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Die Beamten schossen in den meisten Fällen aus Notwehr. Foto: Matthias Balk

Mehr als im Vorjahr

Polizisten erschossen 2015 in Deutschland zehn Menschen

In Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina eskalierten in dieser Woche Proteste gegen Polizeigewalt. Auch in Deutschland richten Beamte immer wieder ihre Dienstwaffe auf Menschen und drücken ab. Einer Studie zufolge gab es dabei im vergangenen Jahr 10 Tote.

Hannover/Münster (dpa) - Polizisten in Deutschland haben vergangenes Jahr 10 Menschen erschossen und 22 durch Kugeln verletzt. Insgesamt richteten die Beamten in 40 Fällen ihre Dienstwaffen gezielt auf Menschen und drückten auch ab.

Nicht in allen Fällen waren Tote oder Verletzte die Folge, da die Schüsse teilweise ihre Ziele verfehlten. Unter den Toten und Verletzten war 2015 jeweils ein Unbeteiligter.

Wo sich im Bundesgebiet die Fälle ereigneten, geht aus der amtlichen Statistik nicht hervor. Sie wird jedes Jahr von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster erstellt und liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Auch die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten am Donnerstag von der Aufzählung. Zum Vergleich: Nach einer Statistik der "Washington Post" starben 2015 in den USA 990 Menschen durch Polizeikugeln.

Im Jahr zuvor, 2014, hatten Polizisten in Deutschland 7 Menschen erschossen und 31 durch Kugeln verletzt. Es gab damals insgesamt 46 Fälle von "polizeilichem Schusswaffengebrauch", wie es im Amtsdeutsch heißt. Auswertungen der dpa über die vergangenen Jahre zeigen, dass Polizisten in Deutschland rein rechnerisch etwa jeden zehnten Tag auf Menschen schießen. Damit bildet das Jahr 2015 (jeder neunte Tag) keinen statistischen Ausreißer.

Wie in den Vorjahren schossen die Polizisten auch im vergangenen Jahr fast ausschließlich (34 Fälle, 85 Prozent) in eigener Notwehr oder in sogenannter Nothilfe - also etwa dann, wenn Kollegen in Lebensgefahr geraten waren. Neun der zehn Toten fallen in diese Kategorie.

In vier Fällen (darunter ein Toter) schossen die Beamten, um schwere Verbrechen zu verhindern. In zwei Fällen lag Fluchtvereitelung vor.

Die Fälle sind nicht mit der Zahl der Schüsse gleichzusetzen. Denn in einem Fall können durchaus mehrere Schüsse abgegeben worden sein. In 48 Fällen fielen Warnschüsse. Sie müssen den gezielten Schüssen gegen Menschen vorausgehen - falls es denn die Situation noch zulässt und es die Umgebung erlaubt. Selbes gilt auch für die Androhung, von der Schusswaffe notfalls Gebrauch zu machen. Experten berichten aber, der Großteil der Extremfälle trete ein, wenn sich Polizisten plötzlich in Notwehr gegen Angreifer verteidigen müssen, um sich so zu retten.

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