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Europäische, britische und deutsche Fahne

Das deutsch-britische Verhältnis

Zwei Weltkriege, eine WM und ein möglicher Brexit

Berlin - Springerstiefel, Panzer und Weltkriegsrhetorik - in der Debatte über einen möglichen Austritt aus der EU schrecken britische EU-Kritiker auch nicht vor anti-deutschen Ressentiments zurück.

Update vom 23. Juni 2016: Brexit - ja oder nein? Das entscheidet sich heute. Wir haben bereits zusammengefasst, was der EU-Austritt für David Cameron bedeuten könnte.

Update vom 21. Juni 2016: Am Donnerstag stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Alle aktuellen Infos finden Sie in unseren News-Ticker zum Brexit.

Zwei Weltkriege und eine Weltmeisterschaft haben sie gegen Deutschland gewonnen - so feiern sich die Engländer in einer beliebten Fußballhymne. Brexit-Befürworter in Großbritannien machten vor dem EU-Referendum an diesem Donnerstag auch einen Austritt Großbritanniens aus der EU zum Symbol des Widerstandes gegen die Deutschen und ihren gefühlten neuen Imperialismus.

Anti-deutsche Symbolik und Rhetorik ist eine beliebte Strategie der Austrittswilligen in Großbritannien. In Portsmouth warben EU-Kritiker mit einem Poster im Stil der 1930er-Jahre. Es zeigt einen Springerstiefel mit dem Sternenkreis der europäischen Flagge - unter dem Stiefel die Silhouette Londons, wie ein Twitter-Nutzer postete.

„HALT ze German advance! Vote Leave“ („Stoppt den deutschen Vormarsch! Stimmt für den Austritt“) war erst kürzlich auf Werbeplakaten entlang der Autobahn M40 zwischen London und Birmingham zu lesen. Da wurde ein Verlassen der EU mit dem Widerstand gegen Nazi-Deutschland assoziiert. Zwar protestierten viele Nutzer sozialer Medien auf Twitter gegen solchen „fremdenfeindlichen Scheiß“ und den „tragischen Populismus“ der Kampagne, doch auch namhafte Politiker erinnern gern mal an die deutsche Bedrohung im Zweiten Weltkrieg.

Johnsons Hitler-Vergleich sorgt für Aufregung

Der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson sagte in einem Interview des konservativen „Sunday Telegraph“ Mitte Mai, die vergangenen 2000 Jahre europäischer Geschichte seien von Versuchen gekennzeichnet gewesen, den Kontinent zu einem Superstaat zu einigen. „Napoleon, Hitler, verschiedene Leute haben das versucht, und es endet (immer) tragisch“, warnte der Tory, der als möglicher Nachfolger von David Cameron für das Amt des Premierministers gilt.

Die Historikerin Rachel Chin, die an der Universität Exeter im englischen Südwesten forscht, bezeichnet diese Rhetorik im Kern als „emotional und nostalgisch“. „Sie ist auch zutiefst beunruhigend“, schreibt sie auf ihrem Blog, weil „solche allzu sehr vereinfachten Konzepte von nationaler Identität und einem Patriotismus aus Kriegszeiten“ jede sachliche Debatte verhinderten. „Es ignoriert auch die Tatsache, dass der Zweite Weltkrieg ein globaler Konflikt war.“

Der ehemalige konservative Arbeitsminister Ian Duncan Smith dagegen verteidigte Johnsons historischen Vergleich. Es gehe um die „unsinnige Idee“, die so unterschiedlichen Länder Europas gewaltsam zusammenzutreiben.

Deutschland als Tonangeber in der EU - Das schmerzt die Briten

Auch der Milliardär Peter Hargreaves, der die Brexit-Kampagne finanziell unterstützt, beschwor einen möglichen EU-Austritt als Flucht vor den Deutschen. „Es wird wieder so sein wie Dünkirchen“, zitierte der „Guardian“ den EU-Kritiker, der damit auf die Evakuierung britischer Soldaten über den Hafen der nordfranzösischen Stadt anspielte, nachdem das Gebiet an die Nazis gefallen war.

Viele Briten könnten sich eben noch immer nicht damit abfinden, dass ihr Land keine Weltmacht mehr sei, meint auch die deutsche Historikerin Tanja Bültmann, die an der Northumbria University im nordenglischen Newcastle lehrt. „Stattdessen muss man sich - zumindest gefühlt - der EU unterordnen. Und das, ... obwohl man den Krieg gewonnen hat“, sagt Bültmann. Und das schmerze die Briten, zumal Deutschland in Europa oft als „Tonangeber“ rüberkomme, „auch wenn es oft gar nicht so ist.“

Auf ihrem Twitter-Auftritt wirbt Bültmann für einen Verbleib der Briten in der EU. Das gefällt nicht jedem: Neulich schickte ihr ein verärgerter Brexit-Anhänger als Antwort ein Bild von einem Panzer.

Brexit: Gründe, Folgen, Umfragen

Was sind die Gründe für einen Austritt aus der EU? Was die Vor- und Nachteile? Was wären die Folgen? Wie steht es in den Umfragen? Und wann findet die Abstimmung statt? Wir machen den Brexit-Check.

dpa

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