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Auf Streifzug: Mogli (Neel Sethi als einziger realer Darsteller im Film) mit dem schwarzen Panther Baghira, einer Animation.

Furchteinflößend real

Kinostart von "Dschungelbuch": Schluss mit niedlich

München - Die Realverfilmung des „Dschungelbuchs“ ist ernsthafter und furchteinflößender als der Disney-Klassiker. Die Effekte sind beeindruckend, aber sicher nichts für Kinderaugen.

Wie immer kann man sich auch bei dieser Neuverfilmung natürlich fragen, ob sie wirklich nötig ist. Wozu muss ausgerechnet das „Dschungelbuch“, einer der heißgeliebten und zweifellos charmantesten Klassiker des Zeichentrickfilms, nochmals inszeniert werden? Sieht man sich das Disney-Meisterwerk von 1967 noch einmal an, findet man zwischen den wunderbaren Liedern und originellen Szenen die Antwort. Zwar ist der letzte Animationsfilm, an dem Walt Disney noch persönlich beteiligt war, bezaubernd wie eh und je. Aber oft eben auch behäbig und technisch extrem simpel.

Das kann man nun diesem modisch flotten Film nicht vorwerfen, wie schon der Einstieg in „The Jungle Book“ zeigt: Mit der Vorgeschichte, warum Menschenkind Mogli in den Dschungel geraten ist und wie er bei den Wölfen zu einem etwa Siebenjährigen herangewachsen ist, hält sich Regisseur Jon Favreau nicht lange auf. Man sieht Mogli zusammen mit Wolfswelpen durchs Dickicht rennen, über Stock und Stein stolpern, hechten, fliegen. Die Kamera begleitet den Buben (Neel Sethi als einziger realer Darsteller) bei seiner rasanten Jagd durch den bis ins kleinste Pflänzchen naturidentisch animierten Urwald, vorbei an aufsehenerregenden Landschaften – untermalt von drängend-dramatischer Musik. Die wird noch gewaltiger und bedrohlicher, als der böse Tiger Shir Khan auftaucht. Mit seinem Erscheinen wird auch endgültig klar, dass diese Adaption des zeitlosen Romans von Rudyard Kipling kein niedliches Musical ist, das sich dank des munteren Bären Balu oder der frechen Äffchen bereits für die Kleinsten eignet (siehe Kasten).

Ben Becker, der dem gruselig vernarbten Tiger seine beeindruckend facettenreiche Stimme leiht, grummelt und flüstert und brüllt, dass es nur so eine Art hat. Auf den sympathisch verbindlichen Humor der alten Disney-Fassung hat Jon Favreau weitgehend verzichtet. Sein Film ist bildgewaltiger, tiefenschärfer, farbenfroher und bombastischer – aber auch viel ernsthafter und furchteinflößender.

Nicht nur die Raubkatze auf Rachefeldzug ist diabolischer, auch die Affen um King Louie und der Zusammenbruch des Tempels sind wenig kindgerecht inszeniert. Die ganze Truppe wirkt nicht mehr witzig, sondern eher bedrohlich. Allein die süßen Wölfchen und der von Armin Rohde zauberhaft interpretierte Balu sorgen für etwas Heiterkeit.

So mag Favreaus „Jungle Book“ deutlich mehr mit der Romanvorlage zu tun haben – für kleinere Zuschauer ist der optisch beeindruckende Film aber wenig geeignet.

„The Jungle Book“

Regie: Jon Favreau

Laufzeit: 97 Minuten

Sehenswert

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