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Niedlich sind sie ja, aber wer mistet jede Woche den Stall aus?

Tierschutzbeauftragte fordert Regeln

Kommt jetzt das Haustier-Gesetz? 

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Stuttgart – Ein ‚Führerschein‘ für den Meerschweinchenkauf, Kontrollen zur Überprüfung der Käfiggröße... Die Tierschutzbeauftragte des Landes fordert Regeln für die Heimtierhaltung.

Weil das Häschen so niedlich ist, kauft Mama es der Tochter. Doch die verliert irgendwann das Interesse. Und dann steht Urlaub an...

Sogenannte „Heimtiere“ haben es manchmal nicht leicht in ihrer Rolle als knuddelige Weggefährten. Die Verantwortung, die Tierfreunde für sie übernehmen müssen, wird oft unterschätzt. 

Bundeseinheitliche Standards für Haustiere sollen das in Zukunft gesetzlich regeln. Das findet zumindest Cornelie Jäger, Tierschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg.

Mindestvoraussetzungen etwa bei Käfiggröße und -ausstattung sowie eine Art Sachkundenachweis für Halter, wie bei Nutz- und Versuchstieren, seien dafür nötig, sagt sie am Samstag. 

Spontankäufen und Tränen vorbeugen

„Ich glaube, dass viele Menschen die Folgen eines Tierkaufs nicht überblicken.“ So stellten sich viele Menschen nicht mehr die Frage, was sie zum Beispiel im Urlaub mit ihrem Haustier machen. „Und wenn Sie eine Schildkröte, die 50 Jahre oder älter werden kann, besitzen, müssen Sie ja quasi das Vererben mitregeln.“

Ihr gehe es vor allem um einen vorbeugenden Ansatz, betont die Tierschutzbeauftragte: „Ich bin keine Tierhaltungsgegnerin.“ Auch sollten die Sachkundenachweise mit Augenmaß festgelegt werden. „Wer Mäuse oder Kaninchen halten will, soll keinen wochenlangen Kurs belegen müssen.“ 

Zoo-Fachhändler könnten aber beispielsweise eineinhalbstündige Seminare anbieten und so außerdem Kunden binden. „Vielleicht beugt das auch Spontankäufen und Tränen vor.“ Geregelt werden müssten in einer derartigen Verordnung laut Jäger zudem Kontrollmöglichkeiten, die im privaten Bereich allerdings schwierig durchzusetzen seien.

Tiere in jedem dritten Haushalt

Nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf lebten 2013 in mehr als einem Drittel der Haushalte in Deutschland 28 Millionen Katzen, Hunde, Kleinsäuger und Ziervögel. Nach den Recherchen von „Spiegel“ und „Report Mainz“ werden viele im Handel erhältliche Zoo- und Heimtiere bei Züchtern und Lieferanten unter schlimmen Bedingungen gehalten. 

Die Medien berufen sich unter anderem auf geheim gedrehte Filmaufnahmen der Tierrechtsvereinigung Peta, die Kleintiere in überfüllten Käfigen oder winzigen Plastikboxen zeigen sollen.

Die Umsetzung einer entsprechenden Rechtsgrundlage sei Bundesangelegenheit, erklärt Jäger. Aufgrund der ablehnenden Haltung dort, plant sie eine Vorlage für eine Bundesratsinitiative. „Das wird in dieser Legislaturperiode aber nichts mehr.“ In Baden-Württemberg wird im März 2016 ein neuer Landtag gewählt. Jägers Funktion ist derzeit bis 2017 befristet.

dpa/sag

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