 
"Für Sie, für Ihre Familie und für die Zukunft unseres Landes, stimmen Sie für Drinbleiben", appelliert David Cameron.  
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"Für Sie, für Ihre Familie und für die Zukunft unseres Landes, stimmen Sie für Drinbleiben", appelliert David Cameron.  

Entscheidung am Donnerstag

Historisches EU-Referendum: Nun haben die Briten die Wahl

London - Die Briten haben es in der Hand, die EU in die schwerste Krise ihrer Geschichte zu stürzen - falls es tatsächlich eine Mehrheit für den Ausstieg aus der Gemeinschaft gibt. Nach letzten Umfragen wird es ein enges Rennen.

Update vom 23. Juni 2016: Heute stimmen die Briten ab und wir versorgen Sie die gesamte Nacht über im Live-Ticker.

Drinbleiben oder rausgehen? Großbritannien und die Europäische Union stehen vor einer historischen Zäsur. Nach einem erbitterten Wahlkampf wird an diesem Freitag klar sein, ob das Vereinigte Königreich EU-Mitglied bleibt oder der Gemeinschaft nach 43 Jahren den Rücken kehren wird.

Trotz zahlreicher Warnungen aus der ganzen Welt vor einem Brexit - also einem EU-Austritt - war der Ausgang des Referendums völlig offen. Auch das Schicksal des britischen Premierministers David Cameron könnte vom Ergebnis der Volksabstimmung am Donnerstag abhängen.   

Insgesamt waren rund 46,5 Millionen registrierte Wähler zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlkokale öffneten im ganzen Land um 8.00 Uhr MESZ. Die Auszählung der Stimmen in den 382 Wahlkreisen sollte unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 23.00 Uhr MESZ beginnen. Prognosen und Hochrechnungen sollte es nicht geben. Erste Ergebnisse werden am Freitagmorgen erwartet. Bereits kurz nach Verkündung des Wahlergebnisses dürfte David Cameron in Downing Street 10 - dem Amtssitz des Premierministers in London - vor die Presse treten. 

Umfragen sagten zumeist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen beiden Lagern voraus. Viele Wähler waren allerdings noch kurz vor der Abstimmung unentschlossen.

"Trend zum Drinbleiben"

Die letzte Erhebung des Instituts YouGov vor dem Referendum sah das Pro-EU-Lager mit 51 zu 49 Prozent vorne. "Die derzeitigen Umfragen legen ein zu knappes Rennen nahe, als dass eine Vorhersage möglich ist", meinte das Institut. Aber es gebe einen neuen "Trend zum Drinbleiben". Dies bestätige Beobachtungen bei anderen Unabhängigkeitsvoten in der Vergangenheit: Kurz vor dem Urnengang gebe es eine Bewegung der Wähler zum Erhalt des Status quo.

Premier Cameron zeigte sich bei der Stimmabgabe wortkarg. "Guten Morgen" war das Einzige, was er sagte, als er gemeinsam mit seiner Ehefrau Samantha in der Nähe von Downing Steeet 10 zur Wahlurne ging. Nicht einmal zum schlechten Wetter wollte sich der Premier äußern, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA.

Labour-Chef Jeremy Corbyn gab sich demonstrativ zuversichtlich. "Es ist ein guter Tag", sagte er bei der Stimmabgabe im Londoner Stadtteil Islington. Zum erwarteten knappen Wahlausgang meinte der Pro-EU-Kämpfer, man könne entweder den Finger in den Wind strecken oder die Buchmacher befragen. "Die Buchmacher liegen meistens richtig", meinte er mit Blick auf die Wetten, die deutlich auf einen Sieg des Pro-EU-Lagers setzten.

Brexit würde EU in Krise stürzen - vermutlich die schwerste ihrer Geschichte

Auch Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen britischen Ukip-Partei und einer der Wortführer des Austrittslagers, zeigte sich siegessicher. Das Brexit-Lager habe eine "sehr starke Chance", sagte er am Donnerstag vor seinem Haus in der Grafschaft Kent der Nachrichtenagentur PA. Alles hänge von der Wahlbeteiligung ab. 

Ein Brexit würde die EU in die vermutlich schwerste Krise ihrer Geschichte stürzen. Zahlreiche europäische Politiker hatten die Briten vor einem Austritt gewarnt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und andere Institutionen sagten wirtschaftliche Turbulenzen im Falle eines Brexit voraus. 

An den Finanzmärkten herrschte am Donnerstag Optimismus, dass sich die Briten für einen Verbleib in der EU aussprechen. Am Tag der Volksabstimmung startete der Dax den nunmehr fünften Tag in Folge mit Gewinnen, ebenso der EuroStoxx 50. Auch für den Londoner FTSE-100-Index ging es nach oben. An den Devisenmärkten wurde ebenfalls mit einem Sieg des Pro-EU-Lagers gerechnet: Das Pfund ging mit einem deutlichen Kurs-Plus in den Tag des Referendums. Die Währung kletterte im Tagesverlauf über die Marke von 1,48 Dollar; so teuer war die britische Währung seit Ende 2015 nicht mehr.

Werden Austrittswünsche anderer Länder beflügelt?

Finanzexperten gehen davon aus, dass das britische Pfund bei einer Mehrheit für den EU-Austritt dramatisch abstürzen könnte. EU-Politiker wiederum befürchten, dass ein Brexit Austrittswünsche in anderen Ländern beflügeln dürfte - und damit zusätzliche Probleme für die EU bringt. 

Bis zuletzt kämpften das Brexit-Lager und das Pro-EU-Lager um Wähler. Camerons Hauptargument war, dass ein Ausstieg ein "Sprung ins Unbekannte" wäre. Das Ausscheiden aus dem gemeinsamen Markt würde schwere wirtschaftliche Nachteile für die Briten bringen. Wohlstand und Jobs wären gefährdet.

Der Brexit-Wortführer, der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson, tat dies als Panikmache ab. Ein Ausscheiden bedeute, dass das Land seine Souveränität zurückerhalte. Außerdem spare es dann Millionen an EU-Zahlungen ein. Auch lasse sich die Einwanderung nach Großbritannien als EU-Land nicht effektiv bekämpfen.

Unklar ist das politische Schicksal Camerons. Zwar betonte er vor dem Urnengang immer wieder, dass er in jedem Fall im Amt bleiben wolle. Doch ein Sieg des Brexit-Lagers würde eine schwere Niederlage für ihn bedeuten. Es gilt als fraglich, ob er danach weiterregieren könnte. Auch Johnson werden Ambitionen auf das Amt des Premiers nachgesagt.

dpa

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